Von Akkos Goldenem Zeitalter

Einer der Höhepunkte der Sehenswürdigkeiten von Akko ist das Hammam „Al Pasha“ aus dem Jahr 1781.

von Rachel Avraham |
Foto: Flash90

Im Jahr 2001 erklärte die UNESCO die Altstadt von Akko zum Weltkulturerbe, eine „traditionelle osmanisch-türkische Stadt im Nahen Osten, die in den letzten 150 bis 300 Jahren relativ unverändert geblieben ist“. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das 1781 von Ahmad Pasha Al Jazzar erbaute Hammam Al Pasha, eines der schönsten türkischen Badehäuser in Israel, das einen Einblick in das Leben des durchschnittlichen osmanischen Untertanen bietet.

Viele Baudenkmäler der Stadt stammen aus dem späten 18. Jahrhundert, als Ahmed al-Jazzar Herrscher von Damaskus und dessen Umgebung wurde. Al-Jazzar machte Akko zu seinem politischen Zentrum und entfaltete eine rege Bautätigkeit. Er befestigte die Stadtmauern, erneuerte das Aquädukt und errichtete Moscheen, Badehäuser, Paläste und Karawansereien.

Neben dem Hammam Al Pasha gibt es in Akko weitere historische Zeugen jener Zeit. Das sind zum Beispiel die ikonische Al-Jazzar-Moschee im osmanischen Stil von 1781, die auch das Mausoleum Al-Jazzars und seines Nachfolgers Suleiman Pasha beherbergt, ein Basar, ferner eine Zitadelle aus dem 18. Jahrhundert. Letztere wurde auf einem alten Kreuzfahrerbau errichtet, die Briten nutzten das Ensemble als Gefängnis. Heute ist darin das Museum der Untergrundgefangenen untergebracht. Es ist jenen Juden gewidmet, die im Kampf gegen die Briten ums Leben kamen. Weitere Highlights sind der Khan Al Umdan, der in der osmanischen Ära Kaufleuten als Unterkunft diente und ein Uhrenturm, der 1906 anlässlich des Jubiläums von Sultan Abdul Hamid errichtet wurde.

Im Hammam Al Pasha lädt ein Garten zum Verweilen ein. Man per Audiorekorder in verschiedenen Sprachen Erklärungen anhören, die Führung erzählt die Geschichte des osmanischen Akko aus der Sicht des letzten hiesigen Bademeisters. Erst nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg wurde das Badehaus zum Stadtmuseum mit archäologischen Funden aus dem Stadtgebiet. In den 1990er Jahren wurde es in ein Museum umgewandelt, das dokumentiert, wie es war, in einem osmanischen Badehaus einzukehren.

Andrea Simplici und Mario Boccio schreiben in „Akko: A City with a Dual Spirit“: „Das Hammam al-Pasha, wie es gewesen sein muss, wird durch eine Video- und Lichtshow mit dem Geist von Hadsch Bashir Awad, dem letzten Bademeister, der hier gearbeitet hat, in Erinnerung gerufen. Mit einer Stimme, die durch das Leben in einer dampfenden Umgebung rau geworden ist, erzählt er die Geschichte von Akko und seinem Hammam, verrät die Geheimnisse einer guten Massage und beschreibt das Vergnügen, eine Narghilah-Wasserpfeife zu rauchen und im Empfangsraum Tee zu trinken. Bashir war der letzte Erbe einer Familie von Bademeistern, einer Dynastie, die sich über drei Jahrhunderte erstreckte. Al-Jazzar hatte diesen Bademeister persönlich ausgewählt: Omar Awad, ein loyaler Soldat in seiner Armee, konnte sich den Wünschen seines Herrschers natürlich nicht widersetzen, auch wenn er versuchte, sich aus dem Job herauszuwinden. Immerhin war er erst 36 Jahre alt und hätte nie gedacht, dass er einmal ein türkisches Bad leiten würde. Er reiste nach Konstantinopel, um die Geheimnisse des Gewerbes zu erlernen, und war bereit, als das Hammam 1782 eröffnet wurde. Seine Familie sollte die Kuppelräume des Hammam al-Pasha nie verlassen: 1952 löschte der letzte Bademeister, Hadsch Bashir, die Flamme, die das Wasser erhitzte. Das Hammam war danach viele Jahre lang verlassen, wurde schließlich in ein Museum umgewandelt und in seinem alten Glanz wiederhergestellt. Heute können wir uns den Alltag in diesem Hammam nur noch vorstellen, denn im Eingangsbereich des Bades stehen keine treuen Kunden, sondern Statuen. Andere Statuen stellen Leute dar, die sich an den Temperaturwechsel gewöhnen, während sie im Caldarium auf dem heißen Marmor ausgestreckt liegen.“

Man sagt: „Das Hammam war das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens einer kleinen Gemeinschaft, ein Ort der Ruhe, des Zeitvertreibs, aber auch der leichten Unterhaltung, der Feste, eine Mischung aus Geschäft und Handel. In heiße Handtücher gehüllt, waren Arm und Reich nicht zu unterscheiden: Der Dampf des türkischen Bades beseitigte, zumindest für ein paar Stunden, die Unterschiede der sozialen Schichten.“

Türkisches Hammam-Bad in Akko

Auf dem Rundgang wird ein Video mit dem Titel „The Last Attendant“ gezeigt, das die Geschichte der Stadt anschaulich erzählt. Zu Beginn des Videos erfahren die Besucher, wer Al Jazzar war, der den Bau des Badehauses in Auftrag gab, damit die Gläubigen in der Al-Jazzar-Moschee vor dem Gebet ein Bad nehmen konnten: „Al Jazzar war der Gouverneur des Bezirks in seinem goldenen Zeitalter. Ich habe von meinem Großvater Geschichten über ihn gehört. Er erzählte besonders gern, wie Al Jazzar Napoleon besiegt hat. Napoleon war hier angelangt und sagte, Akko sei der Schlüssel zum Heiligen Land. Al Jazzar stellte den Franzosen eine Falle.“

Mithilfe der Briten gelang es Al Jazzar, Napoleon von Akko fernzuhalten, woraufhin sich der französische Machthaber entnervt zurückzog. Dies verschaffte Al Jazzar im gesamten Osmanischen Reich großen Respekt.

Dem Video zufolge lagen Al Jazzars Gründe für den Bau des Badehauses auf der Hand: „Mit all den Palästen und großen Mauern erkannte Al Jazzar, dass die Stadt ein Badehaus brauchte. Also baute er eines und rief meinen Großvater an: Ich baue ein neues Hammam. Ich möchte, dass du der oberste Bademeister wirst.“ Omar Awad zog es eigentlich vor, Al Jazzar als Soldat zu dienen und nicht ein Hammam-Bad zu betreiben. Aber es war alles vergebens: „Du gehst nach Istanbul. Die Bademeister des Sultans warten auf dich.“ Damit begründete er eine Badedynastie, die mehrere hundert Jahre andauern sollte.

Israel Heute sprach mit einem Einwohner von Akko, der der Meinung ist, das Hammam Al Pasha sei eines der „großen Juwelen der Stadt“. Dieser Einwohner bedauert, dass das Hammam Al Pasha heute nur noch ein Museum und kein funktionierendes Badehaus ist: „Es wäre für die Einheimischen und die Touristen besser, wenn das Hammam Al Pasha heute ein funktionierendes Hammam wäre, so wie es in früheren Generationen war, damit Touristen und Einheimische gleichermaßen das Baden in diesem historischen Badehaus genießen können, so wie man es in anderen Gegenden der arabischen Welt tun kann.“

Es sei darauf hingewiesen, dass es für Touristen möglich ist, das osmanische türkische Badeerlebnis im Ghattas Turkish Bath House in Akko zu genießen. Für 800 Schekel kann ein Paar oder eine Gruppe von Freunden zwei Stunden allein im Hammam verbringen, einzigartige türkische Massagen genießen, in heißem Dampf baden, einen Whirlpool und eine Sauna genießen und traditionellen türkischen Tee trinken, der mit Süßigkeiten und Obst gereicht wird. Wie das Hammam Al Pasha befindet sich auch das Ghattas Turkish Bath House in einem historischen Gebäude. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass das Gebäude nicht vom großen Al Jazzar in Auftrag gegeben wurde, dem Vordenker vieler osmanischer Gebäude in Akko, der die Ehre hatte, Napoleon zu überlisten und ihn aus dem Heiligen Land fernzuhalten.

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