Mehrere Brandsätze sind in der Nacht zum Donnerstag im Ostteil von Jerusalem auf Fahrzeuge der Grenzpolizei geworfen worden. Ein Streifenwagen brannte aus, die Insassen konnten sich retten, wobei ein Polizist eine Rauchgasvergiftung erlitt. Am Damaskustor zur Altstadt hatte zuvor ein Palästinenser mehrere Grenzpolizisten mit einem Messer attackiert. Er verletzte einen Beamten (Foto) am Bein, bevor er von dessen Kollegen überwältigt werden konnte.
Bei dem Messerstecher handelt es sich nach Polizeiangaben um einen 56-Jährigen aus Hebron, der sich illegal in Israel aufhält. Der Mann hatte 1989 bei einem Terrorangriff den jüdischen Historiker Menachem Stern umgebracht und war deshalb inhaftiert worden. 2013 war er bei der dritten Runde der Freilassung von palästinensischen Häftlingen auf freien Fuß gesetzt worden. Diese Haftentlassungen im Rahmen der Friedensverhandlungen waren in Israel heftig umstritten.
Die israelische Hauptstadt erlebt derzeit eine enorme Zunahme von gewaltsamen Zwischenfällen. In den vergangenen zwei Monaten registrierten die Behörden 580 Angriffe auf Zivilisten oder Sicherheitskräfte. Sie ereigneten sich alle im Bereich der Altstadt und auf dem Ölberg. Die zahlreichen Attacken in den arabischen Problemstadtteilen Shuafat, Beit Hanina, Isawiya und Jebel Mukaber sind dabei nicht berücksichtigt.
Im Juni und Juli zählte die Polizei 477 Fälle von Steinwürfen auf Fahrzeuge sowie 28 Brandanschläge auf Autos und Wohnungen von Juden. Außerdem gab es wiederholt Grabschändungen auf dem jüdischen Friedhof am Ölberg.
Aryeh King, ein rechtsorientierter Stadtrat in Jerusalem, warf der Regierung vor, sie habe den Sicherheitskräften die Hände gebunden und verhindere aus politischen Gründen ein schärferes Vorgehen gegen die Randalierer. Jüdische Bürger, die unter der anhaltenden Gewalt leiden, griffen zur Selbsthilfe: Sie starteten das Projekt „Anti-Terror TV“. Die Gewaltakte der Randalierer werden auf Video dokumentiert und veröffentlicht, um auf die Zuspitzung der Situation aufmerksam zu machen.
Foto: Yonatan Sindel (Flash 90)
Hier ein Augenzeugenvideo vom Brandanschlag auf das Polizeifahrzeug:




