Als die 26-jährige Adi Jegna am Donnerstagabend auf dem Heimweg von der Arbeit die weiße Tasche auf einem der hinteren Sitze ihres Stadtbusses im Tel Aviver Vorort Bat Yam bemerkte, kam sie ihr etwas seltsam vor. Also stand sie auf und sah sich die Tasche genauer an.
In der Tüte sah sie Rollen von Toilettenpapier und einen Behälter mit einer gelblichen Flüssigkeit.
„Ehrlich gesagt habe ich überlegt, ob ich überhaupt etwas sagen sollte“, erzählte sie am Sonntag gegenüber JNS.
Jegna bewegte die Tüte jedoch ein wenig und sah einige Schriftzeichen in arabischer Sprache. „Da habe ich verstanden, dass ich das nicht ignorieren kann“, erklärte sie.
Immer noch besorgt, dass sie überreagiert hatte, ging sie zum Busfahrer, als sich ihre Haltestelle näherte, und teilte ihm mit, im hinteren Teil des Busses befinde sich eine verdächtige Tasche, bevor sie ausstieg. Obwohl der Bus fast am Ende seiner Strecke war, befanden sich noch einige Fahrgäste an Bord.
Der Fahrer setzte sich sofort mit seinem Vorgesetzten in Verbindung, der ihn anwies, direkt zum nahegelegenen Busdepot zu fahren, während das Bombenkommando der Polizei alarmiert wurde. Kaum war er selbst aus dem Bus ausgestiegen, wurde dieser von einer gewaltigen Explosion erschüttert.
Jegna hörte die Explosion zu Hause, brachte sie aber nicht sofort mit ihrer Warnung in Verbindung. Erst als eine Freundin ihr per SMS mitteilte, es habe einen Bombenanschlag auf einen Bus gegeben und jemand hätte den Fahrer auf ein verdächtiges Objekt aufmerksam gemacht, wurde es ihr klar.
„Ich fühlte mich unglaublich“, sagte sie gegenüber JNS. „Ich hatte das Gefühl, dass ich der Bote Gottes war, der viele Menschen retten sollte.“
Bald wurde das Ausmaß des vereitelten Anschlags deutlich: Zwei weitere Explosionen gingen vorzeitig in anderen Stadtbussen los – beide leer – einer in Bat Yam und einer in der nahegelegenen Stadt Holon. Die Sicherheitskräfte stellten anschließend fest, dass ein weiterer Bus mit Sprengstoff präpariert worden war.
Eine der Bomben trug Berichten zufolge eine arabische Botschaft, die sich auf die palästinensische Stadt Tulkarem bezog, die ebenso wie Dschenin eine Brutstätte des Terrorismus ist. Die israelischen Streitkräfte führen seit Wochen eine umfassende Anti-Terror-Operation in dem Gebiet durch, in dem sich die beiden Städte befinden.

Bei älteren Israelis weckten die Bilder des zerstörten Busses südlich von Tel Aviv Erinnerungen an die tödlichen Busbombenanschläge in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren.
Jegna ist zwar zu jung, um sich an diese Zeit zu erinnern, aber sie hat Israelis eindringlich daran erinnert, wie wichtig es ist, Bescheid zu geben, sollten sie etwas Verdächtiges sehen.
„Als ich die Bilder meines zerstörten Busses sah, wurde mir das Ausmaß der Katastrophe bewusst, die abgewendet wurde“, erzählte sie. „Ich danke Gott, dass ich ein guter Bote war.“
Als sich die Nachricht von ihrer Aktion verbreitete, lobten die Israelis die junge Frau für ihre Wachsamkeit und ihr schnelles Handeln. Jegna weiß den Dank zwar zu schätzen, betont aber, sie sei keine Heldin und ermutigt einfach jeden, wachsam zu sein.
Was ihre zukünftigen Fahrten betrifft, so fährt Jegna weiterhin mit dem Bus, auch diese Woche.
„Ich habe keine andere Wahl, wenn ich zur Arbeit fahre“, sagte sie. „Ich bin einfach vorsichtiger.“




