Warum israelisch-arabischer Frieden immer wieder erkaltet

Die Hoffnungen waren groß, doch der Frieden mit dem als relativ gemäßigt geltenden Jordanien ist mittlerweile nichts weiter als eine reine Formalität.

Warum israelisch-arabischer Frieden immer wieder erkaltet
EPA-EFE/JUSTIN LANE/ABIR SULTAN

Trotz der mehr als zwei Jahrzehnte lang anhaltenden Zusammenarbeit scheinen die Beziehungen zwischen Israel und dem benachbarten Jordanien an einem neuen Tiefpunkt angelangt zu sein. Beide Länder haben einen Friedensvertrag, haben Ländervertretungen und Botschafter und kooperieren auf mehreren Ebenen. Die meisten Jordanier betrachten Israel trotz allem als Feindesland.

Da ist beispielsweise der starke Widerstand gegen das kürzlich ausgehandelte Gas-Abkommen, das Israel von den Jordaniern entgegenschlägt, besonders von jenen mit palästinensischem Hintergrund. Viele Jordanier sind nicht länger an einem Frieden mit Israel interessiert, und das schließt offizielle Regierungsmitarbeiter mit ein, die sagen, der sogenannte „Friedensvertrag“ werde dem „kalten Frieden“ mit Ägypten immer ähnlicher. Israel und Ägypten haben nur minimale Sicherheitsabkommen zwischen beiden Ländern ausgehandelt, keine echte friedliche Zusammenarbeit, auf die so viele in Israel gehofft hatten.

Vor genau einem Jahr, am 28. Oktober 2018, überraschte Jordaniens König Abdullah Israel, als er eine Klausel im Friedensvertrag einseitig strich und damit Israels Pacht einer Enklave westlich des Jordans, genannt „Insel des Friedens“, beendete. Dass sich Jordanien entschieden hat, dieses Stück Land zurückzuholen, ist per Friedensvertrag legal. Trotzdem beendet diese Entscheidung die Hoffnungen vieler Jordanier und Israelis auf einen warmen Frieden.

Die Beziehungen mit dem benachbarten Königreich waren über die Jahre stets von Hochs und Tiefs gezeichnet. Es ist kein Geheimnis, dass der jordanische König sich gegen Israels Hoheit auf dem Tempelberg ausgesprochen hat und sogar zu Widerstand gegen jegliche jüdische Anwesenheit auf dem heiligen Plateau aufrief. Seit Jahren verurteilt König Abdullah II. Israel, um sich bei den Islamisten einzuschmeicheln, aus Furcht vor der Instabilität, mit der diese immer wieder drohen. Und, wem es schon entfallen ist: Jordanien hat die Entscheidung der UNESCO initiiert und unterstützt, die dem jüdischen Volk jegliche Verbindung zum Tempelberg abspricht, ein Fiasko, das Israel sehr aufgebracht hat.

Obwohl Jordanien nicht von den Aufständen des Arabischen Frühlings betroffen war, befürchten die Behörden des Königreiches nun zu Recht gewaltsame Aufstände in Anbetracht der abflauenden wirtschaftlichen Situation. Es gibt noch viele weitere Faktoren, die dazu beitragen könnten, dass die königliche haschemitische Dynastie gestürzt werden könnte, wie die dortigen Islamisten, örtliche ISIS-Zellen und die unzähligen syrischen Flüchtlinge der letzten Jahre, die die demografische Stabilität des Landes bedrohen. Es sieht heute so aus, als wenn viele Jordanier sich der Art der Demonstrationen, die momentan in Libanon und Irak stattfinden, anschließen werden.

Hier muss man hinzufügen, dass der König von Jordanien als einer der schwächsten Oberhäupter in der arabischen Welt gilt was Militär, Wirtschaft sowie Politik angeht. Wie gedenkt er also, sich aus dieser Misere zu ziehen? Indem er Israel verurteilt, natürlich. Diese Formel hat er sich von den anderen arabischen Führern abgeschaut. Je mehr man gegen Israel wettert, desto populärer wird man im eigenen Volk.

Doch das ist ein heikler Balanceakt. Um zu überleben, muss er öffentlich Israel feindlich gesinnt erscheinen. Zeitgleich muss er hinter verschlossenen Türen eine vernünftige Beziehung zum jüdischen Staat aufrechterhalten, um die amerikanische Regierung bei Laune zu halten und weiterhin die Wasserlieferungen von Israel einzustreichen, die ihm laut Friedensvertrag zugestanden werden. Abdullah könnte sich in der Öffentlichkeit als Israels größter Feind inszenieren, doch wenn es für sein Volk kein Wasser mehr gibt, wird er definitiv in Schwierigkeiten stecken.

Der König von Jordanien scheut sich nicht, Israel zu verurteilen und in aller Öffentlichkeit gegen Israel zu hetzen, solange für alle Welt sichtbar in Amman die israelische Flagge weht. Öffentlich ist also alles erlaubt, solange die falschen Leute nicht herausfinden, dass man in Wirklichkeit mit den Zionisten zusammenarbeitet – eine Lehre, die der König sofort gelernt hat, als er den Thron von seinem Vater König Hussein erbte.

Israel ist per Gesetz und im Rahmen des Friedensvertrags dazu verpflichtet, die „Insel des Friedens“ und eine angrenzende Enklave im Jordantal zu verlassen. In den israelischen Medien wurde nun berichtet, dass eine sechsmonatige Verlängerung des Übereinkommens ausgehandelt worden ist, die Medien in Jordanien und offizielle Sprecher verneinen dies jedoch. Es handelt sich hier um ein Stück landwirtschaftlich genutztes Land in einer Region, in der im letzten Jahrhundert eine wasserbetriebene Elektroanlage gebaut worden ist, die zehntausende Zivilisten mit Strom versorgt.

Noch ist nicht klar, was die Zukunft bringt, ob es Frieden in der Region gibt oder ob sich Israel an Jordanien für die Annullierung der Klausel mit einer Einschränkung der Wasserlieferungen rächt. Eines ist klar, dass der Frieden mit Jordanien eiskalt ist.

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