Unruhen und Raketen ohne Pause!

Ein Israeli aus dem Großraum Tel Aviv erzählt Israel Heute, wie es ist, in der Schusslinie und inmitten der Unruhen zu leben

von Rachel Avraham |
Foto: Avshalom Sassoni/Flash90

Die Sicherheitslage in Israel verschlechtert sich weiter. In der vergangenen Nacht gab es kurz nach Mitternacht einen massiven Raketenangriff auf das gesamte Zentrum des Landes. Gestern Nachmittag kam bei einem Raketenangriff auf den Großraum von Tel Aviv ein Israeli ums Leben, als seine Wohnung in Ramat Gan von Splittern getroffen wurde. In der  Nacht zum Freitag wurden etwa 190 Raketen aus dem Gazastreifen auf den Staat Israel abgefeuert, wobei eine 87-jährige Frau getötet wurde, als sie zu einem Luftschutzkeller in Ashdod lief. Sivan Gamliel, ein Bewohner von Bat Yam, erklärte in einem Exklusivinterview: „Man kann die Raketen fallen hören. Deshalb haben viele Angst, in den Supermarkt zu gehen.“

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Die ehemalige Abgeordnete Michal Cotler Wunsh verkündete auf ihrer Facebook-Seite: „70 Prozent der Bürger Israels stehen unter dem Raketenbeschuss der Hamas. Einer völkermordenden Terrororganisation ist es egal, wen ihre Raketen töten – Juden, Araber, Christen, Drusen, Ultraorthodoxe, Religiöse oder Säkulare. Wir müssen gemäßigte Stimmen ermutigen, die sich engagieren, die Verantwortung übernehmen, die Klüft überbrücken, die Gräben heilen und sich vereinen.“

Dies kommt, nachdem die IDF zahlreiche Ziele im Gazastreifen angegriffen hat. Die Armee berichtete: „Wir haben 150 Ziele getroffen und viele Kilometer des Hamas-Metrotunnels beschädigt. Die IDF wird weiterhin rund um die Uhr arbeiten, um israelische Zivilisten zu verteidigen.“

Unterdessen wurde ein Team von Magen David Adom in der Stadt Umm Al Fahm angegriffen, als sie auf dem Weg waren, Verletzten zu helfen: „Sie wurden gewaltsam und absichtlich von einer Gruppe von Randalierern angegriffen. Sie warfen Steine, griffen den Transporter mit Knüppeln und Metallschlägern an und blockierten den Weg der Krankenwagen. Diese Art von Gewalt ist inakzeptabel. Die MDA ist eine vom IKRK anerkannte Organisation. Wir sind kein Ziel.“

Zur gleichen Zeit wurde berichtet, dass ein arabischer Mann von einer Gruppe jüdischer Extremisten in Bat Yam verletzt wurde, während ein jüdischer Mann von einer Gruppe Araber in Akko verletzt wurde. Etwa zur gleichen Zeit wurde eine Frau verletzt, als ein Bus in Haifa von Randalierern angegriffen wurde. In Jaffa berichtete N12, dass ein junger Soldat beinahe gelyncht worden wäre und derzeit in kritischem Zustand im Krankenhaus liegt.

In Lod gehen die Unruhen ebenfalls weiter, wobei ein jüdischer Mann auf dem Weg zur Synagoge niedergestochen wurde. Laut N12 gehen die Unruhen trotz der verhängten nächtlichen Ausgangssperre ungebremst weiter. Dazu gehören Steinwürfe, Schießereien, die Brandstiftung von Synagogen und Schlägereien auf öffentlichen Plätzen, die Schäden an der Infrastruktur verursachen. Der ehemalige Abgeordnete Dov Lipman berichtete, dass in Lod „Araber mit scharfer Munition aus ihrer Wohnung schießen und auf Juden auf dem Parkplatz eines Wohnviertels zielen, in dem Juden und Araber jahrzehntelang friedlich koexistiert hatten.“

Inmitten des Chaos wurde ein Magen David Adom-Team in Lod angegriffen: „Randalierer warfen Steine aus allen Richtungen. Sie griffen einen Krankenwagen, ein humanitäres Fahrzeug, an, während Freiwillige einem Verletzten erste Hilfe leisteten.“ Nach verschiedenen Berichten wurden seit Beginn der Unruhen mehr als 750 Randalierer verhaftet.

Nach diesen Entwicklungen schrieb der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu auf seiner Facebook-Seite: „In Anbetracht der Situation in Lod ist es unser Ziel, Ergebnisse zu erzielen, und zwar schnell. Wir müssen Frieden und Sicherheit für die Bürger Israels wiederherstellen. Wir werden mehr Kräfte rekrutieren und alles einsetzen, um die Ordnung und Sicherheit im Staat Israel wiederherzustellen.“

Nicht nur die Raketen, sondern auch die jüdischen und arabischen Unruhen wirken sich laut Gamliel negativ auf die Bürger Israels aus: „Viele Araber aus Jaffa wollen nach Bat Yam fahren, aber die Leute haben Angst und schließen die Tür ab, während sie sich mit Lebensmitteln eindecken. Jahrelang haben wir bei ihnen eingekauft und uns mit ihnen unterhalten. Ich hatte nie Angst, nach Jaffa zu gehen. Aber dieses Mal haben wir Angst. Jetzt wird niemand mehr von Bat Yam nach Jaffa gehen, um bei ihnen zu kaufen.“

Dennoch verurteilte Gamliel die jüdischen Extremisten in Bat Yam, die Araber angriffen: „Solche Gewalt sollte nicht passieren. Ich akzeptiere solche Dinge nicht. Aber so etwas passiert, wenn du und deine Kinder nicht sicher sind. Es gibt hier Leute, die auf die Straße gehen wollen und erklären, dass sie keine Angst haben. Das ist der Punkt. Trotzdem sollte die Gewalt nicht passieren. Es darf nicht so sein.“

Der sephardische Oberrabbiner Yitzhak Yosef rief nach solchen Gewalttaten zur Zurückhaltung auf: „Wir dürfen uns nicht zu Provokationen hinreißen lassen und Menschen oder Eigentum Schaden zufügen. Die Tora Israels gewährt keine Lizenz, das Gesetz in die Hand zu nehmen und gewalttätig zu handeln.“

Rabbi David Hartman, der das Shalom Hartman Institut leitet, erklärte in einem exklusiven Interview nach diesen Entwicklungen: „Wir haben außergewöhnlich lange unter dem Mythos gelebt, dass die äußeren Bedrohungen ausschließlich außerhalb unserer Grenzen liegen und das, was innerhalb passiert, nur eine Herausforderung ist. Wir haben zugelassen, dass eine unhaltbare Situation fortbesteht.“

Ihm zufolge sind diese Unruhen innerhalb Israels entstanden, weil „wir uns nicht kennen“ und „unser Leben nicht miteinander teilen“, wobei er anmerkte, dass Juden in Israel selten muslimische Feiertage feiern und Muslime in Israel selten jüdische Feiertage. Unter den Arabern in Israel gebe es ein Gefühl der Entmündigung, das angesprochen werden müsse.

Laut Rabbi Hartman haben Juden und Araber in Israel, abgesehen vom Wählen und dem gegenseitigen Besuch von Geschäften, nichts miteinander zu tun, da sie auf getrennte Schulen gehen und nicht wirklich miteinander interagieren. In einer solchen Situation „braucht es nur ein Streichholz, um den Hass zu aktivieren. Unsere größte Gefahr ist der Hass, dem wir erlauben, in uns zu schwären.“

Rabbi Hartman wirft beiden Seiten vor, Gewalt in ihrer Mitte zu tolerieren: „Wenn man zulässt, dass Gewalt existiert, wird sie sich auch ausbreiten. Jeder von uns muss sich mit sich selbst konfrontieren, und wir tun es nicht gerne, aber das ist es, was wir tun müssen. Beide Seiten müssen genau nach innen schauen und sich dem stellen, was wir nicht getan haben, um die Gesellschaft zu heilen.“

 

Rachel Avraham ist eine politische Analystin, die am Safadi Center for International Diplomacy, Research, Public Relations and Human Rights arbeitet. Sie ist die Autorin von “Women and Jihad: Debating Palestinian Female Suicide Bombings in the American, Israeli and Arab Media”.

 

 


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