Oh, When the LGBT’s Go Marching In

Die diesjährige Jerusalem Gay Parade, die am heutigen Donnerstag stattfindet, wird voraussichtlich die bisher größte Schwulenparade der Heiligen Stadt sein.

Oh, When the LGBT’s Go Marching In
Yonatan Sindel/Flash90

Seitdem Jerusalem auf Anordnung des Obersten Gerichtshofs gezwungen ist, diese Parade auszurichten, sorgen etwa 2.500 Polizisten dafür, potenzielle Gegendemonstranten in Schach zu halten. Die Angst vor einem zweiten Ultra-Orthodoxen Fanatiker wie Yishai Schlissel ist für viele immer noch aktuell. Auf der Jerusalemer Homosexuellenparade 2005 hat Schlissel Teilnehmer des Marsches niedergestochen, für was er anschließend zehn Jahre im Gefängnis saß. Kurz nach seiner Entlassung tauchte Schlissel auf der Homosexuellenparade 2015 wieder auf und erstach sieben weitere Demonstranten, wobei er die 16-jährige Shira Banki tödlich verletzte.

 

Die erste Schwulenparade in Jerusalem fand 2002 statt und ist trotz der Proteste seitdem relativ ungestört geblieben. In den letzten 17 Jahren haben sich die Israelis entweder der LGBT-Agenda angeschlossen oder sich davor gefürchtet, gegen eine Minderheit zu protestieren, die quasi von jeder einflussreichen Organisation in Israel unterstützt wird.

 

Dies wurde in der kurzlebigen Jerusalemer Werbekampagne von Hazon („Vision“) deutlich, einer Organisation, deren Ziel es ist, die jüdische Agenda in Israel voranzutreiben.

 

Haimi Teitelbaum, eine Leiterin von Hazon, erklärte den Grund für diese Initiative zu Beginn dieses Jahres: „Das Judentum bricht sein Schweigen, unser langjähriges Schweigen hat den jüdischen Charakter unseres Landes schwer beschädigt.“ Hazons Plakate in Jerusalem, auf denen steht: „Vater, Mutter, Familie: Der Mut, normal zu sein“, sind ein klarer Protest gegen die aufstrebende Popularität der Schwulenparade an sich. Gleichermaßen ist es auch ein Statement, dass es in Israel Leute gibt, die sich weigern, vor der LGBT-Agenda (sprich: der liberalen Agenda) zu kapitulieren.

 

Kurz nachdem die Plakate aufgehängt wurden, tauschte ein schwules Paar einige von ihnen aus, um zu proklamieren: „Vater und Vater = Familie“. Anstatt „Mut, normal zu sein“, wurde ein Aufkleber mit der Aufschrift „Liebe deinen Nachbarn wie dich selbst“ auf die LGBT-Flagge geklebt.

Poster gegen Heirat gleichgeschlechtiger Paare (Bild: Yonatan Sindel/Flash90)

 

Befürwortet wurde die Aktion von Michal Rozin von der extrem linken Meretz-Partei, die auf Facebook schrieb: „Das süße schwule Paar aus Jerusalem hat ein paar von Hazons homophoben Postern durchgesehen und sie korrigiert … Die Wahrheit ist, es sieht viel besser aus.“

 

Hazons Plakate waren auch für Jerusalems neuen Bürgermeister Moshe Leon zu viel, der veranlasste, die Plakate schon Stunden nach dem Aushängen zu entfernen. Dies überraschte viele, da Leon selbst religiös ist und insbesondere dank der jüdisch-orthodoxen Gemeinde von Jerusalem zum Bürgermeister gewählt wurde. Leons Entscheidung begründe sich jedoch auf die Sorge, „die Gefühle der Öffentlichkeit zu verletzen“. Eine seltsame Ausrede, wenn man bedenkt, dass die Schwulenparade die Gefühle frommer Juden, Christen und Muslime genauso verletzt, welche einen Großteil der Bevölkerung Jerusalems ausmachen.

 

In Anbetracht dessen ist es wahrscheinlicher, dass Leon mit rechtlichen Auswirkungen rechnete und sich daher entschied, diese Kampagne im Keim zu ersticken, bevor es einen rechtlichen Aufruhr auslösen könnte, der sicherlich zugunsten von LGBT-Bewegung ausgegangen wäre.

Aber Hazon gibt nicht auf, sondern beabsichtigt nun, beim Obersten Gerichtshof Berufung einzulegen, um Leons Entscheidung rückgängig zu machen. Inzwischen wurde von Or Reichert eine Karikatur über die sozialen Medien verbreitet, in der Leon die LGBT-Flagge in der Hand hält, während er auf einer „Familien-Flagge“ umher trampelt. Reichert erklärte seine Karikatur und schrieb: „Leon und die Stadt Jerusalem haben sich dem fortschreitenden Stillschweigen [der Mehrheit der Israelis] ergeben.“

 

Foto: Pride-Parade in Jerusalem vom letzten Jahr (Yonatan Sindel/Flash90)

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