Interview mit der Fotografin Dikla Laor

Frauen in der Bibel

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Die Hügel auf dem Weg hinauf zu den Golanhöhen sind in ein Tiefgrün getaucht, das so nur in dieser einzigartigen Gegend zu finden ist. Ich treffe mich hier mit Dikla, eine intelligente, herzliche und bescheidene Frau. Sie wohnt in einem Haus im Moschav Givat Joav auf den Golanhöhen. Wir nehmen in einem pastoralen, mit Vogelgezwischter erfüllten Garten Platz. Die grünen Hügel dienen ihr als Kulisse für ihre spektakulären Fotos von Frauen-Figuren aus der Bibel.

 

Anat: Warum gerade Frauen?

Dikla: Als ich mit dem Fotografieren begann, war mir die Gesellschaft von Frauen einfach angenehmer. Alle Frauen, die ich fotografiert habe, sind Freundinnen, Nichten, zu denen ich eine enge Verbindung habe. Eine Frau bedeutet für mich ein wundervolles Wesen, sie kann Kinder zur Welt zu bringen, hat das Feingefühl, mit anderen umzugehen, verfügt über Kreativität. Sie führt ein erfülltes Leben, ohne auf etwas zu verzichten. Und natürlich ist da die weibliche Schönheit einer jeden Frau.

 

Erzählen Sie mir etwas über den Stil Ihrer Fotos.

Menschen erwarten, Frauen in Wüstengegenden in biblischer, nahöstlicher oder arabischer Kleidung zu sehen. Ich platziere sie an einem anderen geographischen Standort, direkt hinter meinem Haus. Ich kleide sie in lange bunte Kleider. Meine Inspiration entspringt der Zeit der Renaissance und des Barock. In der Kleidung, den Gesichtsausdrücken und den Handbewegungen. Ich bin seit meiner Kindheit mit dieser Zeitepoche verbunden.

 

Viele der Fotos zeigen Frauen die nicht dem Mainstream angehören.

Ich möchte wirklich alle in der Bibel erwähnten Frauen dokumentieren. Über jede Figur stelle ich Nachforschungen an, dabei formt sich vor meinem geistigen Auge der genaue Rahmen jener Person. Dann beginnt in mir das Feuer für das eigentliche Foto zu brennen. Manchmal kann es vorkommen, dass ich einige Monate warte, bis die Hügel hier die richtige Farbtönung dafür haben, das Licht stimmt, genauso wie ich es im Moment der Erleuchtung im Geiste gesehen habe. Nachforschung und Vorbereitung dauern lange. Das Fotografieren an sich nur eine halbe Stunde. Es gibt Frauen die ich unbedingt fotografieren möchte, wie Königin Esther, aber dazu ist mir noch nicht der richtige Rahmen eingefallen. Dazu kommt auch eine Person wie Isebel, sie ist zwar hart aber mächtig und viele Male ist der Text der Geschichte tendenziös. Vielleicht hinterlassen diese Figuren aus der Furcht der Männer einen negativen Eindruck? Sicher haben sie auch noch eine andere Seite.

 

Gibt es eine Frau, mit der Sie sich insbesondere verbunden fühlen?

Ja, sie wurde auch schon als persönliches Portrait fotografiert. Es handelt sich um Hanna mit Samuel. Durch sie erkannte ich, was ich meinen Kindern weitergeben möchte. Samuel wird immer als einen Mantel tragend dargestellt, der Mantel, den ihm seine Mutter nähte

 

Frauen wie Ruth oder Tamar waren keine Jüdinnen. Hat sich das religiöse Umfelt im Verhältnis zu fremden Frauen geändert?

Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels hatte die religiöse Elite Angst vor Assimilation im Volk. Deshalb wurden bestimmte Regeln, Gesetze und Richtlinien aufgestellt, die es den fremden Frauen schwer machen sollten, ein Teil des jüdischen Volkes zu werden. Heute ist die Situation anders. Es ist an der Zeit, diese Regeln zu überarbeiten. Heute wählt jeder wie er leben möchte.

 

Was ist Ihr Lieblingsbild?

Das der Nebenfrau von Gibea (Richter 19). Eine sehr harte Geschichte. Dafür brauchte ich nicht lange nachzuforschen, dieser Frame kam überraschenderweise sehr schnell. Auch das Bild der Hebammen in Ägypten mag ich sehr.

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