Ich habe mich für das Leben entschieden

Smadar Haran, die Überlebende des Terroranschlags von 1979 in der Stadt Naharia, erzählte ihre Geschichte vor einer Gruppe von Auslandskorrespondenten. Kein Auge blieb trocken, die Korrespondenten waren erstaunt darüber, dass Smadar Haran keinen Hass empfindet und keine Rachegefühle zeigt.

Ich habe mich für das Leben entschieden

Smadar Haran, die Überlebende des Terroranschlags von 1979 in der Stadt Naharia, erzählte ihre Geschichte vor einer Gruppe von Auslandskorrespondenten. Kein Auge blieb trocken, die Korrespondenten waren erstaunt darüber, dass Smadar Haran keinen Hass empfindet und keine Rachegefühle zeigt.

Die ausländischen Journalisten wurden vom israelischen Aussenministerium in ein Hotel in Safed geladen, um die Geschichte von Smadar Haran zu hören, die bei dem Anschlag 1979 in Naharia ihren Ehemann Danny und ihre beiden Töchter Einat und Yael verloren hatte. Bei den Journalisten handelt es sich um erfahrende und langjährige Auslandskorrespondenten aus Grossbritanien,Italien, Frankreich, Holland und der Türkei, die schon seit Jahren über den Kampf gegen den Terrorismus berichten. Es ist das erste Mal, dass das israelische Aussenministerium eine Gruppe ausländischer Journalisten nach Israel einlädt. Ziel der Aktion war, den Journalisten zu zeigen, wie Israel mit dem Terror umgeht, um einen Zusammenhang im Kampf Israels und Europas im Kampf gegen den Terror zu finden. “Die Journalisten schreiben in ihren Zeitungen für Millionen von Lesern und ihre Berichte über Israel können die öffentliche Meinung der Leser verändern,” sagte Avigail Shapira vom israelischen Aussenministerium, die die Gruppe begleitete.

Die Journalisten besuchten den Ben-Gurion-Flughafen und bekamen von den Sicherheitskräften des Flughafens einen genauen Einblick in die Sicherheitsmassnahmen, die im Ausland oft gelobt aber auch kritisiert werden ( wegen der sehr gründlichen Kontrollen von Fluggästen). Weiter gab es ein Treffen mit dem Sekretär des Aussenministeriums Dori Gold und eine Fahrt mit Begleitung der israelischen Armee entlang der Grenze zum Libanon und zu Syrien. Auch besuchten sie syrische Verletzte im Ziv-Krankenhaus in Safed.

Aber der Höhepunkt war zweilfellos das Treffen mit Smadar Haran. Das Aussenministerium wollte den Journalisten nicht nur trockene Statistiken präsentieren, sondern sie auch mit Menschen zusammenbringen, deren Leben durch den Terror zerstört wurde, aber dennoch eine Neuanfang schafften. Die Geschichte des Anschlags von Naharia mit den schlimmen Einzelheiten erzählte der heutige Ehemann von Smadar, Jakov Kaiser. In diesen Momenten schwieg Smadar und ihr war anzusehen, wie emotionell erregt sie war.

“Meine Geschichte ist nicht nur meine persönliche Geschichte, sondern die Geschichte des jüdischen Volkes und des Staates Israel und repräsentiert einen Teil des Charakters des Landes,” sagte Smadar Hadar zu Beginn. “Es ist eine nationale Geschichte. Und obwohl ich ein Opfer des Terrors bin, habe ich mich entschieden, nicht als Opfer zu leben, sondern mein Leben neu aufzubauen, so wie es meine Mutter tat, als sie, nachdem sie den Holocaust überlebt hatte, ihr Leben in Israel neu begann und wie das jüdische Volk, dass sich immer wieder neu aufbaut, nachdem es Verletzte und Verluste zu beklagen hatte.”

“Nach dem Anschlag in Naharia dachte ich an meine Werte, was für ein Mensch ich sein möchte und ich entschied mich ein Mensch zu sein, der gibt und nicht hasst. Ich habe keine Rache gesucht und entschied mich, dass ich dort, wo mein Leben in der Mitte beendet wurde, ein neues Leben beginnen möchte. Ich habe die Stadt Naharia nie verlassen. Bis heute wohne ich in der Nähe des Ortes, wo der Anschlag geschah. Viele der Menschen, die kamen, um mir ihr Beileid auszusprechen, waren Araber, sie lebten mit uns zusammen. Meine Kinder haben ihre Kinder gekannt. Das Leben der Juden und der Araber hier sind zusammengestrickt wie eine Collage, so dass man nicht nur eine Seite betrachten kann. Es ist alles zusammen.”

Haran erzählte weiter, dass der Sozialarbeiter, der ihr nach dem Anschlag half und ihr vom israelischen Sozialamt zugewiesen worden war, ein Araber war. “Und er hat mich inspiriert, selber als Sozialarbeiterin zu arbeiten, ich wollte anderen etwas von mir geben und der Gesellschaft einen Dienst erweisen, anderen helfen mit ihren problemen im Leben. Heute arbeite ich in einem Zentrum für die Entwicklung des Kindes, wo das Personal wie auch die Patienten gemischt sind: Juden, Araber, Tscherkessen, Moslems, Christen und Drusen. Jeder hilft dem anderen mit viel Menschlichkeit und Gefühl und das erfüllt mir meine Ziele, die ich mir vor 37 Jahren gesetzt habe.”

Smadar Haran erzählte den Journalisten vom Leben in israel im Schatten des Terrors: “Wir kennen kein Leben ohne Terror seit der Staatsgründung und auch schon davor. 100 Jahre des Terrors und dennoch haben wir einen funktionierenden Staat aufgebaut, der sich um seine Bürger kümmert. Ich bin gegen jede Art von Extremismus. In 68 Jahren ist es uns gelungen, einen Staat aufzubauen, leider gibt es so viele Meinungsverschiedenheiten. Ich bin ein optimistischer Mensch, wir können es uns als Israelis nicht leisten, pessimistisch zu sein, in der Realität, in der wir hier leben. Wir leben zusammen mit der arabischen Bevölkerung. Wir hben viel gemeinsam und ich hoffe, dass wir eines Tages eine Lösung für den Konflikt finden werden.”

Auf die Frage, was ihre Meinung zu der Entlassung des bei dem Anschlag beteiligten Terroristen Samir Kuntar gewesen sei, antwortete sie: “Als ich nach meiner Meinung gefragt wurde, schrieb ich in einem Brief an den Ministerpräsidenten, Dass Samir Kuntar nicht mein persönlicher Häftling ist und ich nicht seine persönliche Wächterin bin. Ausschlaggebend für die Entscheidung muss sein, was für das Land am besten ist. Mir war klar, dass er wieder zum Terror zurückkehren wird, das hat mich nicht überrascht.”

Als sie gefragt wurde, ob sie nach dem Tod Kuntars erleichter war, sagte sie: “Überraschenderweise empfand ich keine Erleichterung, aber ich war froh darüber, dass er in Zukunft keine Terroranschläge mehr ausführen wird.”

Bezüglich des Terrors in Europa sagte sie: “Europa war immer ein ein ort, wo man sich sicher fühlen konnte, aber die Anschläge von Paris haben mich erschüttert. Auch wenn man persönlich nicht vom Terror betroffen ist, es hat Einfluss auf das Unterbewusstsein und das betrifft Millionen. Die Angst vor dem Terror nimmt uns die persönliche Freiheit.”

Die Journalisten verliessen das Treffen emotionell betroffen. Einer der Journalisten sagte danach: “Smadar ist ein Vorbild, eine echte Heldin. Was uns am meisten beeindruckt hat, ist dea Fehlen von Hass und Rachegefühlen nach dem, was sie durchgemacht hat.”

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