Die Komfortzone verlassen

Im letzten Monat leiteten Aviel und ich die kulinarischen Israeltage in Deutschland.

Die Komfortzone verlassen
Aviel Schneider

Es war der erste Workshop dieser Art, bei dem wir mit allen Teilnehmern gemeinsam aktiv waren. Es gab Vorträge zur Politik Israels und biblische Reflektionen über Talente und Weisheiten biblischer Frauen. Für einen Workshop mit authentischer Küche aus Israel hatten wir Delikatessen mitgebracht. Jedes Abendessen haben wir gemeinsam gekocht – am Feuer gegrillte Auberginen mit Tehina aus Israel, marokkanische Fischklöße in scharfer Soße, dann gefüllte Hähnchen zum Schabbatmahl. Auch der Tscholent fehlte nicht, ein Eintopf, der vor Schabbatbeginn zum Kochen gebracht und bei geringer Hitze bis zum nächsten Tag fertig gegart wird. All das dirigierte meine Mutter. In der Küche und um den gedeckten Tisch lernen sich Menschen am besten kennen. Wer mochte, begann mit uns um sieben Uhr morgens mit Sport und Waldlauf.

Über Jahre hinweg haben wir keine Vortragsreisen ins Ausland unternommen. Es war uns einfach wichtiger, im Land zu arbeiten. Aber während des Workshops in Mecklenburg-Vorpommern diskutierte ich mit jemandem über die Stiftshütte. „Und wenn die Stiftshütte aufbricht, so sollen die Leviten sie abbrechen; und wenn die Stiftshütte lagert, so sollen sie diese aufschlagen“ (4. Mose 1,51) Gottes Heiligtum wanderte mit dem Volk Israel. Um präsent und wirksam zu sein, muss Gottes Heiligkeit mit uns in Bewegung sein, heißt es doch in der Schöpfungsgeschichte, dass Gottes Geist über dem Wasser schwebte.

Die Stiftshütte muss dafür ab- und aufgebaut werden. Für diese Aufgabe bestimmte Gott die Leviten. Die Rolle der Priester und Leviten besteht darin, eine Brücke zwischen Gott und dem Volk zu sein. Daher dient diese Mission, die die Priester erfüllen, uns allen. Zudem kann diese Mission nur von ihnen durchgeführt werden, weil sie die Spannung zwischen Auf- und Abbau des Heiligtums aushalten können. Ihr seht: Auch so kann man ein Heiligtum abbauen. Das Heiligtum dient an jedem Ort, wo es aufgebaut wird, und wenn die Reise weitergeht, wird die Stiftshütte abgebaut und mitgenommen.

Der Mischkan, wie die Stiftshütte auf Hebräisch heißt, begleitet das Volk. Aber dafür muss er auf- und abgebaut werden. Dies trägt zur Wahrnehmung der Heiligkeit in der Bewegung bei. Sobald das Heiligtum seine Funktion an einem Ort beendet, verliert der Platz seinen Wert. Das ist der Unterschied zwischen Kodesch und Chol, heilig und profan. Aber der Begriff Chol, der üblicherweise mit profan oder weltlich übersetzt wird, bedeutet buchstäblich Sand. Sobald der Mischkan abgebaut und an einen anderen Ort verlegt, verliert der Ort seine Heiligkeit. Der heilige Ort ist wieder ein Ort des Wüstensandes. Von hier aus verstehe ich, dass nicht der Ort heilig ist, sondern die Verbindung zwischen Mensch und Gott. Und das hat keinen festen Platz.

Das hat uns geholfen zu verstehen, aber auch zu akzeptieren, dass unsere Aufgabe auch woanders sein kann, auch außerhalb Israels. Es gibt Veränderungen, und wir sind bereit, uns mit ihnen zu bewegen. Bisher haben wir es immer vorgezogen, bei uns vor Ort, in Jerusalem, in der Redaktion Menschen anzusprechen. Heute fühlen wir uns bereit und frei, aus unserer Komfortzone auszubrechen und an neuen Orten Menschen zu begegnen. Das wollen wir aus Liebe und wahrem Glauben tun, und wir haben die vier Tage im Mai mit allen Teilnehmern genossen. So fremd das für uns war, war es aber doch ein Geschenk von Gott. Also: Es geht nicht um den Ort, sondern um Gott. Und um Menschen, die sich aus Liebe hier und dort treffen und kennenlernen. Le´hitraot – Auf Wiedersehen! Bis zum nächsten Mal. Wo? Egal, wo …

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