Analyse: Der kommende Krieg in Gaza

Die Terrorgruppen im Gazastreifen sind bereit für den Krieg. Ist es Israel, so kurz vor den Wahlen, auch?

Analyse: Der kommende Krieg in Gaza
Abed Rahim Khatib/Flash 90

Wieder einmal hat Israel mit einem Mini-Raketen-Krieg durch den Islamischen Dschihad in Gaza zu kämpfen. Über das Wochenende schlugen mehr als 90 Raketen im Süden des Landes ein.

Der Iron Dome Abwehr gelang es, 90 Prozent der abgeschossenen Raketen noch in der Luft zu neutralisieren. Doch das Leben steht bei solchen Angriffen in den Gaza-nahen Kommunen still. Die meiste Zeit verbringen die Menschen wieder einmal in ihren Bunkern.

Die Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Süden Israels verlangen jetzt, dass dem Raketen- und Ballon-Terror aus Gaza ein für alle Mal ein Ende bereitet wird. Da der Iran hinter den neusten Eskalationen steht, ist es fraglich, ob ihre Forderung auch umgesetzt werden kann.

Der Iran hat dem palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) befohlen, jegliche Vereinbarung zwischen Israel und der Hamas zu blockieren. Es geht um eine sogenannte „Hudna“, ein langfristiges taktisches Waffenstillstandsabkommen, das den Terrorgruppen in Gaza die Möglichkeit gibt, ihre Kampf-Ressourcen aufzustocken.

Israel und Hamas führen seit Monaten hinter verschlossenen Türen Verhandlungen über solch einen Waffenstillstand. Ägypten und Qatar spielen dabei eine vermittelnde Rolle, wobei Qatar Gaza seit mehr als einem Jahr monetär unterstützt.

Mossadchef Yossi Cohen und Generalmajor Herzi Halevi, der Kommandeur der Südfront und ehemaliger Chef des Armeegeheimdienstes, waren vor kurzem in Doha, der Hauptstadt Qatars, um die „Hudna“ mit der Hamas zu besprechen, berichtet Avigdor Liberman von der Israel Beteinu Partei.

Qatar hat seit 2018 fast 79 Mio. Dollar in den Gazastreifen gepumpt. Dieses Geld landete jedoch zum Großteil in den Taschen der Hamas, die es nutzt, um ihre militärischen Fähigkeiten zu erweitern, so Bar Ilan Professor Hillel Frish. Frish ist Befürworter einer breiten Militäroperation gegen die PIJ und die Hamas, die zur Vernichtung beider miteinander konkurrierenden Terrorgruppen führen soll.

Von den 79 Mio. Dollar, die Qatar der verarmten Küstenenklave zukommen ließ, sind lediglich 17 Mio. Dollar bei ca. 70.000 armen Familien in Gaza angekommen, sagt Frish, der seine Zahlen auf die Daten stützt, die von Hamas-Funkionär Muhammas Hamada veröffentlicht worden sind.

Der Rest des Geldes bleibt verschwunden. Man kann davon ausgehen, dass die Hamas das Geld genutzt hat, um Waffen zu kaufen und den Militärapparatus aufzustocken. Ein Großteil der Gelder, die von der Hamas an arme Familien verteilt worden sind, wurden Familien von „Märtyrern“ überwiesen, also Terroristen, die in Ausübung ihres Terrors getötet wurden.

Frish nennt das Geld aus Qatar „Schutzgeld“ ohne Schutz, weil anders als bei der Mafia üblich, Israel mit immer mehr Gewalt konfrontiert ist, die aus dem Gazastreifen ausgeht, obwohl das Geld in die Enklave hineingelassen wird.

„Wenn man einen Feind bekämpft, sollte man das tun, wovon man eine Ahnung hat. Und das nicht tun, was der Feind gut kann“, sagt Frish. Israel solle sich sein Ziel erzwingen, das heißt, die Hamas und die PIJ so hart, massiv und schnell wie möglich schlagen.

Klar ist, dass Israel das Ende des Weges im langen Kampf gegen die Gaza-Terrorgruppen erreicht hat. Und augenscheinlich ist Israels neuer Verteidigungsminister Naftali Bennett der gleichen Meinung wie Frish.

Nachdem Sonntag Abend eine neue Strategie im Kampf gegen PIJ vorgestellt wurde, bombardierten israelische Kampfflugzeuge nicht nur Ziele in Gaza, sondern auch die Zentrale im syrischen Damaskus. Bennett erklärte, der Moment rücke immer näher, an dem Israel „Gaza neustarten“ werde.

Seit er im November das Amt des Verteidigungsministers übernommen hat, versucht Bennet, die Strategie Israels gegen seine Feinde zu ändern. Der Angriff auf die PIJ-Zentrale im Süden Damaskus war eine dieser Änderungen, die Bennett eingeführt hat. Nun will er gleiches im Zermürbungskrieg einsetzen, den die Hamas und PIJ gegen Israel führen.

Zusammen mit Armeechef Avi Kochavi und Premierminister Benjamin Netanjahu hat er eine neue Strategie im Umgang mit Gaza entwickelt, die die momentane Gleichung verändern wird.

„Wir werden den Terroristen eine allerletzte Chance geben, sich ruhig zu verhalten“, sagte er während eines Interviews diese Woche. Er glaube nicht einen Moment lang, dass Hamas und PIJ auch wirklich Ruhe geben werden. „Ich glaube ihnen (PIJ und Hamas) nicht. Sie sind Lügner und Mörder, wir müssen endlich handeln“, sagte Bennett und fügte hinzu, Israel werde den richtigen Zeitpunkt und die Dauer bestimmen.

Bennetts Ansicht nach besteht die Chance auf einen neuen Krieg in Gaza zu 95 Prozent. Er geht davon aus, dass die Menschen im Süden Israels danach so ruhig leben werden, wie seit 20 Jahren nicht.

Die Hamas werde einen „schmerzlichen Frühling“ haben, sagte Bennett, was viele als möglichen Hinweis auf das Timing einer Militäroperation gegen PIJ und Hamas in Gaza deuten. Die neue Militäroperation solle „völlig anders“ als vergangene Militäroperationen sein und auch Gaza werden „am Tage danach“ anders aussehen.

Die Armee geht derzeit durch einen Transformationsprozess, der die Bildung neuer Einheiten und Anweisungen beinhaltet, die sich auf einen Plan names ‘Momentum’ stützen, der von Armeechef Aviv Kochavi ausgearbeitet worden ist.

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