Arafat und die mysteriöse Vergiftungstheorie: EU-Gericht lehnt Fall ab

Die Frau des verstorbenen Palästinenserführers besteht weiterhin darauf, dass er vergiftet worden sei, aber nicht unbedingt von Israel

von Israel Heute Redaktion |
Foto: Hassan Jedi/Flash90

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat es letzte Woche abgelehnt, einen Fall wieder aufzunehmen, in dem behauptet wird, der ehemalige Palästinenserführer Jassir Arafat sei zu Tode vergiftet worden.

Arafat starb im Jahr 2004 im Alter von 75 Jahren. Nachdem er über starke Magenschmerzen geklagt hatte, wurde er von seinem Hauptquartier in Ramallah in ein Krankenhaus außerhalb von Paris gebracht, wo er kurz darauf seinen letzten Atemzug tat.

Das Krankenhaus und mindestens eine weitere unabhängige Untersuchung stellten fest, dass der bekannte PLO-Führer eines natürlichen Todes gestorben war.

Eine 2012 durchgeführte Untersuchung durch ein Schweizer Labor dagegen kam zu dem Schluss, dass hohe Mengen an radioaktivem Isotop, bekannt als Polonium, auf Arafats Kleidung und Überreste gefunden worden seien. Das gleiche Isotop sei angeblich von russischen Agenten verwendet worden, um einen Dissidenten in London zu ermorden.

Dies führte dazu, dass Arafats Witwe, Suha, eine Klage über seinen unrechtmäßigen Tod einreichte. Ein französisches Gericht wies die Klage jedoch rasch ab, da Suha und ihre Anwälte keine zwingenden Beweise für die Ermordung Arafats vorgelegt hatten.

Am Donnerstag bestätigte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte diese frühere Entscheidung und wies Suhas Behauptung zurück, das französische Gericht sei „grundsätzlich voreingenommen“ gegen ihren verstorbenen Mann gewesen.

 

Wer hat es getan?

Viele Palästinenser bestehen darauf, dass Israel Arafat vergiftet habe, eine Anschuldigung, die immer noch gelegentlich von der Palästinensischen Autonomiebehörde vorgebracht wird.

Polonium ist sehr schwer zu beschaffen, die meisten gehen jedoch davon aus, dass Israels Mossad keine Probleme haben dürfte, an solche Materialien heranzukommen.

Trotzdem, und selbst angesichts der mutmaßlichen Motivation Israels, Arafat loszuwerden, behauptet selbst Suha nicht, dass Israel es getan habe.

Ende Dezember 2020 zitierte die israelische Tageszeitung Yediot Ahronot Suha mit den Worten, Arafat sei „definitiv vergiftet worden, nicht von Israel, sondern von einem Palästinenser.“

Tage später bestand Suha darauf, dass ihr Zitat aus dem Zusammenhang gerissen worden sei. Sie zeigte aber dennoch nicht mit dem Finger auf Israel, zumindest nicht ausschließlich.

In einem Facebook-Post erklärte sie damals:

„Der Fall von Abu Ammar [Arafats nom de guerre] ist immer noch vor Gericht, und ich kann niemanden beschuldigen, ihn getötet zu haben, auch nicht Israel, weil ich keine Beweise habe, und ich habe auch keine Beweise gegen irgendjemanden bisher.“

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