Alijah-Gesetz: Jetzt auch für messianische Juden?

von Arthur Schwartzman

Beginn einer jüdischen Renaissance, oder wird eine Pluralität von Richtungen im Judentum die israelische Gesellschaft weiter spalten?

Foto: Yonatan Sindel/Flash90

Der Oberste Gerichtshof hat Anfang März entschieden, dass Reform- und konservative Übertritte zum Judentum, die im Land Israel im Sinne des Rückkehrgesetzes durchgeführt werden, vom Staat anerkannt werden müssen. Seit 15 Jahren wird eine Petition nach der anderen eingereicht. Es gab bislang mehr als 10 Ablehnungen, nun wurde die Entscheidung getroffen!

Wer ist ein Jude? ist ein heißes Thema in Israel, und tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Meinungen, je nachdem, wen man fragt. Die Definition des Rabbinats ist dagegen sehr klar, und lange Zeit war es diese Interpretation, die tatsächlich zählte, denn wer nicht den ultra-orthodoxen Kriterien von Gijur (Konversion) entsprach, qualifizierte sich nicht für Alijah (Einwanderung).

Für Reform- und konservative Juden, die sich um die Anerkennung des jüdischen Hauses bemüht haben, bedeutet es die Welt; endlich beginnen sich die Türen für eine Alijah zu öffnen. Die Entscheidung des Gerichts wurde von vielen begrüßt, da sie auch die Beziehungen Israels zur Diaspora, besonders in Nordamerika, stärken könnte. Allerdings gibt es auch viele, die über einen solchen Schritt empört sind, nämlich die orthodoxe Gemeinde.

Der Oberrabbiner von Rishon LeZion kommentierte: Was die Reformer und Konservativen Konversion nennen, ist nichts anderes als eine Verfälschung des Judentums, was bedeutet, dass man Tausende von Nichtjuden in das Volk Israel bringt.

Auch Israels Oberrabbiner äußerte sich ähnlich: Diejenigen, die durch eine Reformkonversion und dergleichen zum Judentum konvertiert sind, sind keine Juden, und keine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird diese Tatsache ändern. Es ist bedauerlich, dass das Gericht in seiner Entscheidung die Überflutung des Staates Israel mit Einwanderern, die nichts mit dem Judentum zu tun haben, gutheißt. Jeder Bürger Israels sollte sich an diesem traurigen Abend fragen, wie kann der Staat Israel ein jüdischer Staat sein, wenn jeder Ausländer ein Bürger des Staates Israel sein kann.

Das Monopol über die Entscheidung des eigenen Jüdischseins liegt in den Händen einer kleinen Gruppe von Menschen – den orthodoxen Haredim. Ihr Monopol über das Thema hat nicht nur die Einwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion verärgert, von denen viele erniedrigende Befragungen und Gentests über sich ergehen lassen müssen, sondern ihre Macht über das Innenministerium hat auch die Alijah vieler jüdischer Gläubiger an Christus regelrecht erstickt. Man kann davon ausgehen, dass die Orthodoxen Angst haben, da dies ihre Autorität, Macht und ihren Einfluss zu schmälern droht.

Die Partei Vereintes Thora Judentum (UTJ) hat als Teil ihrer Wahlkampagne ein Video veröffentlicht, das bei vielen einen Aufschrei verursacht hat. Das Video zeigt verschiedene Hunde, die wohl die Reformierten darstellen sollen. Dann heißt es: „Beim Obersten Gerichtshof ist das ein Jude.

Oppositionsführer Yair Lapid konnte nicht an sich halten und twitterte: Mein Vater hat mir einmal erzählt, dass es im Parlament in Budapest ein großes Schild gab: ‚Kein Zutritt für Juden und Hunde‘. Antisemiten aller Generationen haben Juden schon immer mit Hunden verglichen. Jetzt hat sich Partei Vereintes Thora Judentum ihnen angeschlossen. Ekelhaft.

Auch der Chef von Israel Beiteinu, Avigdor Lieberman, twitterte eine Antwort: Im Vereinten Thora Judentum gibt es kein Judentum und keine Thora. Nur ein starkes Yisrael Beiteinu wird sicherstellen, dass hier eine Regierung ohne die ultraorthodoxen Parteien gebildet wird. In einem anderen Video von Schas wird in der Hymne das Wort „Jude“ durch das Wort „Reform“ ersetzt und dann heißt es: Lasst nicht zu, dass der Oberste Gerichtshof unseren jüdischen Staat zerstört.

Während die Haredim auf ihre religiösen Konkurrenten losgingen, kritisierten sie auch gleich das militärisch-orthodoxe Konversionsprogramm. Auf einer Konferenz der Kippah-Website und des Itim-Instituts schockierte MK Yitzhak Pindros von der UTJ sogar einige seiner orthodoxen Kollegen, als er sagte: Jede Frau, die in der israelischen Armee konvertiert, ist eine Schiksa. Wenn jemand sie heiratet, sollte der Vater Schiwa sitzen.

Wie hier deutlich wird, handelt es sich um ein sensibles Thema, und viele Haredim empfinden die Situation als eine spirituelle Katastrophe. Es gibt auch viele säkulare Leute, die gegen diese Entscheidung sind und glauben, dass der gegenwärtige Weg der ist, wie die Dinge bleiben sollten, da die Ultra-Orthodoxen die Torwächter der… nun ja, Orthodoxie sind. Messianische Juden im Land lehnen die rabbinische Definition von Jüdischsein ab. Die Gläubigen streben nach einer biblischeren Lebensweise, und nach der Schrift kann man über die patriarchalische Abstammung, also über den Vater, feststellen, ob man von Juda, Benjamin, Levi oder Israel im Allgemeinen abstammt, nicht über die matriarchalische Seite.

Heute wird das messianische Judentum als eine christliche Konfession betrachtet (wie vom Obersten Gerichtshof entschieden). Meine Hoffnung ist, dass der Diskurs über jüdische Spiritualität für die Öffentlichkeit offen ist und einem nicht von einer Minderheit mit einer Randmeinung aufgezwungen wird. Dann könnten Judenchristen hoffen, mehr Unterstützung und Akzeptanz in den Augen von immer mehr Israelis zu erhalten. So wie das Judentum nicht mit einer, sondern mit vielen Farben gemalt werden könnte (wie der Talmud sagt, hat die Thora 70 Facetten), so könnte die jüdische Figur Jesu endlich auch in der israelischen Landschaft auftauchen.

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