Die neue Serie von Zwi Sadan im Israel Heute Magazin.
Jesu Tadel des Feigenbaums gibt Rätsel auf. Der Hörer läuft Gefahr, beim Versuch zu verstehen, die falschen Fragen zu stellen. Obwohl es, oberflächlich betrachtet, keinen Sinn macht, einen Baum zu verfluchen, verweisen Kommentatoren auf Israel, wenn sie Jesu Verhalten begründen wollen. So zum Beispiel die Website www.bible.com, die die Gute Nachricht verbreitet. Bible.com hat folgende „gute Nachricht“ für das jüdische Volk: „Der Feigenbaum ist Israel, das aufgrund fehlender Reue gerichtet wird. Sie haben den Anspruch auf Leben, aber nicht die Substanz des Lebens.“
Im Gegensatz zu diesem strengen Urteil zeigt die Antwort der Jünger, dass sie den Feigenbaum nicht als anklagende Allegorie verstanden. Sie hatten kein Mitleid mit dem Baum, und sie beklagten Israels Unglück nicht. Vielmehr „staunten“ sie: „Wie konnte der Feigenbaum so schnell verkümmern?“ Jesus begründet ihr Staunen, in welchem er mangelnde Würdigung der Kraft des Glaubens erblickt.Trotzdem kann man fragen, warum die Jünger kein Problem mit der scheinbar unfairen Behandlung der Natur hatten. Sie kannten Gesetze wie: „Welches aber Bäume sind, von denen du weißt, dass man nicht davon isst, die kannst du zerstören und fällen.“ (5. Mose 20)
Die Behandlung des Baumes an sich ist nicht falsch. Anstatt die Perikope als Anprangerung des Gesetzes, Israels oder der Natur zu verstehen, sollten wir sie mit den Augen der Leute um Jesus betrachten. Jesu Zeitgenossen unterstellen, dass die Natur die Möglichkeit hat, Gott ungehorsam zu sein. Aus dieser Sicht ist die Unterlassung des Feigenbaums, Früchte zu produzieren, ein Akt des Ungehorsams gegenüber dem hungrigen Messias. So bizarr das klingen mag, sind doch Verse wie „Ein Tag sagt‘s dem andern“ (Psalm 19) oder „Alle Bäume auf dem Felde werden in die Hände klatschen“ (Jesaja 55) nicht nur metaphorisch zu verstehen.
Das Konzept, dass die Natur Gott gegenüber ungehorsam sein kann, ist der jüdischen Gedankenwelt nicht fremd. In letzter Konsequenz geht dies auf Gottes Verfluchung der Erde zurück, weil sie Abels Blut verbarg: „Verflucht seist du (Kain) auf der Erde, die ihr Maul hat aufgetan und deines Bruders Blut von deinen Händen empfangen“(1. Mose 4). Nach jüdischem Verständnis führte dieser Fluch dazu, dass die Erde auch Bäume hervorbringt, die keine Früchte tragen.
Lesen Sie Zwi Sadans vollständigen Artikel der neuen monatlichen Serie in der neuen Juli-Ausgabe des Israel Heute-Magazins. Wir bringen, was andere weglassen! Zum Bestellen des Israel Heute-Magazins oder der Online-Version Klicken Sie hier!