Freitag, 10. September 2010




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Brennpunkt Jerusalem
Sonntag, 17. August 2008
Jerusalemer Geschäftsmann will Bürgermeister werden
Einen Top-Business-Sektor entwickeln, die Gesundheitsforschung stark fördern und 10 Millionen Touristen im Jahr nach Jerusalem bringen – Ziele von Nir Barkat, Bürgermeisterkandidat für die Heilige Stadt. Er hat große Pläne, allzu große, sagen manche.

Die Menschen merken auf und hören gespannt zu, sobald ein Kandidat von der bedeutenden Rolle spricht, die Jerusalem in der Geschichte des jüdischen Volkes hat. Die Frage, wer Bürgermeister von Jerusalem wird, hat daher immer auch eine biblische Blickrichtung. Sonst an politischen Fragen gänzlich uninteressierte Einwohner werden plötzlich mit ihren eigenen Meinungen zur Zukunft der Heiligen Stadt zu Gelehrten.

„Wenn wir keine großen Pläne haben, wenn es um Jerusalem geht, dann haben wir die Stadt nicht verdient”, zitiert Barkat die Reaktion der Rabbiner auf seine Ideen. Der 49-Jährige hat keinen politischen Hintergrund, sondern kommt aus der Wirtschaft. Er sieht Jerusalem als eine Art Mekka, ein Ort, zu dem Juden, Christen und vielleicht zukünftig sogar Moslems pilgern. Er gibt zu, dass es heute noch große Hindernisse gäbe, wollte man Millionen von Touristen in die Stadt bringen. Allerorten würde extremer Platzmangel herrschen und das Unterbringungsgewerbe wäre total überlastet. Wenn Barkat in der Anhebung der Übernachtungszahlen eine Lösung für die Leiden der Stadt sieht, dann wird er sicherlich bald damit beginnen, die Christen zu umwerben.

Als typischer Sabra (gebürtiger Israeli) gibt er zu, dass er den Unterschied zwischen Evangelikalen und „Evangelisten“ bis vor kurzem nicht kannte und die verschiedenen Glaubensgemeinschaften innerhalb des Christentums erst noch kennen lernen müsse – und diejenigen, die üblicherweise Israel unterstützen.

Während Barkat schätzt, dass seine Vorschläge 150.000 Arbeitsplätze schaffen könnten, geben andere ihrer Besorgnis Ausdruck, ob Millionen Besucher nicht den einzigartigen Charakter Jerusalems verändern und ob Jerusalem damit überhaupt umgehen könne. Mit der richtigen Planung sei das überhaupt kein Problem, sagt er: „Wir reden darüber, die Stadt ganz anders zu verwalten, als es heute der Fall ist.“

Stadtratsmitglied Barkat wird gegen den amtierenden Bürgermeister Uri Lupolianski antreten. Der Ultra-Orthodoxe vereinigte bei der letzten Wahl die religiösen Stimmen auf sich. Weiterer Mitbewerber wird wahrscheinlich der russischstämmige Milliardär Arkadi Gaydamak sein. Säkulare gegen Religiöse – bei nur geringer Zuwanderung säkularer Juden hat Barkat einen schweren Kampf vor sich, um seinen Traum zu verwirklichen.

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