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Sonntag, 17. August 2008
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Jerusalemer Geschäftsmann will Bürgermeister werden
Einen Top-Business-Sektor entwickeln, die Gesundheitsforschung stark fördern und
10 Millionen Touristen im Jahr nach Jerusalem bringen – Ziele von Nir Barkat,
Bürgermeisterkandidat für die Heilige Stadt. Er hat große Pläne, allzu große,
sagen manche.
Die Menschen merken auf und hören gespannt zu, sobald ein Kandidat von der
bedeutenden Rolle spricht, die Jerusalem in der Geschichte des jüdischen Volkes
hat. Die Frage, wer Bürgermeister von Jerusalem wird, hat daher immer auch eine
biblische Blickrichtung. Sonst an politischen Fragen gänzlich uninteressierte
Einwohner werden plötzlich mit ihren eigenen Meinungen zur Zukunft der Heiligen
Stadt zu Gelehrten.
„Wenn wir keine großen Pläne haben, wenn es um Jerusalem geht, dann haben wir
die Stadt nicht verdient”, zitiert Barkat die Reaktion der Rabbiner auf seine
Ideen. Der 49-Jährige hat keinen politischen Hintergrund, sondern kommt aus der
Wirtschaft. Er sieht Jerusalem als eine Art Mekka, ein Ort, zu dem Juden,
Christen und vielleicht zukünftig sogar Moslems pilgern. Er gibt zu, dass es
heute noch große Hindernisse gäbe, wollte man Millionen von Touristen in die
Stadt bringen. Allerorten würde extremer Platzmangel herrschen und das
Unterbringungsgewerbe wäre total überlastet. Wenn Barkat in der Anhebung der
Übernachtungszahlen eine Lösung für die Leiden der Stadt sieht, dann wird er
sicherlich bald damit beginnen, die Christen zu umwerben.
Als typischer Sabra (gebürtiger Israeli) gibt er zu, dass er den
Unterschied zwischen Evangelikalen und „Evangelisten“ bis vor kurzem nicht
kannte und die verschiedenen Glaubensgemeinschaften innerhalb des Christentums
erst noch kennen lernen müsse – und diejenigen, die üblicherweise Israel
unterstützen.
Während Barkat schätzt, dass seine Vorschläge 150.000 Arbeitsplätze schaffen
könnten, geben andere ihrer Besorgnis Ausdruck, ob Millionen Besucher nicht den
einzigartigen Charakter Jerusalems verändern und ob Jerusalem damit überhaupt
umgehen könne. Mit der richtigen Planung sei das überhaupt kein Problem, sagt er:
„Wir reden darüber, die Stadt ganz anders zu verwalten, als es heute der Fall
ist.“
Stadtratsmitglied Barkat wird gegen den amtierenden Bürgermeister Uri
Lupolianski antreten. Der Ultra-Orthodoxe vereinigte bei der letzten Wahl die
religiösen Stimmen auf sich. Weiterer Mitbewerber wird wahrscheinlich der
russischstämmige Milliardär Arkadi Gaydamak sein. Säkulare gegen Religiöse – bei
nur geringer Zuwanderung säkularer Juden hat Barkat einen schweren Kampf vor
sich, um seinen Traum zu verwirklichen.
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