Freitag, 10. September 2010




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Palästinenser
Montag, 21. Dezember 2009
Reaktion des palästinensischen Pfarrers Jadallah Shihade aus der Abrahams-Herberge in Bet Jalla
Vielen Dank für Ihre Mail und auch dafür, dass Sie uns fragen bevor Sie irgendwas über uns schreiben. Wir wissen, einiges ist über uns geschrieben worden aus einer bestimmten Richtung, ohne wirklich zu überprüfen, ob dies richtig oder nicht richtig ist.

Sie beruft sich auf eine Informantin, die sie aus "Sicherheitsgründen" nicht nennen will. Steht nicht in ihrer Bibel, wenn dein Bruder einen Fehler macht, dann rede mit ihm halt unter vier Augen, bevor man diesen Fehler an die große Glocke hängt? Das finde ich unfair. Denn wir sind uns keiner Fehler im Blick auf die Vorwürfe bewusst. Und wir sind für das Existenzrecht für Palästina, aber auch für Israel. Nun zu Ihren Fragen:

1. Ja das stimmt Israelis ist nicht erlaubt, Zone A und B zu betreten, nur Zone C. Unsere Kirche aber ist nahe Zone C und israelische Staatsbürger kommen zu uns ohne Probleme. Sie brauchen nur den ZDF-Bericht "Kirche und Welt" anzuklicken, dann werden Sie die Israelis sehen, wie Rabbiner Erich Aschermann, Rabbinerin Sara Levi, Uri Avneri und die israelische Trommlergruppe, die bei unserer Friedenswoche waren und vom 07.07-10.07.09 an ihr teilgenommen haben. Es gab eine Begegnung auch an einer Zaunstelle am 07.07.09, wo wir das Lied Hevenu Haschalom Alechim gesungen haben. Wir waren ungefähr dreihundert Personen. Am 08.07.09 hatten wir einen gemeinsamen Gottesdienst gehabt, wo Rabbinnerin Sara Levi mit mir den Gottesdienst gestaltet und die Predigt über Micha 4.1-5 gehalten hat. Das können Sie alle beim ZDF "Kirche und Welt" nachlesen und anschauen. Wenn Sie wollen, leite ich Ihnen die E-Mailsadressen von Frau Rabbinnerin Sarah Levi oder Rabbiner Aschermann weiter. Sie können selbst sie fragen, wie es in der Friedenswoche in Beit-Jala vom 07.07-10.07.09 gewesen war! Auch über 60 Personen aus dem Ausland haben an der Friedenswoche teilgenommen, darunter auch der Oberbürgermeister von Jena Dr. Albrecht Schröter. Alle sind entsetzt über das journalistische, billige Niveau der Christen, die über uns schreiben, ohne dass sie uns kennen und ohne die Informationen nach ihrer Wahrheit zu überprüfen. Man behauptet auch, "Jadallah Shihadeh spreche nicht für alle palästinensischen Christen". Das stimmt, denn ich habe nie behauptet, dass ich für alle pal. Christen spreche, aber eins weiß ich, ich habe keine Angst vor den Muslimen und ich betone es immer wieder: Christen und Muslime leben über die Jahrhunderte friedlich miteinander und es gibt keine Christenverfolgung seitens der Muslime den Christen gegenüber. Synagogen und Kirchen brannten nicht in Palästina, sondern im christlichen Abendland. Im Übrigen sind anonyme Anschuldigungen für uns nicht akzeptabel. Man soll uns den Namen der Informantin nennen. Mittlerweile trifft sich eine Gruppe von Christen und Juden und Muslimen einmal monatlich in der Abrahams Herberge. Wir laden Sie ein, dabei zu sein, bei einem der nächsten Treffens im nächsten Jahr.

2. Da können wir hier nur sagen: Unser Hotel schreibt seit drei Jahren schwarze Zahlen. Wir gehören zu den wenigen kirchlichen Häusern in Israel und Palästina, die seit drei Jahren aus eigener Kraft schwarze Zahlen schreiben. Aus diesen schwarzen Zahlen finanzieren wir die Gehälter der Mitarbeiter und erhalten das Haus. Korruptionsvorwürfe sind haltlos. Das ist eine falsche Information. Schreiben Sie bitte unserer Kirchenleitung, sprich Bischof Munieb Younan an und fragen sie ihn bitte nach der Wahrheit dieser Information, die Frau Eissler oder die Zeitung :"Leidenschaft für Israel" herzugeben versucht zu verbreiten haben. Außerdem wir haben einen unabhängigen Buchprüfer, der unsere Bücher dauernd überprüft. Diesen Buchprüfer erkennt auch der Staat Israel an. Er ist kein Verwandter oder ein Freund von mir. Sein Name ist Jakub Elyousef und sein Büro ist in Ostjerusalem. Wir haben nichts zu verbergen. Kommen Sie bitte zu uns, schauen sie in unsere Bücher hinein! Alles ist auf Englisch. Unsere Bücher müssen durch drei Instanzen hindurch gehen. Spendengelder fließen nicht in den Betrieb hinein. Einen Blick in unsere Bücher hinein dürfen sie werfen und wir erwarten, dass sie darüber schreiben, wenn Sie überzeugt sind, dass wir in Ordnung sind!

3. Ich glaube nicht, dass unser Bischof Dr. Younan die "Replacement Theologie" vertritt. Da ist ein Missverständnis. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die die so genannte "Enterbungstheologie- Replacement Theology" vertreten. Ich vertrete die These: "der Segen des einen Volkes hängt vom Segen des anderen Volkes ab". Diese These ist gegen die "Replacement Theologie". Diese Aussage passt weder den pro-palästinensichen Gruppen noch den Gruppen, die an einer gewissen "Israelis Akutis Krankheit" erkrankt sind und alles gut nennen, was Israel tut. Der einen Gruppe sage ich: Das Volk Gottes ist in seinem Staate empirisch erkennbar, der anderen Gruppe sage ich aber, Euer Segen hängt vom Segen Palästinas ab. Mit anderen Worten: Es kann Israel nicht wohlergehen, solange wir Palästinenser unterdrückt, entrichtet sind und wie in einem Gefängnis leben. Es kann aber uns Palästinensern nicht wohlergehen, wenn Israel gefährdet und verletzt wird. Wo ist dann die antiisraelische Sicht, die wir haben und wo man meint, uns vorzuwerfen, wir reden zwar vom Frieden, aber eigentlich wollen wir keinen Frieden? Bitte besuchen Sie uns und überzeugen Sie sich davon! Abrahams Herberge ist ein Ort des friedlichen Miteinanders und sie wird so bleiben. Ich wünschte, Sie wären mit Ihrer Zeitung dabei und dann hätten Sie über die Friedenswoche berichten können. Zu Ihrer Information, im Juli 2011 planen wir ein Jugendlager für Jugendliche im Alter von 18-23 Jahren (Christen, Juden und Muslime) für zehn Tage. Da werden wir so Gott will und wir leben um die 300 Personen sein. Wir haben einen größeren Freundeskreis in vielen Ländern. Tausende von Menschen waren in den letzten fünf Jahren in der Abrahams Herberge gewesen. Unser Hotel kann sogar mit israelischen Hotels konkurrieren und dies trotz schwierigen Umständen. Von mir aus können die Christen aus der zionistischen Bewegung schreiben, was sie wollen. Das wird das Vertrauen unserer Freunde nicht erschüttern, denn sie wissen, wer wir sind und was wir tun. Abrahams-Herberge ist aber mehr als ein Gästehaus. Sie ist ein Haus der Versöhnung.

Wir haben aber gleichzeitig ein schönes Gästehaus erschaffen aus folgenden Gründen:
1. Unser Glaube ist schön, und wir wollen den Glauben durch die Architektur ausdrücken. Außerdem sind wir dies unserer palästinensischen Kultur und Geschichte verpflichtet.
2. Wir müssen die harten Gesetze der freien Marktwirtschaft berücksichtigen.

Wir sind weder in Jerusalem noch am Strand des Meeres. Und wer hat von Beit-Jala gewusst? Mit anderen Worten, wir müssen den Gruppen etwas anbieten, damit sie Checkpoints und Mauern überwinden und nicht aus Mitleid kommen. Wenn genügend Gruppen in der Abrahams Herberge wohnen, dann garantieren wir 17 Arbeitstellen, und wenn Menschen arbeiten, dann sind sie weniger anfällig für die Stimme der Radikalen und der Fundamentalisten und das passt genau in das Positionspapier der Abrahams Herberge. Wo ist die antiisraelische Position bei diesen Aussagen?

Mit freundlichen Grüßen

Jadallah Shihadeh

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