December 2018

Dezember 2018 www.israelheute.com 21 Aus dem Archiv Ludwig Schneider I n der Seelsorge sieht man oft immer dieselben Menschen, die auch immer wieder für dieselben Sünden Gott um Vergebung bitten oder bildlich gespro- chen, die immerwieder den Strick beken- nen, den sie gestohlenhaben, aber nie die Kuh, die daran hing. In der katholischen Kirche geht man zum Beichtstuhl, bei den Protestanten zum Pfarrer und in den freien Gemeinden sucht man beim GemeindehirtendieAbsolution. Unddie- jenigen, die keiner Kirche trauen, setzen sichbei einemPsychologen auf dieCouch oder breiten ihre Probleme öffentlich im Fernsehenbei Britt oder Kallwas aus, d.h. dieselbenLeute, die eine Seelsorge inder Kirchemeiden, weil sieAngst haben, der Seelsorger könnte seine Schweigepflicht brechen, haben aber keine Bedenken, ihre intimsten Probleme im Fernsehen vor Millionen Menschen auszubreiten. Vielleicht liegt die ganze Misere daran, dassmanGott immer nur umVer- gebung bittet, weilmanmeint, Gott sei ja Vergeben oder Heilen? dazuda, uns zu vergeben, heißt es doch in 4. Mose 14,19-20: „So vergib diesemVolk seine Schuld nach deiner großen Gnade sowie dudiesemVolk vonÄgypten anbis hierher verziehen hast!“ Da antwortete Gott: „Ich habe ihm vergeben, wie du es erbeten hast!“ Mit diesem Wort endet auch alle Jahre der Jom Kippur Versöh- nungstag. Doch Gott will mehr als nur immer wieder vergeben. Gott will uns vonunse- renSündenheilen. Vergeben ist gut, doch heilen ist besser!Was nutzt es uns, wenn wir immer wieder Vergebung empfan- gen, aber auch immer wieder neu sündi- gen. Darum verheißt der HErr in Hosea 14,5: „Ich will ihre Abtrünnigkeit heilen; gerne will ich sie lieben“ (Luther); „Ich will ihren Abfall heilen, in freier Gnade will ich sie lieben“ (Zürcher) oder „Ich will heilen ihre Abkehr, sie edelmütig lieben“ (Tur-Sinai). Hier geht es also um mehr als nur um Vergebung, hier geht es um Heilung. Doch die Voraussetzung für die innere Heilung ist, dass Gott uns vorher unsere Schuld vergibt. Ohne Ver- gebung gibt es keine Heilung. Ohne vor- herigeReinigung derWunde kann keine Medizin heilend wirksam werden. Jeremia fleht: „Heile mich, HErr, so werde ich heil, so ist mir wahrhaft geholfen“ (Jer. 17,14). Er wusste, end- gültige Hilfe kommt nicht allein aus der Vergebung, sondern mit der dazugehö- renden Heilung. Wenn Gott heilt, kann dieWunde –wie imNatürlichen – schnell heilen, es kann aber auch ein langwieri- ger Heilungsprozess sein. Wichtig ist, dass wir gesund werden! Und das nicht nur dem Leibe nach, sondern auch dem Geiste nach und in der Seele. Leider versteht man unter Heilung oft nur die körperlicheHeilung. Natürlich ist eswunderbar, gesundund stark durch den Alltag zu gehen. Dafür zu beten ist richtig! Ich selber habe bei einem Bein Probleme. Natürlich bitte ich Gott, mich zu heilen, hat er mich doch schon oft geheilt: Viermal wurde mir der Kopf aufgemacht – und ich kann immer noch klar denken. Danach schnittmanmir den Bauch auf – und ich gehe immer noch auf Vortragsreisen. Dennoch ist mir die innere Heilung viel wichtiger als die äußere, denn der irdische Mensch stirbt irgendwann und sein so gepflegtes Fleisch vergeht. Schon Paulus ging mit diesem Bewusstsein auf seine Missionsreisen und schrieb: „Es wird gesät verweslich, auferweckt aber unverweslich“ (1.Kor. 15,42). Damit erinnerte er uns an das Wort Jesu, dass wir „zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit trachten sollen“ (Matth. 6,33), denn nur unser innerer Geistmenschkommt indie Ewigkeit –mit Ausnahme derer, die zur Zeit der Entrü- ckung leben. Jesus geht sogar soweit, dass er emp- fiehlt – nur damit man nicht die Ewig- keit versäumt – sich lieber das Auge auszureißen, sollte es uns vomWeg zum ewigen Leben abbringen, als wegen der Begierden unserer Augen in die Hölle geworfen zu werden. Natürlich ist dies nur allegorisch gemeint. Das lehrt uns, dass man unter Heilung in erster Linie die Heilung unseres Geistes und unserer Seele verstehen soll und sich nicht damit begnügen darf, dass Gott nur unsere Schuldund Sünde vergibt, dennweil Gott uns in freier Gnade liebt, will er uns von all unserer Abtrünnigkeit heilen – heilen im vollkommenen Sinn. 

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