Flüchtlingslager in Syrien bombardiert: Palästinensische Reaktionen

Mittwoch, 19. Dezember 2012 |  Kommentar von Aviel Schneider

Die syrische Armee hat das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk südlich von Damaskus angegriffen. 25 Palästinenser kamen bei der Bombardierung der Moschee ums Leben. Palästinenserchef Mahmud Abbas meldete sich zaghaft mit einer gemäßigten Kritik zu Wort, anscheinend um den syrischen Staatschef Baschar el Assad nicht zu sehr zu verärgern. „Es macht uns traurig, dass die palästinensischen Flüchtlingslager in den innenpolitischen Konflikt Syriens hineingezogen werden“, so Abbas. „Wir rufen alle Seiten im syrischen Konflikt auf, die Palästinenser nicht zu involvieren.“

Hier zeigt sich wiederholt, wie vorsichtig die palästinensische Führungsriege gegenüber arabischen Staatsführern sein muss. Die arabischen Länder reagieren auf böse Kritik seitens der Palästinenser im Gegenteil zu Israel anders - nämlich nicht so gnädig. Hätte Israel ein palästinensisches Flüchtlingslager in der Form bombardiert, wäre die Kritik der Palästinenser tausendmal heftiger. Das Gleiche gilt für den Westen, der sich diesmal nicht für das Leid der Palästinenser in Syrien einsetzte, wie es sonst für die Palästinenser in Israel der Fall ist.

Als dann die syrischen Rebellen in das palästinensische Flüchtlingslager Jarmuk einmarschierten, flohen laut ausländischen Quellen über 2000 Palästinenser in den Libanon. Sie haben Angst, dass sie wegen der Rebellen in ihrem Wohnviertel wieder von den syrischen Kampflugzeugen bombardiert werden. Zur Erinnerung, Israel hat während seiner Operationen im Gazastreifen immer Flugblätter über die palästinensischen Flüchtlingslager abgeworfen, um die palästinensische Zivilbevölkerung vor den bevorstehenden Bombardierungen zu warnen. In den arabischen Ländern wird keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen. Und keiner regt sich deswegen in der Region darüber auf.

Führende Mitglieder verschiedener Terrororganisationen fliehen nun aus Jarmuk, unter anderem bekannte Gesichter aus der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ wie Achmed Dschibril. Diese müssen jedoch vor der Rache der Rebellen fliehen, weil die palästinensischen Terrorgruppen den syrischen Diktator Assad gegen die Rebellen unterstützen. Einige davon baten dem israelischen Rundfunk zufolge Israel um Erlaubnis, in den Gazastreifen einzureisen.

Ich erinnere mich an meine Zeit als Soldat im ersten Libanonkrieg, als mir arabische Soldaten der Südlibanesischen Armee (mit denen wir damals gemeinsam Schulter an Schulter in der südlibanesischen Pufferzone dienten) immer wieder sagten, dass die Palästinenser in den arabischen Staaten gehasst werden. „Ein Volk auf das sich keiner verlassen kann“, haben uns damals die SLA Soldaten immer wieder erklärt.

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