In den israelischen Medien heißt es, der 52-jährige Sozialminister Moshe Kachlon bereite Likud- und Regierungschef Benjamin Netanjahu immense Kopfschmerzen. Vor zwei Wochen hatte Kachlon angekündigt, aus der Politik aussteigen zu wollen. Die Likudmitglieder waren allesamt schockiert, denn Kachlon gilt als der einzige Minister im Regierungskabinett, der vieles in Sachen gesellschaftliche Gerechtigkeit während seiner Amtszeit durchzusetzen vermochte. Desweiteren wird er als mit Abstand beliebtester Minister angesehen, da er sich nicht zu profilieren scheint und sich wirklich für das Volk einsetzt.
Seit seinem Beitritt in die Knesset 2003 unterstützt Kachlon wirtschaftlich schwache Schichten in der israelischen Gesellschaft. Insbesondere setzte er sich dabei bislang für niedrige Bankgebühren und billigere Stromgebühren ein. Ferner sorgte er dafür, dass die Preise der großen Mobilkonzerne drastisch gesenkt wurden.
Vor wenigen Tagen hatte er im israelischen Rundfunk noch erklärt, sich auch extern nur für die Likudpartei einsetzen zu wollen. Nun aber kursieren immer mehr Meldungen in den Medien, dass Moshe Kachlon eine neue Partei für gesellschaftliche Gerechtigkeit unter seiner Leitung ins Leben rufen will. Sollte es dazu kommen, würde die Likud einer Umfrage zufolge zahlreiche Knessetsitze bei den bevorstehenden Wahlen verlieren. Um dem vorzubeugen, fordern nun erste Parteimitglieder, Netanjahu solle Kachlon unbedingt den zweiten Platz in der Partei anbieten und bei einer Wiederwahl Kachlon anstelle von Yuval Steinitz zum Finanzminister ernennen.
Moshe Kachlon ist ein sephardischer Jude, der mit den Menschen auf der Straße auf Augenhöhe spricht und sie versteht. Im Gegensatz zu vielen anderen Ministern, die als hochmütig und abgehoben gelten, haftet Kachlon ein Image als tüchtiger und demütiger Arbeiter für’s Volk an.