Israels vergessene Flüchtlinge -Teil II

Dienstag, 23. Oktober 2012 |  Elizabeth Blade  

Die Einstellung der muslimischen Welt gegenüber Juden war nicht immer feindlich. Nach der Eroberung des Nahen Ostens und Nordafrika im 7. Jahrhundert, waren Juden toleriert und genossen sogar einige religiöse, erzieherische und wirtschaftliche Freiheiten. Gleichzeitig waren sie aber Bürger zweiter Klasse, oder so genannte Dhimmis (geschützte Minderheiten), mit verschiedenen Einschränkungen im rechtlichen und gesellschaftlichen Bereich.

Im Jemen zum Beispiel war es einem Juden nicht erlaubt, auf dem Bürgersteig zu gehen oder auf einem Pferd zu reiten, seine Aussage vor Gericht war weniger Wert als die eines Muslims. Andere Beschränkungen ergaben sich durch verächtliches Verhalten seitens der Muslime, Verweigerung der Würde und sogar durch wiederholte Gewaltakte gegen Juden und ihre Gemeinden.

Die Kolonisierung des islamischen Gebiets durch Frankreich, England und Italien erlaubte den Juden, ihr tägliches Leben aufzuwerten und ihren gesellschaftlichen Status zu erhöhen. Aber das hielt nicht lange an. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und die darauffolgende Besetzung Nordafrikas durch die Achsenmächte brachte auch die Judenverfolgung mit sich und viele wurden in Konzentrationslager deportiert.

Aber neben dem Versuch der Nazis und ihrer Verbündeten, die Juden auszulöschen, litten diese auch unter ihren muslimischen Nachbarn. Das bis dahin schockierendste Ereignis, genannt Farhud, fand 1941 im Irak statt, als anti-britische Mobs Juden angriffen, die sie für Kollaborateure der Briten hielten. Das drei Tage anhaltende Massaker hinterließ 182 tote Juden und 1000 weitere Verletzte.

Die Angriffe kamen für die Juden überraschend, da sie sich bereits jahrelang bemüht hatten, sich an die muslimische Gesellschaft anzupassen (im Gegensatz zu ihren Glaubensbrüdern in anderen arabischen Ländern); sie sahen sich selbst als Irakis und fühlten sich ihrem Heimatland sehr verbunden. Sie hatten enormen Einfluss auf die Sprache, Musik, Bildung und Wirtschaft des Landes. „Farhud hat dies alles zunichte gemacht,“ erklärte Dr. Haim Saadoun, Direktor des Dokumentationszentrums über nordafrikanische Juden während des Zweiten Weltkriegs am Ben Zwi Institut, und fügte hinzu, dass das Ende des Krieges keine Erleichterung für die Juden brachte.

„Weitere Spannungen entstanden, als die UN beschloss, Palästina in zwei Teile zu teilen. Die arabische Liga nutzte dies, um anti-jüdische Resentiments zu schüren [dies war besonders in Ägypten spürbar], mit der Behauptung, die Juden würden die Schaffung Israels finanzieren, was die Massen auf die Straßen trieb,“ erzählte Saoun Israel Heute und fügte hinzu, dass die Lage sich mit dem Aufkommen des Pan-Arabismus und des religiösen Fanatismus noch verschlimmerte.

Tatsächlich gab es Drohungen gegen jüdische Gemeinden im Nahen Osten und Nordafrika von der Rednerbühne der Generalversammlung der Vereinten Nationen, als in einer hitzigen Debatte über die Teilung Palästinas im Jahre 1947, Heykal Pascha, ein ägyptischer Abgeordneter, plötzlich erklärte:

„Die Vereinten Nationen ... sollten nicht aus den Augen verlieren, dass die vorgeschlagene Lösung Millionen Juden in muslimischen Ländern gefährden könnte. Die Teilung Palästinas könnte in diesen Ländern einen Antisemitismus entfachen, der noch schwieriger zu entwurzeln sein wird, als es jetzt die Allierten in Deutschland versuchen ... wenn die Vereinten Nationen beschließen, Palästina zu teilen, sind sie verantwortlich für ein Massaker an einer großen Zahl von Juden“.

Paschas Ideen wurden schnell zur Realität, als arabische Regierungen Maßnahmen gegen Juden einführten wie: diskriminierende Gesetze, Entzug der Staatsbürgerschaft, wahllose Festnahmen und Gefängnisstrafen, Ausschluss der Mitarbeit im öffentlichen Dienst und Quoten in bestimmten Beschäftigungsbereichen (um nicht die häufigen Fälle von staatlich organisierter Gewalt zu nennen).

Nach Zahlen des Jerusalem Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit, einer Organisation für öffentliche Diplomatie und Außenpolitik, verloren Juden etwa fünf Milliarden Euro an Besitz (in aktuellen Preisen), während andere Berechnungen den Verlust auf über 25 Milliarden Euro schätzen.

Hier finden Sie den ersten Teil der Serie: Israels vergessene Flüchtlinge - Teil I

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