Wie schon von den israelischen Zeitungen vergangene Woche angekündigt, wurde nun das erste offizielle Interview mit Gilad Schalit am Mittwochabend auf Kanal 10 des israelischen Fernsehens übertragen. Erstmals berichtete der 26-Jährige ausführlich von den fünf Jahren und vier Monaten, die er von der Hamas im Gazastreifen festgehalten wurde. Er erzählt zu Beginn von dem Moment, als der Panzer seiner Armeetruppe von Hamas-Kämpfern umzingelt war und er sich aber trotzdem noch sicher fühlte. Niemals wäre er auf die Idee gekommen, dass man ihn entführen könnte.
Während seiner Gefangenschaft hat er immer versucht, sich zu beschäftigen und den Tag zu gestalten, um nicht in der Einsamkeit verrückt zu werden. Er zeichnete die Landkarte Israels, sein Elternhaus in Mitzpe Hila, bestimmte Straßen und Orte, um sein Gedächtnis fit zu halten.
Gilad spielte mit seinen Wärtern Schach und Domino oder erfand eigene Spiele um sich die Zeit zu vertreiben.
Weiter beschreibt er, wie er oft Angst hatte, man würde ihn einfach vergessen, wie es bei Ron Arad der Fall war, einem Offizier der israelischen Luftwaffe, der 1986 nach einem Flugzeugabsturz über dem Libanon von der schiitischen Amal-Miliz gefangen genommen wurde. Über seinen Verbleib ist nichts weiter bekannt.
Gilad musste sich ständig zwingen, positiv zu denken: „Ich versuchte, optimistisch zu sein ... mich auf die kleinen Dinge zu konzentrieren, die ich hatte, wie Fernsehen, Radio und vernünftiges Essen.“
Kurz vor seiner Freilassung konnte er tagelang nicht schlafen. Auf der Fahrt nach Israel überkam ihn die Angst, man könne ihn doch noch in letzter Minute verletzen. Als er schließlich frei und in Israel war, sei es ein komisches Gefühl gewesen, die Sonne und den Himmel nach fünf Jahren wieder zu sehen.
In der ersten Nacht zu Hause in Mitzpe Hila ging Gilad um neun Uhr abends schlafen und wachte um zwei Uhr morgens wieder auf. Er ging durch das Haus und schaute aus dem Fenster, wo er Polizisten in seinem Garten sah, die das Haus bewachten. Die Freiheit, einfach nur herumzuwandern oder ein Fenster zu öffnen, habe ihm ein großes Glücksgefühl beschert, so Gilad.
Am gleichen Tag, an dem das Interview mit Gilad ausgestrahlt wurde, hat die Zeitung Jediot Achronot Daten veröffentlicht, die zeigen, dass viele der für Schalit freigelassenen Terroristen ihre alte Tätigkeit wieder aufgenommen haben. Die Zeitung schreibt, dass manche, die nach Gaza zurückgekehrt sind, in hohe Positionen in der Hamas aufgestiegen und an der Gründung neuer Terrorzellen beteiligt seien. Auch die Terroristen, die ins Westjordanland freigelassen wurden, haben sich nicht von ihrer kriminellen Vergangenheit gelöst und 40 von ihnen wurden im letzten Jahr wieder festgenommen.