In dieser Woche beginnt der Wahlkampf offiziell. Das israelische Parlament, die Knesset, hat mit einer Mehrheit von 100 der insgesamt 120 Knessetabgeordneten für die Parlamentsauflösung gestimmt. In drei Monaten, am 22. Januar, werden im Land die 19. Knessetwahlen stattfinden. Mit Spannung werden zurzeit die Entwicklungen in der orthodox-sephardischen Schass-Partei verfolgt, denn dort wird die Rückkehr des charismatischen Schass- Gründers und -Führers Arie Deri (53) erwartet. Vor 13 Jahren musste Deri die Partei verlassen weil er gerichtlich wegen Annahme von Bestechungsgeldern, Betrug und Vertragsbruch schuldig befunden wurde. Dafür bekam er eine dreijährige Haftstrafe.
Nun wollen führende Rabbiner der sephardischen Juden und Vertreter der Schass-Bewegung eine Entscheidung treffen, ob Arie Deri wieder das Parteizepter in die Hand nehmen soll. Dafür müsste der jetzige Parteichef Eli Ischai (50) seinen Posten aufgeben, den er seit 13 Jahren innehat. Unter Deris Führung hatte die Schass Partei 17 Knessetsitze, unter Ischai sank die Zahl auf elf. Für viele Schass Wähler, zu denen nicht nur orthodoxe Juden zählen, sondern auch Juden aus ärmeren sowie traditionellen sephardischen Bevölkerungsschichten, ist die Partei in den letzten zehn Jahren zu orthodox geworden. Die israelischen Medien meldeten bereits, unter Bezugnahme auf Quellen der Schass Partei, es sei bereits die Entscheidung getroffen worden, Deri wieder als Führer der Schass Partei einzusetzen. Mann müsse nur noch einen ehrenvolle Verabschiedung Ischais arrangieren. Vor 13 Jahre sagte der geistliche Führer der Schass Partei, Rabbi Ovadja Josef, die Parteiführung werde Eli Ischai bis zur Rückkehr von Deri als Pfand gegeben. Dies wird nun eingelöst.
Deri betonte mehrfach, dass er eine neue Partei für fromme und säkulare Juden gründen möchte. Sein Anliegen sei die israelische Gesellschaft, der er auf verschiedenen Gebieten dienen wolle. Bis vor wenigen Wochen war sich Deri noch unsicher, überhaupt in die Reihen von Schass zurückzukehren. Er sprach eher von einer neuen Gesellschaftspartei. Laut Umfragen hätte diese wahrscheinlich nicht viele Mandate in den nächsten Wahlen gewonnen. So entschieden sich Deri und die Schass-Führung dazu, ihre Kräfte trotz der Feindseligkeit zwischen Ischai und Deri um der Sache willen zu vereinen. Mit Deri an der Parteispitze wird Schass in den nächsten Wahlen eine bedeutende Rolle spielen.
Bild: Arie Deri (l.) und Eli Ischai schütteln sich die Hände.