Messianische Antworten auf den Kirchenvandalismus in Israel

Dienstag, 16. Oktober 2012 |  Ryan Jones  

Wieder hat eine rechtsgerichtete Gruppe ihre Spur an einer Jerusalemer Kirche hinterlassen. „Jesus, Hurensohn“ stand an der Vordertür des Franziskanerklosters auf dem Berg Zion, nachdem weniger als ein Monat vergangen war, als die vermutlich selbe Gruppe ein Kloster in Latrun beschmutzt hat. Einige Christen in Israel machen sich Sorgen.

Ähnliche Akte von Vandalismus wurden schon früher einer Gruppe, die sich „Preisschild“ (Price Tag) Bande nennt, begangen, aber erst vor kurzem wurden Kirchen ihr Ziel. Es ist bekannt, dass die Gruppe aus Judäa und Samaria von der Politik in den umstrittenen Gebieten frustriert ist. Im Juli 2008 erlaubte eine kleine Gruppe von Siedlern der Armee nicht, ihren Außenposten abzureißen. Nach einer gewalttätigen Auseinandersetzung mit den Soldaten, sprühte die Gruppe das Wort „Preisschild“ auf Basen der Armee. Sie wollen, dass die Menschen verstehen, dass es einen „Preis“ zu zahlen gibt wenn man Siedler aus ihren Häusern entwurzelt.

Die Gruppe ist auch für Gewaltakte gegen Araber verantwortlich. Diese kamen als Antwort auf arabische Angriffe auf Juden, besonders in Judäa und Samaria. Seit vielen Jahren beschweren sich Juden schon frustriert bei der Armee über die geringe Sicherheit und unzureichende Verteidigung in diesem Gebiet. Die Preisschild-Gruppe sah es an der Zeit, die Dinge in ihre eigenen Hände zu nehmen und so wurden Araber angegriffen und Moscheen beschmutzt.

Seit Januar dieses Jahres sind auch Kirchen zum Ziel der Gruppe geworden, unter anderem eine baptistische Kirche sowie katholische und orthodoxe Grundstücke bei Jerusalem. Die Motivation für diese Angriffe ist nicht klar. Höchstwahrscheinlich will die Gruppe Aufmerksamkeit auf sich ziehen, indem sie religiöse Spannungen anfacht. Diese Art Vandalismus provoziert heftige Reaktionen.

Der höchste offizielle Vertreter des Vatikans in Israel, Rev. Peirbattista Pizzaballa, nannte die Angriffe eine Folge von Israels abneigender Haltung gegenüber Christen. „Wenn ein Israeli das Wort Christentum hört, denkt er sofort an den Holocaust und die Inquisition,“ sagte er. Obwohl Präsident Peres die Angriffe verurteilt hat und die Polizei die Täter verfolgt, behaupten Kirchenvertreter, Israel unternehme nicht genug.

Ein franziskanischer Vertreter sagte, Israel müsse mehr tun, um das Preisschild-Phänomen zu eliminieren. „Die Versuche, Klöster zu beschädigen und das Sprühen aufwieglerischer Graffittis gegen das Christentum, die in letzter Zeit aufgetreten sind, sind eine Beleidigung von hunderten Millionen Christen welteit und der israelische Staat kann solch gravierenden Akte nicht zulassen,“ sagte er der Zeitung Haarez.

Messianische Juden in Israel antworteten auch auf die Vorfälle. „Es stimmt, dass unsere Regierung die Siedler nicht beschützt,“ sagte ein messianischer Gemeindevorstand in Jerusalem. „Die Leute sind frustriert und wütend, aber solche Akte gegen Kirchen sind plump und kindisch,“ sagte er und fügte hinzu: „Es handelt sich um kleine Provokationen einer Randgruppe, die nur Aufmerksamkeit erregen will.“ Ein Experte hatte festgestellt, dass das Graffitti eindeutig die Handschrift einer sehr jungen Person war.

Andere messianische Gruppen sind etwas besorgter über die Preisschild-Gruppe, die Kirchen beschädigt. „Unseren jungen Leuten wird nicht beigebracht, Minderheiten zu respektieren,“ sagte ein Leiter einer messianischen Jugendgruppe, „besonders in einigen rechtsgerichteten religiösen Schulen. Manche dieser Schulen stehen nicht einmal unter Aufsicht der Regierung.“

„Es wird Zeit, dass die Israelis verstehen, dass die Kirche nicht mehr ihr Feind ist,“ sagte Jakob, ein Vorstandsmitglied der messianischen Organistation „Yad be Yad“, einem deutsch-israelischen Austauschprogramm für Jugendliche. „Die Tage der Inquisition und der Kreuzzüge sind lange vorbei. Es wird Zeit, die alten Vorurteile zwischen Juden und Christen abzustreifen. Jerusalemer Kirchen mit Graffitti zu beschmutzen, ist töricht, aber streut Salz in die alten Wunden.“

Obwohl christliche Kirchen einen privilegierten Status in Israel genießen, gibt es doch Spannungen und Gruppen wie die Preisschild-Bande nutzen diese für ihre Zwecke aus. Ein messianischer Gläubiger sagte, es sei besser, diese kindlichen Provokationen einfach zu ignorieren. „Je mehr Aufmerksamkeit wir ihnen geben,“ sagte er, „desto mehr Schaden können sie anrichten.“

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