Die arabische Lobby: Mythos oder Realität – Teil III

Donnerstag, 11. Oktober 2012 |  Elisabeth Blade  

Mitchell Bard, amerikanischer Analyst im Bereich der US Außenpolitik und Autor des Buches „Die arabische Lobby“ (Bild), in dem er die engen Beziehungen zwischen den USA und ihren arabischen Verbündeten beschreibt, argumentiert, dass die Länder am persischen Golf schon immer die Spielregeln für Amerika und Europa diktiert haben, da sie sich über deren Abhängigkeit vom arabischen Öl bewusst sind.

Arabische Einmischung in Amerikas Innen- und Außenpolitik begann mit der Gründung der so genannten „Arabischen Lobby“. Diese besteht aus verschiedenen arabischen Botschaften, führenden Ölproduzenten, Nichtregierungsorganisationen, Politikern aus den USA und arabischen Ländern sowie anderen einflussreichen Persönlichkeiten. Diese Lobby hält die Unterstützung für Araber für das Beste für amerikanische Interessen.

Aber nicht jeder stimmt dieser Analyse zu. Hussein Ibish, Mitglied der amerikanischen Organisation für Palästina (ATFP), einer Nichtregierungsorganisation in Washington, hält die Behauptung für lächerlich. „Meines Wissens nach gibt es zur Zeit nicht eine einzige registrierte Lobby, die für eine amerikanisch-arabische Organisation arbeitet.“ Mitchell Bard nahm diese Stellungnahme mit Überraschung auf und bezeichnete Ibish selbst als Mitglied der arabischen Lobby.

„Der einzige Grund, aus dem die Existenz solch einer Bewegung geleugnet wird, liegt darin, dass diese schwach und fragmentiert ist,“ erklärt Bard und fügt hinzu, dass es in den USA zwar sehr viele pro-arabische Organisationen gebe, ihre Ziele jedoch meist nicht übereinstimmen.

Ein Bericht des Middle East Forums, einer Organisation, die die Interessen Amerikas im Nahen Osten voranzubringen sucht, unterstützt diese Idee und schrieb, dass „etwa zwei Drittel (63 Prozent) der arabischen Amerikaner von christlichen Minderheiten des Nahen Ostens abstammen, die in ihren Heimatländern durch arabische und muslimische Extremisten viel Leid erfahren mussten“.

Obwohl die offizielle arabische Lobby so gut wie keinen Einfluss auf die Politik der USA hat, gibt es nach Aussage von Bard externe Elemente, die Amerikas Politik in dieser Region bestimmen. „Die stärkste Kraft der arabischen Lobby ist die Öl-Lobby, angeführt von Saudi Arabien. Sie greifen nicht offiziell in die amerikanisch-israelische Politik ein, aber manipulieren die Politik Amerikas so, dass sie selbst an der Herrschaft bleiben.“

„Wenn die Saudis den Ölpreis nach oben treiben, wird dies Konsequenzen für die Wirtschaft Amerikas haben, was zu einer Niederlage Obamas bei den anstehenden Wahlen führen wird. Um diese Gefahr zu bannen, biedert sich Washington den Saudis an und man schließt vor unzähligen Menschrechtsverletzungen in dem Königreich die Augen“, fügt er hinzu.

Ibish hingegen behauptet, dass sich die Öl-Lobby niemals in die Politik Amerikas eingemischt habe und dass Bards Anschuldigungen weit übertrieben seien. „Das Thema der Öl-Lobby in den USA ist sehr komplex. Sie ist sehr stark, aber sie besteht zumeist aus amerikanischen Energieversorgern, die manchmal mit arabischen Staaten kooperieren ... und deswegen für enge Beziehungen zwischen den USA und den jeweiligen Ländern eintreten. Diese Beziehungen beschränken sich meist auf bilaterale Kooperationen, Hilfsprogramme, Waffenhandel und kommerzielle Interessen,“ sagte er und widersprach Bards Behauptung, dass die Lobby die Möglichkeit habe, die amerikanischen Werte zu untergraben.

Bezugnehmend auf die oben angesprochene Einseitigkeit der Vereinten Nationen in Bezug auf Israel (der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat Israel von 1948 bis 2009 79 Mal verurteilt, es ist damit das am häufigsten gemaßregelte Land in der Geschichte der UN) sagte Ibish, das sei die normale Strategie aller Israel-Unterstützer.

Hier finden Sie die anderen Teile der Serie: „ Die arabische Lobby: Mythos oder Realität – Teil I“ und „ Die arabische Lobby: Mythos oder Realität – Teil II“ .

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