Auch in Israel macht ein kleines Papyrus-Fragment große Schlagzeilen. Auf dem Schnipsel steht angeblich geschrieben: „Jesus sagte zu ihnen, meine Frau…“. Den kleinen Papyrus aus dem vierten Jahrhundert hatte die Religionswissenschaftlerin der amerikanischen Harvard-Universität, Professor Karen King (58), der Weltöffentlichkeit präsentiert. Es soll sich um einen Dialog zwischen Jesus und seinen Jüngern handeln, in dem es um die Frage geht, ob Maria als Frau würdig sei, ein Jünger Jesus zu sein, was Jesus gemäß Papyrus bejahte. Das Schriftstück ist in koptischer Sprache verfasst, einer späten Form des Altägyptischen.
In den israelischen Medien wurde zunächst erklärt, weshalb dieses Fragment in der christlichen Welt überhaupt für Aufregung sorgt. „Gemäß christlicher Tradition war Jesus niemals verheiratet, obwohl es dafür keinen historischen Beweis gibt“, schrieb Israels auflagenstarke Zeitung Israel Hayom. Ferner werde damit die katholischen Kirche angegriffen, da Frauen laut Papyrus wohl auch ein Priesteramt übernehmen dürften.
Israels orthodoxe Medien haben in ihren Printmedien und Webseiten das Jesus-Papyrus hingegen verschwiegen. Aus jüdischer Sicht und Tradition darf ein Messias verheiratet sein, denn damit hält er zuerst das erste Gebot in der Bibel (1. Mose 1,28): „Seid fruchtbar und mehret euch und füllt die Erde“. Darüber hinaus waren die verschiedenen „Messiasse“ in der jüngeren jüdischen Geschichte, die von diversen Gruppen als Heilsbringer angesehen wurden, alle verheiratet. Darunter Rabbi Menachem Mendel Schneerson, der mit Chaya Moussia verheiratet war und im Jahr 1994 starb. Von seinen Chabad-Anhängern wird er als „Messias“ angesehen, sein Wiederkommen wird jährlich erwartet. In Israel sorgt die Vorstellung eines verheirateten Messias deshalb für keine theologischen Diskussionen.