Die jüngsten Entwicklungen in Ägypten bereiten Israel Kopfschmerzen. Aus Quellen des israelischen Geheimdienstes geht hervor, dass die neue Regierung unter Mohammed Mursi die salafistischen Terroristen im Sinai nicht wirklich bekämpft. Trotz der massiven Truppenmobilisierung auf der Sinai-Halbinsel werde nichts Effektives unternommen. Ägypten hat öffentlich mehrfach betont, das israelisch-ägyptische Friedensabkommen nicht in Frage zu stellen. Hinter den Kulissen ist aber aus dem israelischen Außenministerium zu hören, dass sich Ägypten nicht an die abgemachten Regeln im Friedensvertrag halte und weiterhin Truppen in den Sinai schleuse. Jerusalem versucht zurzeit einen öffentlichen Streit mit Kairo zu vermeiden. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Mubarak pflegt Mursi warme Beziehungen mit der radikale Hamas-Regierung im Gazastreifen unter Ismail Haniya (siehe Bild). Kairo hat der Hamas angeblich versprochen, eine israelische Militäroperation gegen den Gazastreifen wie im Jahr 2009 nicht zuzulassen.
Darüber hinaus hat die neue Regierung in Kairo endgültig beschlossen, einen neuen Kernreaktor zu bauen. Zudem hat Ägypten zwei deutsche U-Boote mit der neusten Technik von der Kieler HDW-Werft und dem Emdener Nordseewerk bestellt. Dies verschiebt das strategische Gleichgewicht zwischen den beiden Ländern. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu versucht die deutsche Regierung davon zu überzeugen, dass sie das Waffengeschäft mit Ägypten nicht genehmigt. All dies passiert im Schatten einer engen Umarmung zwischen dem iranischen Diktator Ahmadinedschad und ägyptischen Präsident Mursi in Teheran. Zum ersten Mal nach 33 Jahren haben sich die Staatschefs aus dem Iran und Ägypten wieder getroffen.
In der arabischen Welt symbolisieren Ahmadinedschad und Mursi die zwei führenden Glaubensgemeinschaften im Islam, Ahmadinedschad die Schiiten und Mursi die Sunniten. In der islamischen Religion vertreten beide Strömungen unterschiedliche Theologien und Weltanschauungen.