Im benachbarten Israel ist das Ganze jedoch sehr viel komplizierter. Obwohl es jede Menge jüdisch-christliche Paare im Land gibt (vor allem aus der früheren Sowjetunion), so kam es doch selten vor, dass Juden Araber heiraten. Obwohl es keine offiziellen Statistiken zu interreligiösen Ehen gibt, schreiben einige Experten den Mangel an Datenerhebung der Tatsache zu, dass die Zahlen verschwindend gering sind.
„Das Zentrale Statistikbüro Israels befasst sich nicht mit dieser Thematik, da der Prozentsatz dieser Mischehen kaum ins Gewicht fällt”, sagt Prof. Sammy Smooha, ein führender Soziologe und Fachmann für vergleichende Studien zu ethnischen Beziehungen. Er gibt an, dass es in Israel seit der Staatsgründung 1948 nicht mehr als 1000 Fälle von jüdisch-arabischen Ehen gab.
„Selbst, wenn es mehr Daten zu diesem Thema gäbe, bezweifle ich, dass sie veröffentlicht würden, vor allem, weil dadurch großer Widerstand in religiösen Kreisen hervorgerufen würde aus Angst, dass die Enthüllung solcher Daten noch mehr Menschen ermutigen könnte, ihren Glauben zu verlassen. Und außerdem weil jeder dieser Fälle seitens der Gesellschaft als „Versagen“ betrachtet werden könnte, dass man nicht genug dafür getan hat, diese Menschen im Judentum zu halten“, erläutert er.
Tatsächlich gelten im Judentum interreligiöse Ehen als ungünstig, es wird gewarnt: “… eure Kinder werden sich von mir abwenden und anderen Göttern dienen…“ (5. Mose 7, 1-3). Gleichzeitig enthält die Heilige Schrift auch einige positive Beispiele von Mischehen. Das war der Fall bei Moses, der Zippora, die Tochter des midianitischen Priesters, heiratete; oder bei Königin Esther, welche die Juden in der Purimgeschichte vor Haman rettete. Sie war mit dem persischen König Ahasveros verheiratet.
Das moderne konservative Judentum passt sich der sich ständig wandelnden Welt an und lehnt interreligiöse Verbindungen nicht ab. Es wird zur Akzeptanz des nicht-jüdischen Ehepartners in der Familie ermutigt, in der Hoffnung, dass diese Akzeptanz letztendlich irgendwann zu einem freiwilligen Übertritt des Ehepartners zum Judentum führt.
Jedoch ist diese Einstellung in Israel nicht besonders weit verbreitet. „Hier sind sowohl Juden als auch Araber gegen interreligiöse Verbindungen, beide halten an ihrer Kultur, ihren Traditionen sowie Ideologien fest. Daher wird die Weigerung, einen Partner anderen Glaubens zu heiraten, nicht als Rassismus betrachtet, sondern eher als kulturelle Norm“, erklärt der Experte und weist darauf hin, dass interreligiöse Ehen besser in liberale oder säkulare Demokratien passen.
Laut dem Professor bestehen die wenigen Mischehen normalerweise aus einer jüdischen Frau und einem muslimischen Mann. „Die Frauen kommen oft aus Familien niedriger Gesellschaftsschichten. Einige von ihnen sind Prostituierte, andere sind gestörte Persönlichkeiten, die vor Schwierigkeiten zu Hause davonlaufen”, erklärt Smooha.
In weiteren Fällen kommt die Frau oft aus der früheren Sowjetunion, wo man gegenüber solchen Partnerschaften vermutlich toleranter ist. Der Experte behauptet auch, dass das Schicksal dieser Paare vorhersehbar ist. Die meisten ziehen in ein arabisches Dorf, weil sie der Ablehnung durch die jüdische Mehrheit im Land aus dem Weg gehen wollen.
Aber selbst wenn es der Frau gelingen sollte, sich an die neuen Sitten der Araber, bei denen sie lebt, und die muslimische Kultur zu gewöhnen, so ist das Paar dennoch mit enormen Herausforderungen konfrontiert. „Wie werden sie ihre Kinder erziehen – als Muslime oder als Juden?“ fragt Smooha. „Hier ist die Frage der Identität ein zentrales Thema, vor allem wenn man die Tatsache betrachtet, dass das Kind Wehrdienst in der Armee leisten müsste, da die Mutter Jüdin ist. Wird sich das Kind dem Staat Israel gegenüber loyal zeigen angesichts der arabischen Umgebung, in der es lebt – das ist sehr fraglich“, fügt er hinzu.
Israel National News berichtete tatsächlich im Jahr 2004, dass „die Beteiligung der Kinder aus Mischehen an Angriffen (Steine werfen etc.) gegen die israelischen Streitkräfte während der … Intifada (ca. 1987 – 1992) höher war, als von Kindern aus rein arabischen Familien”. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Trend eventuell begründet werden kann durch ihr Bestreben, sich trotz ihrer teils jüdischen Herkunft in ihr muslimisches Umfeld zu integrieren.
Wie geht es also mit diesen Familien weiter? W. L. Cati und Olga Lykova sind sich einig, dass es bei den meisten Mischehen früher oder später zur Scheidung kommt. Auch anderen Experten, die sich mit dieser Frage beschäftigen, stimmen hier überein. Laut der Huffington Post besteht für Mischehen kaum eine Chance auf Erfolg bei einer 50 Prozent höheren Scheidungsrate dieser Paare im Vergleich zu Ehepartnern desselben Glaubens. „Da die Scheidungsraten für Ehen allgemein schon bei nahezu 50 Prozent liegt, würde das bei interreligiösen Ehen eine Rate von beinahe 75 Prozent nahelegen, also drei von vier Ehen”, resümierte die Zeitung.
„Eine Scheidung ist oftmals die einfachste Lösung, aber nicht immer die passendste”, betont Smooha und fügt hinzu, dass in Israel Familien aus Mischehen weiterhin in ihren arabischen Dörfern wohnen und es schaffen, zurecht zu kommen, ohne die Scheidung einzureichen.
Hier finden Sie die anderen Teile der Serie: „Verheiratet mit Muhammed Teil I“ und „Verheiratet mit Muhammed Teil II“ . „Verheiratet mit Muhammed Teil III“ .