Die israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen scheinen wie in einem nicht enden wollenden Koma zu liegen. In den israelischen Medien wird darüber nicht mehr berichtet. 1993, als die Osloer Friedensverträge ausgearbeitet wurden, war kein anderes Thema wichtiger als die Verhandlungen mit den Palästinensern. Gesellschaftliche Themen waren damals out. Schlagzeilen machten unter anderem das umstrittene Orienthaus und der Streit um den Har Choma-Hügel in Jerusalem, die Terroranschläge in aller Welt und Jassir Arafats politische Tricks.
In den letzten fünf Jahren hat sich die Tagesordnung in Israel geändert. Israels gesellschaftliche Probleme haben Priorität gegenüber den eingeschlafenen Friedensverhandlungen gewonnen, die sonst aus den hochaktuellen Nachrichten nicht wegzudenken waren. Die israelische Bevölkerung hat nach knapp 20 Jahren Osloer Verhandlungen eingesehen, dass die Zeit für einen Friedensvertrag mit den Palästinensern einfach noch nicht reif ist.
Ein weiteres Thema, das die Friedensverhandlungen verblassen ließ, ist die Entwicklung im arabischen Nahen Osten und die Gefahr, die davon ausgeht. Die arabischen Völker stürzen ihre Regierungen, eine nach der anderen, was kein Nahost-Experte vorhersehen konnte. Selbst die Araber waren überrascht über die Macht, die sie über ihre diktatorischen Regime haben und darüber, dass sie sie stürzen können. Darüber hinaus ist die iranische Nuklearaufrüstung eine noch größere Gefahr für Israel. All das verdrängte den israelisch-palästinensischen Konflikt auf die hintersten Zeitungsseiten.
Das verärgert natürlich die palästinensische Autonomieführung, die deswegen immer wieder neue kreative Meldungen sucht, um die Aufmerksamkeit für das Palästinenserproblem in der Weltöffentlichkeit nicht zu verlieren. „Wir ringen um mehr Beachtung in der Welt“, sagte Fatah-Politiker, Sufian Abu Saida, aus Ramallah zu Israel Heute. „Es sieht so aus, als ob sich keiner mehr um unseren Konflikt kümmert. Die arabischen Völker sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Für uns ist das nicht gut“, so Saida.
Palästinenserchef Mahmoud Abbas versuchte indessen erneut, die UNO davon zu überzeugen, die palästinensische Autonomie als UN-Beobachterstaat zu nominieren. Was hinter den Kulissen ablief, weiß niemand genau. Beide Seiten, Israel und die Palästinenser, könnten wiederholt mit einem neuen Friedensvertrag überrascht werden, genau wie auch der Oslo-Vertrag im September 1993 unerwartet für Israel kam.
Bild: Im Stadtzentrum von Ramallah feiern die Palästinenser ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen.