Israel war überrascht, als der neue ägyptische Präsident Mohammed Mursi seine Top-Offiziere und Generäle und somit die gesamte ägyptische Militärführung entmachtete, darunter Verteidigungsminister Hussein Tantawi und Generalstabschef Sami Annan. In der arabischen Presse wurde getitelt „Er feuerte beide aus ihren Ämtern!“. Mursi, Anhänger der radikalen Muslimbruderschaft, zeigte damit dem Volk, wer jetzt die Herrschaft in Ägypten innehat.
Er hob zudem weitreichende Sonderrechte der Armee auf und berief den Richter Mahmud Mekki zu seinem Vize-Präsidenten. „Mit diesem Schritt hat die ägyptische Revolution ihr Ziel erreicht“, erklärte der Nahost-Experte Oded Granot in einer Zeitungskolumne am Montag. „Die Regierung, das Parlament wie auch die Militärführung sind nun in den Händen der radikalen Muslimbruderschaft. Für Israel ist dies eine deutliche Gefahr!“
Die ehemaligen Köpfe des Militärs, Tantawi und Annan, waren für Jerusalem über 30 Jahre die führenden Ansprechpartner in Kairo. Mursi setzte die beiden höflich mit der Begründung „sie sind nun meine strategischen Berater“ ab und zeichnete sie als Dankeschön für ihren langjährigen Dienst mit der Nil-Medaille aus. Als neuen Verteidigungsminister berief Mursi den bisherigen Chef des Militärgeheimdienstes, Abdel Fattah al-Sissi.
Mursi nutzt die Krisensituation auf der Sinai-Halbinsel, wo vergangene Woche 16 ägyptische Grenzsoldaten von radikalen Terroristen erschossen wurden, aus. Um die Kontrolle im Sinai wiederzugewinnen, überquerten in Absprache mit Israel erstmals wieder ägyptische Panzer den Suez-Kanal. Ferner haben auch die ägyptische Luftwaffe und die Marine den Terrorbasen auf der nördlichen Halbinsel den Kampf angesagt. Auch wenn dies in Absprache mit Jerusalem ablief, so machen sich israelische Experten, darunter der anerkannte Nahost-Forscher Ehud Yaari, Sorgen (Interview Kanal Zwei): „Auf der einen Seite ist es verständlich, die Kontrolle übernehmen und Ordnung schaffen zu wollen und dies ist auch im Interesse Israels. Das Problem ist nur, dass die Panzerbataillone und ägyptischen Soldaten den Sinai nicht mehr verlassen werden, natürlich mit der Begründung, die Sicherheit wahren zu wollen.“
Von verschiedenen Quellen wurde Israel Heute mitgeteilt, dass Mursi der Waffenaufrüstung der Hamas im Gazastreifen kein Hindernis sein wird. Der Waffentransport durch die unterirdischen Tunnel an der Grenze zum Gazastreifen geht ungebremst weiter. Und sollte Israel wiederholt den Gazastreifen, wie im Jahr 2009 angreifen, so drohte Mursi, heftig darauf zu reagieren. Israels Sinai-Grenze, die in den letzten 33 Jahren relativ ruhig war, ist nun zur gefährlichsten Grenze geworden.