Professor schließt 30 Jahre Bibelüberarbeitung ab

Montag, 13. August 2012 |  Kerstin Braun  

Ein 84-jähriger israelischer Professor hat dem Tanach, dem Alten Testament, seine erste Generalüberholung seit knapp 500 Jahren verpasst. Und dafür brauchte er „nur“ 30 Jahre!

„Das Volk Israel hat diese alte Version der Bibel angenommen, bis hin zum letzten Buchstaben“, sagte Professor Menachem Cohen von der Bar-Ilan-Universität in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Cohen, ein anerkannter Bibelforscher, hat die letzten 30 Jahre damit verbracht, in sorgfältiger Kleinarbeit tausende antiker und historischer Texte, Kommentare und Manuskripte zu durchforsten. Dabei konzentrierte er sich hauptsächlich auf grammatische Unklarheiten und komplizierte biblische Symbole. Insgesamt entschlüsselte und korrigierte er 1500 Ungenauigkeiten in der hebräischen Schrift. Das letzte Kapitel seines 21-bändigen Buches soll im nächsten Jahr veröffentlicht werden.

Gemäß jüdischem Gesetz gilt eine Thorarolle als ungültig, wenn schon ein einziger Buchstabe an der falschen Stelle steht oder falsch ist. Cohen will die Heilige Schrift nicht ändern, sondern ist um Genauigkeit in den Bibelversionen, die zum Studium weltweit benutzt werden, bemüht.

Im Jahre 1525 wurde eine solche Bibelüberarbeitung das letzte Mal vorgenommen, als Rabbi Jakob Ben-Hajim aus Venedig antike Manuskripte benutzte, um die hebräischen Schriften zu editieren und zu vereinheitlichen. Aber Ben-Hajim standen nicht die heutigen Forschungsmaterialien zu Verfügung und auch der Zugang zu alten Texten war damals begrenzt, so verblieben zahlreiche kleine Fehler im Text. Sein Ziel sei es, so erklärte Cohen, die Vergangenheit zu korrigieren, um sich für die Zukunft vorzubereiten.

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