Wenige Stunden, nachdem gestern (Sonntag) die Urnen der Präsidentschaftswahlen in Ägypten geschlossen wurden, gab der Kandidat der radikalen Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, in einer Pressekonferenz bekannt, dass er mit 52 Prozent die schicksalhaften Wahlen gewonnen hat. Sein Gegner Achmed Schafik gibt sich damit nicht zufrieden und behauptet, dass die Muslimbruderschaft die Wahl gestohlen habe. In Israel werden die politischen Entwicklungen genauestens verfolgt, denn die Zukunft an Israels Südgrenze hängt von den Ergebnissen ab. In der Zwischenzeit versucht die ägyptische Militärverwaltung unter Machthaber General Hussein Tantawi, noch mehr Rechte unter ihre Kontrolle zu bekommen, bevor dies unter einer islamischen Regierungsherrschaft in seinem Land nicht mehr möglich ist. So hat der Oberste Militärrat das Parlament wenige Tage vor den Wahlen aufgelöst. Die jüngsten Entscheidungen Tantawis verärgern die ägyptische Bevölkerung, die von einem islamischen Umschwung schwärmt. „Die Grenze mit Ägypten ist nicht mehr eine Friedensgrenze wie früher“, sagte Israels ehemalige Oppositionsführerin und linksorientierte Kadima-Parteichefin Zipi Livni. Der politische Wechsel in Ägypten ist an der israelischen Sinai-Grenze zu spüren, wo heute Morgen ein Israeli aus der Ortschaft Kadescha Barnea dicht an der Grenze von Beduinen erschossen wurde. Am Samstag haben Terroristen aus der von Ägypten kontrollierten Sinai-Halbinsel Ziele im Süden Israels mit Raketen beschossen. Die Raketen schlugen neben der Stadt Mizpe Ramon im Negev und dem Uvda Flughafen, der zu einem neuen internationalen Flughafen ausgebaut wird, ein. Diese Orte waren bisher noch nicht von Terroristen beschossen worden. Es wurden jedoch keine Verletzte oder Sachschäden gemeldet.
Gestern Abend, als wir auf der Grenzstraße 10 bei Kadesch Barnea vorbeifuhren, erzählte ich meinem Kollegen Schlomo Aviton, dass Beduinen fast täglich aus dem Sinai auf israelische Soldaten schießen. Wir waren dort und arbeiteten auf unserem Weinberg zwischen Nitzanna und Kadesch Barnea, der im August zum ersten Mal geerntet wird. Die Grenze mit Ägypten wird immer heißer und der Grenzzaun wird langfristig für die Zukunft keine Lösung sein.