„Das Eintreten für die Sicherheit und das Existenzrecht Israels ist für die deutsche Politik bestimmend“, sagte gestern der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck in Jerusalem, der für vier Tage Israel und die palästinensische Autonomie besuchen wird. Als ersten offiziellen Auslandsbesuch wählte Gauck das Heilige Land. „Deutschland ist für Israels Existenz und Sicherheit verantwortlich, die Parteien im deutschen Bundestag, die Regierung und selbstverständlich auch der Bundespräsident. Deutschland und Israel sind enger verbunden als jemals zuvor.“
Gauck wird während seiner Israelvisite nicht nur mit dem Regierungschef Benjamin Netanjahu und Präsidenten Schimon Peres zusammentreffen, sondern ebenso mit israelischen Politikern aus der Opposition. In Ramallah wird er PLO-Chef Mahmud Abbas treffen und von ihm die palästinensische Sicht im Konflikt zu hören bekommen. Gauck erklärte in Jerusalem, dass Israelis und Palästinenser gegenseitig ihre Rechte anerkennen müssen, denn nur so sei eine Versöhnung möglich. In den Gesprächen wurde die Zweistaatenlösung besprochen, wie auch die iranische Atomgefahr für Israel und die gesamte Region. Gauck wurde klar gemacht, dass, wenn die westlichen Verhandlungen mit dem Iran scheitern werden, Israel den Iran von einer Atombombe abhalten wird. Den Umbruch in den arabischen Staaten bezeichnete Gauck als historische Chance für mehr Demokratie, dies wurde ihm aber in den Gesprächen noch aus anderer Sichtweise dargestellt. Dazu erklärte Gauck, er verstehe Israels Bedenken und Angst bezüglich der großen Ungewissheit, die in den arabischen Ländern herrsche.
Gauck legte in der Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem einen Kranz nieder und wird mit den Familienangehörigen der ermordeten israelischen Sportler der Münchner Olympiade 1972 zusammentreffen. „Die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren, ist für uns Deutsche eine wichtige Aufgabe“, erklärte Gauck, dessen Besuch in Israel im Schatten der jüngsten Stern-Umfrage noch wichtiger ist. So sehr die deutsche Regierung von den engen Beziehungen zum Judenstaat Israel schwärmt, so denken die Deutschen schlechter über Israel. 59 Prozent der deutschen Bevölkerung sind der Meinung, Israel sei aggressiv und 70 Prozent meinen, dass Israel nur sein Interesse auf dem Rücken anderer Völker nach vorne drängt.