Insgesamt wurden am gestrigen Nakba-Tag, an dem die Palästinenser die Gründung des Staates Israel betrauern, ein israelischer Soldat, drei Grenzpolizisten und 270 Palästinenser während der Zusammenstöße leicht verletzt. Es kam an verschiedenen Orten zu gewalttätigen Ausschreitungen, vor allem in der Nähe von Ramallah und in Beitunja, wo sich das Gefängnis befindet, in dem der Hungerstreik der palästinensischen Strafgefangen stattfand.
In Ramallah kam es zu einer gewaltlosen Demonstration, an der hunderte Teilnehmer ihre Trauer über die Gründung des jüdischen Staates ausdrückten. Manche hielten Schilder mit den Namen ihrer Dörfer in die Luft, andere trugen schwarze Fahnen und eine Gruppe Kinder in schwarzen T-Shirts maschierte mit Schildern, auf denen lediglich „1948“ geschrieben stand, über den zentralen Platz in Ramallah. Repräsentaten der palästinensischen Autonomiebehörde hielten Reden, in denen sie immer wieder das Recht auf Rückkehr, und zwar nach „ganz Palästina“, betonten.
Im Gegensatz dazu kam es außerhalb Ramallahs zu leichten Gefechten als Demonstranten Steine und Molotow-Cocktails auf israelische Ordnungshüter warfen. Eine Bombe musste entschärft werden. Israelische Soldaten antworteten auf die Angriffe der Palästinenser mit Tränengas und Plastikgeschossen. Das half jedoch nur vorübergehend, denn sobald der Rauch sich aufgelöst hatte, kamen die Demonstranten wieder, um weiter mit Steinschleudern auf die Soldaten zu schießen.
Weiterhin kam es zu Zusammenstößen im palästinensischen Dorf Niilin, am Grab Rachels in Hebron, in Nablus, in Ostjerusalem, wo selbst fünfjährige Kinder Steine auf Sicherheitskräfte warfen, und am Damaskustor der Jerusalemer Altstadt.
In anderen arabischen Staaten kam es zu keinen großen Demonstrationen, anders als in den letzten Jahren. Die palästinensischen Organisatoren des Nakba-Tages waren über diesen Mangel an internationalen Protesten enttäuscht, zeigten aber Verständnis, da viele arabische Länder mit ihren eigenen Umbrüchen beschäftigt seien.