Schabbat-Lesung und Kommentar

Freitag, 9. September 2011 |  Michael Schneider  

„Ki Teze – Wenn du (in den Krieg) ziehst“ 5. Mose 21,10 – 25,19; Jesaja 54,1 – 10
Kommentar: Unsere Parascha (Wochenabschnitt) spricht von über 70 Rechtsordnungen des Verhaltens – besonders gegenüber dem Nächsten, wie aber auch zwischen Mann und Frau. Man könnte über jedes juristische Thema, das erstaunend kurz aber alles beinhaltend formuliert ist, Bücher schreiben. Man könnte die Gesetzgebungen mit Verkehrsschildern auf den Straßen vergleichen: Sie sind lebenswichtig und sorgen für Ordnung, die uns heil zum gewünschten Ort bringen soll. So auch die Gebote Gottes. Auch für den, der im neuen Bund lebt, sind sie wichtig! Jesus selbst hat sie im wahrsten Sinne eingehalten (das hebräische Wort kijem für ‘erfüllen’ bedeutet auch ‘einhalten’! Matth. 5,17).
Wir lesen von dem störrischen und widerspenstigen Sohn bzw. Kind und Gottes strenger Strafe (18-21), worauf der weise König Salomo in „Sprüche“ viele Ratschläge gibt. Die Propheten jedoch sahen eine gegen die Eltern sehr respektlose Ära in der Endzeit voraus, wie in Jesaja 30,1 und Jeremia 5,23 zu lesen.
Dann begegnen wir zum ersten Mal der Hinrichtung durch Kreuzigung und finden einen ersten Hinweis auf die Kreuzigung Jesu – noch am selben Tag soll diese am Baum hängende Leiche herunter genommen und beerdigt werden (22-23). Denn ‘der Fluch Gottes hängt’ (daran) und ‘das Land sollst du nicht unrein machen’ (vgl. Galater 3 Vers 13).
Kapitel 22 setzt die Gesetzgebung fort. Dort lesen wir u.a., dass der Mann keine weiblichen Kleider anziehen soll – es ist ein Greuel vor Gott. Wie weit hat sich hier die Welt schon von diesem Gebot entfernt?
Ebenso lesen wir von Gottes väterlicher Sorge um den Schutz des Menschen, bis hin ins Kleinste: Das Errichten von Geländern/Brüstungen/Balustraden ringsherum auf dem Dach wurde zum Gebot (zum Großteil werden bis heute die Häuser in Israel und im Nahost derart gebaut, es gibt nur wenige schräge Ziegeldächer)! (Auch) Fälle von Ehebruch, Vergewaltigung u.v.m. werden angesprochen. Wir wissen, dass viele dieser biblischen Ge- und Verbote später zur Grundlage des bürgerlichen Gesetzes wurden, die bis heute in Gerichtshöfen – international – angewandt werden und fundamental sind.
Kapitel 23 spricht u.a. von harten Urteilen über die Moabiter und Ammoniter – über Generationen hinweg –, und das ‘nur’, weil sie damals beim Auszug den hungrigen und erschöpften Kindern Israels nicht ‘mit Brot und Wasser entgegenkamen’. (23,5). Das sollte uns eine Lehre sein!
Das Gebot in Vers 25 ist bis heute in Israel gültig: Beim Vorbeigehen an einer Plantage ist es erlaubt, bis zur Sättigung Frucht oder Gemüse zu pflücken – doch Tüten und Kartons zu füllen ist verboten. In Kapitel 24 ist die Rede von den schwächeren Schichten der Gesellschaft: den Angestellten, den Armen, den Fremden, den Waisen und den Witwen. Sie sollen bei der Arbeit gleichberechtigt und fair behandelt werden, d.h. pünktlich bezahlt und auch bei Gericht gerecht und unvoreingenommen.
„Nicht sollen Väter um der Söhne willen getötet werden und Söhne sollen nicht um der Väter willen getötet werden; sie sollen jeder für seine [eigene] Sünde getötet werden“ lesen wir in Vers 16, was später vom Propheten Hesekiel bestätigt und ausführlich beschrieben wird (Kap. 18). Für manche Kinder von Tätern ist das vielleicht auch eine Antwort auf quälende Schuldgefühle – wie für Nazi-Nachkommen in der Nachkriegszeit.
In Kapitel 25 folgt eine zweite Abrechnung mit dem Erzfeind Israels, dem Amalekiter, der das gerade befreite Volk als erster bekämpfte. Man ‘soll die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel auslöschen. Vergiss es nicht! Das ist Gottes Befehl gewesen, der bis heute immer noch nicht ganz erfüllt ist! König Saul hatte die Chance dazu, verschonte aber das Leben des Königs Agag und der besten Schafe (1. Samuel 15,8-9). D. h. dieses Gebot ist noch nicht erfüllt. Die ganze jüdische Geschichte hindurch tauchte der Erzfeind Amalek immer wieder auf. So auch Haman, ein Nachkomme Agags, ein Amalekiter in der Esther-Geschichte, der beinahe das ganze jüdische Volk vernichtet hätte. Man sollte die Gebote Gottes wirklich ernst nehmen!
In allem finden wir unseren Trost in den Versen unseres Prophetenabschnittes in Jesaja 54:
„Einen kleinen Augenblick habe ich dich (Israel) verlassen, aber mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. Im aufwallenden Zorn habe ich einen Augenblick mein Angesicht vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade werde ich mich über dich erbarmen, spricht der HERR, dein Erlöser.“ Wenn diese knapp 2000 Jahre in den Augen Gottes ein „Augenblick“ sind, wie lang ist dann das ewige Leben mit Gott?
„Denn die Berge mögen weichen und die Hügel wanken, aber meine Gnade wird nicht von dir (Israel) weichen und mein Friedensbund nicht wanken, spricht der HERR, dein Erbarmer.“
Halleluja!
Michael Schneider

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