Was wäre wenn!

Donnerstag, 2. Mai 2019 |  David Lazarus

„Was wäre, wenn ein Mädchen während des Holocausts Instagram gehabt hätte?“ Diese Frage stellt ein Trailer für „Eva Stories“, ein Projekt, das für den heutigen in Israel begangenen Holocaust-Gedenktag ins Leben gerufen worden ist.

„Eva Stories” ist ein dramatisches Portrait einer 13-jährigen Teenagerin namens Eva Heyman, die im Holocaust ums Leben kam. Das jüdische Mädchen hatte seine Erlebnisse in einem Tagebuch eingetragen, bis zu dem Tag, als es in ein Konzentrationslager verschleppt wurde, wo es später ermordet worden ist. Evas Geschichte wird so erzählt, als habe sie damals 1944 während des 2. Weltkrieges ein Smartphone zur Verfügung gehabt und als poste sie Tag für Tag ihre Erlebnisse. Dieser Instagram Account ist unter @eva.stories einsehbar. Mit der innovativen Medienstory hofft man, die Aufmerksamkeit der handysüchtigen Jugend zu ergattern.

Eva.stories Instagram ist seit Beginn des Holocaust-Gedenktages am Mittwoch Abend online. Im Zuge der massiven Werbeaktion, die im Vorfeld das Projekt bekannt machen sollte, kam es auch zu Kritik, ob soziale Medien wie Instagram für eine ernste Betrachtung des Holocaustes in Frage komme. Die Macher sagen, dies sei der beste und wahrscheinlich einzigste Weg, die Aufmerksamkeit der Jugend auf die Geschichte des Holocaustes zu lenken und sie darin zu unterrichten. Der Account hatte in den ersten 24 Stunden bereits mehr als 700.000 Followers.

Während des Gedenktages werden immer wieder mal kleine Episoden hochgeladen, bei der Eva, gespielt von einer Schauspielerin, ihren Instagram-Nachfolgern zeigt, wie es war, als sie und ihre Familie aus ihrer Heimatstadt in Ungarn vertrieben wurden. Im Jahr 1944, dem Jahr, als Eva ihr Tagebuch schrieb, wurden mehr als 400.000 ungarische Juden nach Auschwitz deportiert. Wir folgen Eva, wie sie versucht, sich an den gelben jüdischen Stern zu gewöhnen, den sie nun tragen muss, und wie sie mit Entsetzen zusehen muss, wie Nazischergen ihre Mutter necken. Durch die Linse an Evas Handy sehen wir, wie sie und ihre Familie aus ihrem schönen Leben herausgerissen wird, in einen dreckigen Lastwagen getrieben und in ein überfülltes, verseuchtes Ghetto geworfen wird. Durch Evas Selfiekamera bekommt der Zuschauer den Eindruck, als sei er mit ihr vor Ort dabei, als sie sich darauf vorbereitet, in einen Zug zu steigen, der sie nach Auschwitz bringt, dem Nazi-Todeslager, aus dem sie nie wieder zurückkehren wird.

An die 400 Leute waren an der Produktion von „Evas Stories“ beteiligt. Mati Kochavi, ein technischer Experte in Israel, der den Film zusammen mit seiner Tochter produzierte, hat eigens eine Kamera entwickelt, die das Mädchen, das Eva spielt, wie ein Handy halten konnte. Panzer und schwere Fahrzeuge wurden ausgeliehen, ein großflächiges Set in der Ukraine aufgestellt, wo die Produktion gefilmt wurde, die weniger als fünf Mio. Dollar gekostet habe. Die Kochavis sagen, sie haben „Eva Stories“ produziert, um die Generation der Millenials mit der Geschichte des Holocausts zu verbinden, und die Aufmerksamkeit auf die Überlebenden zu lenken, die schon bald nicht länger unter uns sein werden.

Trotz aller Kritik – die Welt des Smartphones mit seinen Selfies und Stickers und Emojis sei als Plattform völlig ungeeignet, um den Horror des Holocaustes zu reflektieren – haben Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Frau das Projekt schon Tage vor dem Start unterstützt und bekannt gemacht. Die Jerusalemer Holocaustgedenkstätte Yad Vashem schrieb in einem Statement, man habe das Projekt noch nicht sehen können, glaube aber, dass „der Gebrauch von sozialen Medien legitim und effektiv ist, um an den Holocaust zu gedenken.“

Eva Heyman (Jad Vashem)

Eva wurde am 17. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Sie ist eines der 1,5 Millionen Kinder, die im Holocaust ums Leben gekommen sind. Ihre Mutter Agnes Zsolt hat überlebt und bei ihrer Rückkehr in das ungarische Zuhause das Tagebuch gefunden. Sie beging später Selbstmord.

Am Donnerstag Morgen, als die Sirenen in ganz Israel erklangen, stand das gesamte Land still und gedachte an die Oper. Evas Instagram Story wird am Ende des Tages ebenfalls ein Ende finden.

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.

Aktuelle Ausgabe

FERIENWOHNUNG IM HERZEN VON JERUSALEM

Informationen unter:

E-Mail: info@israelheute.com

TEL.: 00972-2-6226880