Zerplatzte Träume - Missglückte Mondlandung und das Scheitern an der Prozenthürde

Freitag, 12. April 2019 |  Dov Eilon

Gestern war ein spannender Tag. Zum einen wurde das amtliche Endergebnis nach Zählen der letzten Wahlzettel erwartet, zum anderen sollte am Abend die israelische Raumsonde „Bereshit“ eine historische Landung auf dem Mond unternehmen. Es war ein aufregender Tag.

Bild: Stimmenzählung in der Knesset (Foto: Noam Revkin Fenton/Flash90)

Er begann mit der Meldung, dass es Ayelet Shaked und Naftali Bennet mit ihrer Neuen Rechten nun wahrscheinlich doch gelingen werde, in die Knesset zu ziehen. Denn in der Nacht zuvor wurden die Stimmzettel in den sogenannten doppelten Umschlägen gezählt, in denen sich die Stimmen der Soldaten, der Patienten in Krankenhäusern und der Israelis, die im diplomatischen Dienst im Ausland tätig sind, befinden. Diese Stimmen werden immer als letzte gezählt.

Und es sah zu Beginn ganz so aus, als würde Bennet Dank der Soldaten nun doch vier Mandate bekommen. Es wurde berichtet, dass seine Partei mit 3,26 % der Stimmen so gerade mal die Prozenthürde überschritten habe, die bei 3,25 % liegt.

Doch dann kam die Meldung von einer technischen Panne im Verlauf der Zählung und Eingabe der Daten in den Computer. Vertreter der kleinen Parteien, für die jede Stimme kritisch sein kann, beeilten sich, in die Knesset zu kommen, wo die Stimmen gezählt wurden. Man wollte sicher gehen, dass alles korrekt abläuft. Es wurden Stimmen für eine wiederholte Zählung der Stimmen laut, zu der es allerdings nicht kam.

In der Knesset wurden eifrig Stimmzettel gezählt (Foto: Noam Revkin Fenton/Flash90)

Im Fernsehen fragte sich dann einer der Moderatoren wie es sein könne, dass Israel auf dem Mond landen kann, aber nicht in der Lage zu sein scheint, Wahlzettel zu zählen. Was die erfolgreiche Mondlandung betrifft, dazu kommen wir später.

Wegen der besagten Panne wurde das Wahlergebnis nicht mehr aktualisiert. Dies wurde nun erst gegen Mitternacht erwartet, sagte der für die Zählung verantwortlich Richter des Obersten Gerichtes Hanan Meltzer.

Und dann kam der Moment der historischen Landung der israelischen Raumsonde Bereshit auf dem Mond langsam näher. Die Meldungen über den historischen Moment, der Israel zu einem von vier Nationen machen sollte, die auf dem Mond gelandet sind, vermischten sich mit Berichten aus der Knesset und der Zählung der letzten Stimmen. Es fehlten noch 30 Wahlurnen. Es sei nicht sicher, ob Bennet und Shaked es schaffen würden.

Sicher war jedoch, dass sich die Sitzverteilung etwas verändern würde. Ayelet Shaked war besorgt, auch Tamar Sandberg von Meretz war in der Knesset, wo gezählt wurde. Würde ihre Partei ein weiteres Mandat bekommen? Dann kamen die ersten Gerüchte, dass der "Neuen Rechte" 1400 Stimmen fehlten und sie es daher wohl doch nicht in die Knesset schaffen würde.

Ayelet Shaked wartet gespannt auf des Ergebnis der letzten Stimmenzählungen. Platzt der Traum, weiter im Justizministerium zu sitzen? (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

Auch wenn Bennet es Netanjahu nicht immer leicht gemacht hätte, würde Netanjahu die Neuer Rechte gerne in der Knesset haben als weiteren Koalitionspartner, denn dann wäre man bei den Koalitionsverhandlungen weniger abhängig von Avigdor Lieberman.

Mittlerweile war Netanjahu schon auf dem Weg nach Jehud, in das Kontrollzentrum der Raumsonde Bereshit. Ein grosses Ereignis stand bevor. Als 4. Land überhaupt sollte Israel mit der Landung auf dem Mond Geschichte schreiben. Staatspräsident Rivlin hatte Gäste, darunter viele Kinder, in seinen Amtssitz geladen, um mit ihnen gemeinsam die Mondlandung zu verfolgen.

Präsident Rivlin mit Gästen, wird die Mondlandung klappen? (Foto: Hadas Parush/Flash)

Auch im Ausland wurde von der bevorstehenden Landung auf dem Mond berichtet. Davor natürlich auch von der Wiederwahl Netanjahus, was für viele mindestens genauso sensationell war wie die Landung auf dem Mond. Ein indischer Fernsehsender fragte sich jedoch, wie es sein könne, dass Israel als „Start Up Nation“ Wahlen zum Parlament noch immer mit Zetteln durchführe.

Noch bevor die Neue Rechte an der Prozenthürde scheiterte, stürzte “Bereshit” unkontrolliert auf die Mondoberfläche. Das wird jedenfalls angenommen, als der Kontakt zu der Raumsonde, die sich nur noch etwas 100 Meter über der Mondoberfläche befand, abbrach und zuor einer der Motoren ausgefallen war. Eine glatte Landung war da ncht mehr möglich.

So zerplatzen ziemlich zur gleichen Zeit gleich zwei Träume. Der Traum, als viertes Land der Welt erfolgreich auf dem Mond zu landen, und der Traum von Naftali Bennet und Ayelet Shaket, mit ihrer neuen Partei in die Knesset zu ziehen. Am Ende fehlten um die 1400 Stimmen.

Doch während man im Kontrollzentrum in Jehud trotz der missglückten Landung weiter guter Laune war, immerhin hat man den Mond erreicht, müssen sich Bennet und Shaked nach ihrer Bruchlandung erst einmal um einen neuen Job kümmern.

Wer sich freuen kann, ist der Likud von Benjamin Netanjahu, der jetzt auch nach Mandaten die größte Fraktion der Knesset stellt. Hier das amtliche Endergebnis der Wahlen 2019:

Likud 36
Blau und Weiß 35
Schas 8
Vereinigtes Thora-Judentum 7
Arbeitspartei 6
Hadash -Ta'al 6
Jisra’el Beitenu 5
Union der rechten Parteien 5
Kulanu 4
Meretz 4
Ra’am-Balad 4

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