Netanjahu morgen bei Putin - Analyse

Mittwoch, 3. April 2019 |  David Lazarus

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu wird sich morgen mit Wladimir Putin in Moskau zu Gesprächen über regionale Konflikte treffen. Die beiden Staatsmänner haben in den letzten Tagen miteinander telefoniert, um die Bedenken Israels bezüglich der wachsenden Rolle Russlands bei der militärischen Aufrüstung des Iran in Syrien und im Libanon und der Bewaffnung der Hisbollah zu diskutieren. Während sich einige beklagt haben, dass der Besuch wegen der Wahlen in der nächsten Woche rein politischer Natur sei, ist der Zeitpunkt des Besuchs von Netanjahu von strategischer und entscheidender Bedeutung.

Vor dem wichtigen Treffen am morgigen Donnerstag sagte Netanjahu der Zeitung „Israel Hayom“: „Es ist mir gelungen, die Bewegungsfreiheit bezüglich der russischen Armee (in Syrien) zu gewährleisten, und das war kein geringer Aufwand. Wenn sich der Iran in Syrien verschanzt, ist die Bedrohung nicht mit dem anderen Teil des radikalen Islams, dem Gazastreifen, nicht zu vergleichen.“

Moskau spielt weiterhin russisches Roulette mit dem Nahost-Terror. Bei dem Versuch, mit beiden Seiten nett zu sein, arbeitet Russland eng mit Israels tödlichem Feind Iran zusammen. Russland verfügt bereits über zahlreiche Streitkräfte in Syrien, unter anderem hat es seit 50 Jahren die Verpflichtung, große Stützpunkte für Marine und Luftwaffe in Tartus und Latakia an der Mittelmeerküste zu betreiben. Die jüngsten Berichte des israelischen Geheimdienstes haben Besorgnis darüber geäußert, dass Russland den Marinestützpunkt Latakia dem Iran übergeben könnte, was eine weitere strategische Bedrohung durch das schiitischen Regime im Mittelmeer bedeuten würde.

Bisher hat Putin die meisten israelischen Militärschläge gegen iranische Stellvertreter und Militanten einschließlich der Hisbollah in Syrien und im Libanon ignoriert. In den letzten Jahren hat Israel hunderte Luftangriffe auf syrische Ziele durchgeführt, um die Iraner davon abzuhalten, sich in Syrien festzusetzen. Die israelische Armee war wachsam, um die Lieferung fortgeschrittener Waffensysteme an die vom Iran unterstützte Terrororganisation Hisbollah zu verhindern, die an der Nordgrenze Israels sitzt.

Um Israel zu garantieren, sich vor Angriffen verteidigen zu können, traf Netanjahu am 27. Februar mit Putin zusammen. „Die größte Bedrohung für Stabilität und Sicherheit in der Region kommt vom Iran und seinen Stellvertretern. Wir sind entschlossen, unsere aggressiven Maßnahmen gegen die Anstrengungen des Iran, die unsere Zerstörung fordern, und gegen seine Versuche, sich militärisch in Syrien zu verschanzen, fortzusetzen“, sagte der Premierminister dem russischen Präsidenten.

Aber nach Jahren der stillschweigenden Billigung der israelischen Verteidigungsangriffe auf iranische Anlagen in und um das von Russland kontrollierte Syrien wird Russland wahrscheinlich bei zu viel israelischen Eingriffen in der Region seine Muskeln zeigen. Die Zahl der Opfer in Syrien ist erstaunlich. Nach Angaben des syrischen Observatoriums für Menschenrechte wurden Ende 2018 mehr als 500.000 Syrer von der syrischen Regierung und ihren Verbündeten getötet. Statistiken zu Verletzungen werden nicht mehr aufgenommen. Nach Angaben des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge waren im November 2018 mehr als 5,6 Millionen Syrer aus dem Land geflohen, und mehr als sechs Millionen wurden innerhalb des Landes vertrieben - etwa die Hälfte der Bevölkerung.

In Syrien wird nun darum gekämpft, wer die Trümmer der ehemaligen Nation kontrollieren wird. An der Nordgrenze Israels hat sich schnell zwischen Russland, der Türkei, dem Iran und der Hisbollah eine neue Achse des Bösen gebildet. Und wie die Schrift uns sagt: „Wo immer ein Kadaver ist, werden sich die Geier sammeln.“ Die Entscheidung der USA, Israels Souveränität über die strategischen Golanhöhen anzuerkennen, die als Puffer zwischen Syrien und dem Iran dienen, könnte nicht zu einem besseren Zeitpunkt gekommen sein.

In Moskau muss Netanjahu dem russischen Präsidenten klar machen, dass Israel den Iran daran hindern muss, sich in Syrien zu verankern. In seinem Gespräch mit der Zeitung „Israel Hayom“ sagte Netanjahu, dass dies das Hauptthema sein wird, das er mit Präsident Putin diskutieren wird.

Bild: Netanjahu und Putin beim letzten Treffen im Februar dieses Jahres (Foto: Haim Zach/GPO)

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