Juden klagen: Die Rabbiner klingen wie Christen!

Dienstag, 5. Februar 2019 |  David Lazarus

Rabbiner sprechen sich im Allgemeinen nicht gegen die Abtreibung aus, zumindest nicht wie Christen. Aber New Yorks schreckliches neues Gesetz, das die Abtreibung bis zum Zeitpunkt der Geburt erlaubt, hat mindestens zwei der größten rabbinischen Räte in den USA dazu bewegt, sich öffentlich zu dem umstrittenen Thema zu äußern.

"Das jüdische Gesetz widerspricht der Abtreibung, außer bei Gefahr für die Mutter", heißt es in der Erklärung des “Rabbinical Council of America (RCA”). "Es gibt keinen Grund, die Abtreibung eines gesunden Fötus zuzulassen, wenn das Leben der Mutter nicht gefährdet ist."

Die jüdischen Gemeindemitglieder waren überrascht über die öffentliche Verurteilung der Abtreibung. Viele der populärsten Kommentare zu dem Urteil, die auf der RCA-Internetseite veröffentlicht wurden, beklagten, dass die Rabbiner jetzt wie die Christen klangen:

"Das liest sich eher nach evangelikalem Christentum als nach orthodoxem Judentum."

"Warum ahmt die RCA die katholische Kirche nach, anstatt der Halacha zu folgen?"

"RCA , Sie sollten ihr Wissen der Halacha auffrischen, bevor Sie sich an evangelisch-christliche Ideale halten."

Rabbi Daniel Korobkin, Vizepräsident der RCA, ging sogar so weit, die Abtreibung als Mord zu bezeichnen: "Die Aufhebung jeglicher Beschränkungen für den Zugang zur Abtreibung und die Neudefinition des Wortes "Mord" , das die Abtreibung ausschließt, deuten auf einen weitere Verfall der moralischen Werte unserer Gesellschaft, in der das Töten von Babys in keiner Weise mehr als unmoralisch angesehen wird.“

Die Tatsache, dass das Gesetz in New York, einem von orthodoxen Juden stark bevölkerten Staat, verabschiedet wurde, brachte die rabbinischen Konzile dazu, eine klare Entscheidung zu treffen. Es scheint auch, als würde sich die orthodoxe jüdische Welt politisch nach rechts bewegen, ähnlich wie konservative Christen.

Das traditionelle Judentum war bei der Abtreibung tendenziell liberaler als das evangelische oder das katholische Christentum. Orthodoxe jüdische Gruppen befürworten kein vollständiges Verbot von Abtreibung, was in der Regel mehr Rücksicht auf die Mutter erlaubt. Das Reformjudentum priorisiert das Leben der werdenden Mutter dem Leben des ungeborenen Kindes, obwohl die Abtreibung nicht als eine Form der Geburtenkontrolle empfohlen wird. Die Reformbewegung hat sich wiederholt gegen gesetzliche Beschränkungen in Bezug auf Abtreibungen ausgesprochen.

Abtreibungen in Israel sind häufig, etwa 100 bei 1.000 Geburten, aber immer noch nur halb so hoch wie in Europa. 2018 trieben die New Yorker 350 Babys pro 1.000 Geburten ab, heißt es im Jahresbericht des “Guttmacher Institute”.

In Israel haben orthodoxe jüdische politische Parteien einen enormen Einfluss auf die Entscheidung, was für eine Koalition eine Regierung bilden kann, aber sie haben noch keine Einschränkungen für die Abtreibung als Teil ihrer Verhandlungstaktik gemacht. Im Gegensatz zu den evangelischen Kirchen in den USA haben die rabbinische Räte sich hier in der politischen Arena nicht wirklich gegen die Abtreibung ausgesprochen. Orthodoxe jüdische Gruppen in Israel neigen dazu, durch massive Werbung für das Leben an die Öffentlichkeit zu appellieren und bieten Dienstleistungen an, die schwangeren Müttern helfen, ihre Kinder zu behalten.

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