Netanjahu fordert Konfrontation mit Kronzeugen

Dienstag, 8. Januar 2019 |  NAI Redaktion

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu trat am Montagabend live vor die Fernsehkameras und forderte, ihm eine Konfrontation mit den Kronzeugen zu ermöglichen, die bezüglich mehrerer Korruptionsaffären gegen ihn ausgesagt hatten.

Einige Stunden zuvor hatte Netanjahu über seinem Twitterkonto für 20 Uhr eine "dramatische Erklärung" angekündigt. Dafür unterbrach fast jeder Fernsehsender sein normales Programm , um Platz für die wichtige Botschaft des Ministerpräsidenten zu machen. Danach geb es kritische Stimmen, die Netanjahu kritisierten, sein Auftritt sei eine „Wahlsendung“ gewesen.

Die Nachricht auf dem Twitterkonto von Netanjahu: „Um 20 Uhr verkünde ich eine besondere Mitteilung. Ihr seid eingeladen, auf meiner Facebookseite mit dabei zu sein.“

Bei seinem Fernsehauftritt bestand Netanjahu darauf, dass die Ermittlungen willkürlich durchgeführt worden seien, getrieben von dem Plan seiner Gegner, ihn als Ministerpräsidenten endgültig abzusetzen. "Ich wollte ihnen in die Augen sehen und ihnen die Wahrheit zeigen", sagte Netanjahu in Bezug auf mehrere Berater, die Kronzeugen des Staates wurden. "Ich habe es einmal gefordert und wurde abgelehnt. Ich habe es ein zweites Mal gefordert und wurde abgelehnt. Warum wurde mir diese Konfrontation verweigert, die notwendig ist, um die Wahrheit aufzudecken? Wovor haben sie Angst? Was haben sie zu verheimlichen?"

Es ist nicht unbedingt so, dass Netanjahu nicht recht hatte in diesem Punkt. Doch was viele Israelis ärgerte, war die Dramatisierung des Ereignisses, die dazu führte, dass alle der Meinung waren, dass etwas wirklich Wichtiges angekündigt werden würde, und nicht nur eine weitere Erklärung bezüglich einer Untersuchung, die den meisten Menschen hier kaum bewusst ist, geschweige denn sie interessiert.

Der Missmut über Netanjahus Schauspielkunst kam schnell, auch von der rechten Seite des politischen Spektrums.

„Vor Gericht kann sich Netanjahu mit den Kronzeugen während des Kreuzverhörs soviel beschäftigen, wie er will,", schrieb der konservative Experte Avishai Grinzaig und schlug vor, dass eine "dramatische" Pressekonferenz zur Primetime nicht das geeignete Podium für solche Bemerkungen sei.

Barak Ravid, ein Reporter der Nachrichten von Kanal 10 , der wie alle anderen Sender sein normales Programm unterbrochen hatte, um den Ministerpräsidenten zu zeigen, schimpfte: "Dies war keine dramatische Ankündigung - es war eine ‘Chuzpa’ (hebr. für Frechheit) im Live-Fernsehen."

„Netanjahu benimmt sich wie in einer Reality-Show", sagte Guy Peleg, Reporter für Hadashot News (früher „Channel 2 News“).

Natürlich war die Show von Netanjahu wie ein Fest für seine politischen Gegner.

"In einem normalen Land verhält sich ein Ministerpräsident nicht so", sagte Avi Gabai, Vorsitzender der Arbeitspartei, in einem Radio-Interview.

Shelly Jachimovich, die neue Oppositionsführerin, war eher schrill und beschuldigte Netanjahu, "einen krassen und groben Eingriff ... in seinem Rechtsstreit durchzuführen, während er aus dem Nichts ein falsches Drama kreierte und die Bildschirmzeit wie ein Diktator übernahm."

Sogar das Justizministerium, das von den eigenen Koalitionspartnern von Netanjahu kontrolliert wird, äußerte sich zu seinen im Fernsehen übertragenen Bemerkungen.

„Jeder im Rahmen der Ermittlungen im Zusammenhang mit dem Ministerpräsidenten durchgeführter Schritt wurde professionell und gründlich mit Unterstützung des Bezirksstaatsanwalts von Tel Aviv und unter der Aufsicht des Staatsanwalts und des Generalstaatsanwalts durchgeführt, alles nach professionellen Erwägungen“, heißt es in einer Erklärung aus dem Ministerium.

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