ANALYSE: Neue Situation in Syrien ist schlecht für Israel

Donnerstag, 27. Dezember 2018 |  Yochanan Visser

Eine Woche, nachdem US-Präsident Donald Trump mit der Ankündigung, alle amerikanischen Truppen aus Syrien abzuziehen, eine Bombe platzen ließ, wird langsam klar, dass er durch diese Entscheidung Israel in Gefahr gebracht hat.

Anfang dieser Woche berichteten Medien, die russische Armee habe begonnen, in der Nähe von Al-Tanf, der einzigen amerikanischen Basis in Ostsyrien, einen Stützpunkt zu errichten.

US-Sondereinheiten sind in Al-Tanf, um zu verhindern, dass der Iran seine Landbrücke von der irakischen Grenze in die Provinz Ninive im Nordosten des Irak aus vollendet, und um lokale arabische Milizen für ihren zu erwarteten Kampf gegen vom Iran unterstützte schiitische Milizen sowohl in Syrien als auch im Irak auszubilden.

Russland hat es Israel schwer gemacht, gegen die iranische Achse in Syrien vorzugehen, indem russische Truppen auf Stützpunkten stationiert wurden, die von der Quds Brigade des iranischen Revolutionsgarden-Korps (IRGC) kontrolliert wurden, und indem sie der Hisbollah erlaubte, russische Fahnen auf ihren Stützpunkten im umkämpften Land zu hissen.

Die israelische Luftwaffe grief jedoch am Dienstagabend erneut Ziele in Syrien an, indem sie den libanesischen Luftraum benutzte, um Waffendepots der Hisbollah in der Nähe von Damaskus zu bombardieren, während Newsweek behauptete, dass eine hochrangige Hisbollah-Delegation Ziel der Angriffe gewesen sei.

Die iranische Nachrichtenagentur Mehr News veröffentlichte später ein Video, das zeigte, dass Israels Aktionen in Syrien tatsächlich schwieriger geworden sind, seit die Pro-Assad-Koalition Anfang Dezember die Spielregeln geändert hatte.

Das Video zeigte, wie syrische Flugabwehrraketen auf die ankommenden israelischen Geschosse abzielten, während das Video auch einen direkten Treffer und eine gewaltige Explosion auf dem Boden aufnahm.

Die neuen Waffen, die für die Hisbollah bestimmt waren, wurden von zwei iranischen Zivilflugzeugen geliefert, die zu Mahan gehören, einer von Offizieren der IRGC und der iranischen Fluggesellschaft Fars Air Qeshm kontrollierten Firma.

Die israelischen Streitkräfte (IDF) kündigten später an, dass sie gezwungen gewesen seien, ihre Luftabwehr zu aktivieren, um eine ankommende syrische Rakete abzuschießen, während das israelische Militär später beschloss, den Luftraum über den Golanhöhen zu schließen.

Das russische Verteidigungsministerium kritisierte am Mittwoch, Israel habe die beiden iranischen Flugzeuge "direkt gefährdet", und behauptete, die syrische Luftabwehr habe 14 bis 16 israelische Raketen zerstört, die von sechs israelischen F-16-Kampfflugzeugen abgefeuert worden seien.

Die Beziehungen zwischen Israel und Russland sind angespannt, nachdem die Russen die israelische Luftwaffe für den Abschuss eines russischen Aufklärungsflugzeugs IL-20 verantwortlich gemacht hatten, das Ende September vom syrischen Militär abgeschossen wurde.

Ein weiteres Problem bei Trumps Entscheidung ist, dass er den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu einer weiteren Invasion in Syrien effektiv ermutigt und dadurch die anti-israelische Achse im Nahen Osten gestärkt hat.

Erdogan sagt, dass die Türkei die Rolle der USA im Kampf gegen ISIS übernehmen wird, von dem Trump zu Unrecht gesagt hatte, er sei "besiegt" worden.

In der Realität wird der türkische Führer jedoch die Gelegenheit nutzen, um zwei alte Ziele zu erreichen.

Zunächst wird er versuchen, die kurdische Autonomie in Syrien zu zerstören, wo die Kurden Rojava gegründet haben, die beiden autonomen Kantone entlang der 500 Kilometer langen Grenze mit der Türkei.

Das zweite Ziel von Erdogan besteht darin, die sunnitischen Islamisten in Syrien zu ermutigen, die kurz vor einer Niederlage standen und in der Provinz Idlib im Norden Syriens in die Enge getrieben wurden.

Der türkische Präsident hat die Türkei zu einer Bastion der Muslimbruderschaft gemacht und träumt von der Auferstehung des Osmanischen Reiches, die bis Anfang des letzten Jahrhunderts das Gebiet des heutigen Israels umfasste.

Aus diesem Grund mischt sich Erdogan auch in die inneren israelischen Angelegenheiten ein und es gelingt ihm zunehmend, israelische und palästinensische Araber zu beeinflussen.

Im Osten Jerusalems finanziert Erdogan zum Beispiel Projekte, die darauf abzielen, die arabische Bevölkerung zu radikalisieren und die arabischen Viertel in islamistische Brutstätten zu verwandeln, von denen aus die jüdischen Viertel angegriffen werden.

Obwohl Israel und die Türkei die diplomatischen Beziehungen nach der verpatzten IDF-Aktion gegen das türkische Schiff Mavi Marmara, das im Mai 2010 gewaltsam versucht hatte, die legale israelische Seeblockade der Hamas in Gaza zu durchbrechen, wiederhergestellt haben, benimmt sich Erdogan wie ein Erzfeind des jüdischen Staates.

Erst am vergangenen Wochenende bekräftigte der türkische Diktator seine Unterstützung für die palästinensischen Araber und behauptete, "Juden in Israel treten Männer, aber auch Frauen und Kinder, wenn sie auf dem Boden sind", während er eine erneute muslimische Eroberung Jerusalems versprach.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu schoss sofort zurück und postete eine Reaktion auf seinem Twitterkonto: „Erdogan - der Besatzer von Nordzypern, dessen Armee Frauen und Kinder in kurdischen Dörfern innerhalb und außerhalb der Türkei massakriert - sollte Israel keine Standreden halten. "

Bei einem Treffen mit christlichen IDF-Soldaten am Sonntag war Netanjahu sogar noch direkter, als er Erdogan einen "antisemitischen Diktator" nannte, der ihn jeden Tag trollt.

Er behauptete, der türkische Präsident sei "besessen von Israel". Er beschuldigte Erdogan, die Kurden im Nahen Osten massakriert zu haben, signalisierte aber auch eine Verbesserung im Benehmen des türkischen Diktators.

„Es hat eine Verbesserung gegeben. Erdogan hatte mich alle zwei Stunden angegriffen, jetzt sind es alle sechs Stunden", sagte Netanjahu zynisch.

Unter Erdogan ist die Türkei auch Mitglied der pro-iranischen Achse geworden, die zunehmend zu einer existenziellen Bedrohung für Israel wird.

Russland, der Iran und die Türkei haben in Syrien jeweils ihre eigene Agenda, aber die Tatsache, dass sie zu Verbündeten geworden sind und nun nicht mehr die Präsenz der US-Armee berücksichtigen müssen, ist eine schlechte Nachricht für den jüdischen Staat.

FOTO: Israelischer Soldat bewacht einen Grenzübergang nach Syrien auf den Golanhöhen. (Basel Awidat/Flash90)

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