Erinnerungen an den Abend vor 23 Jahren

Montag, 22. Oktober 2018 |  Dov Eilon

Gestern war der offizielle Gedenktag an den Mord an Itzhak Rabin. 23 Jahre ist es nun schon her. Überall im Land fanden Gedenkzeremonien statt. Auch jede Schule begeht diesen Tag und bezieht ihn in den Unterricht mit ein. Das heutige Titelbild oben zeigt den Rabin Platz in Tel Aviv gestern Abend, als dort eine Gedenkveranstaltung der Jugendbewegungen stattfand, wovon wir Ihnen ja auch berichtet hatten. Vor ein paar Jahren fand auf dem Platz immer eine sehr große Gedenk-Kundgebung statt mit zigtausenden Menschen. Jetzt wurden dort Gesprächskreise abgehalten, in denen man sich mit dem Geschehen auseinandersetzt, damit so etwas nie wieder passiert. Für mich ist es eigenartig, daran zu denken, dass es heute Menschen gibt, die damals zum Zeitpunkt des Mordes an Itzhak Rabin noch nicht gelebt hatten.

Ich erinnere mich noch ganz genau an diesen Abend des 4. November 1995. Wir waren gerade fünf Monate in unserer ersten eigenen Wohnung, sie war noch nicht vollständig eingerichtet. Unser Sohn stand kurz vor seinem ersten Geburtstag. Im Fernsehen sahen wir Ausschnitte der Kundgebung auf dem damaligen “Malchei Israel” - Platz, dem Platz der Könige Israels und der heutige Rabin - Platz. Wir hörten die Reden.

Es war eine schwierige Zeit. Die Osloer Verträge waren zwei Jahre zuvor unterzeichnet worden. Arafat und seine PLO kamen nach Judäa und Samaria, die Palästinensische Autonomiebehörde war geboren. In Rahmen der Abkommen wurden sämtliche inhaftierte Terroristen freigelassen. Die PLO versprach, keine Terroranschläge mehr auszuüben. Im April 1994 gab es in der Stadt Afula den ersten Selbstmordanschlag. Dies war der Anfang einer ganzen Reihe von Selbstmordanschlägen mit vielen Toten auf israelischer Seite. Im Januar 1995 wurden bei einem Doppelanschlag 22 Menschen getötet. Insgesamt kamen in der Zeit von September 1993 bis September 1995 164 Menschen durch Terroranschläge ums Leben.

”Fairerweise” muss gesagt werden, dass bereits im Februar 1994 der Israeli Baruch Goldstein in Hebron an der Stätte des Grab des Patriarchen einen Anschlag gegen Araber verübte, die gerade beim Morgengebet waren. 29 Menschen kamen ums Leben. Dieser “jüdische Terroranschlag” hatte uns sehr schockiert. Und es gab einige Politiker, die diesen Anschlag für die späteren arabischen Selbstmordanschläge verantwortlich gemacht hatten. Tatsache ist jedoch, dass die Osloer Verträge viele Terroristen wieder in das Land gebracht hatten.

Zurück zu uns, zum Abend des 4. November 1995. Die Stimmung war also sehr belastet. Vor der Friedenskundgebung mit Itzhak Rabin hatte es mehrere Demonstrationen gegen ihn und die Verteäge von Oslo gegeben. Man machte ihn für die verheerenden Terroranschläge verantwortlich. Dazu kam dann noch die Diskussion über die Zukunft der Golanhöhen. Die Stimmung war sehr angeheizt. Ich sass an dem Abend zusammen mit meiner Frau vor dem Fernseher. Nach den Nachrichten und der Live-Übertragung der Kundgebung in Tel Aviv gab es einen Kinofilm, “Crocodile Dundee”, kennen Sie den Film? Und dann, mitten im Film, gab es plötzlich ein Bild, auf dem stand, dass der Film nach kurzen Nachrichten fortgesetzt werden würde. Und das sah dann so aus:

Nachricht über Schüsse auf den Ministerpräsidenten am 4.11.1995

Der Rest ist Geschichte, das Ergebnis war tragisch. Wir waren völlig überrascht und schockiert. Es fehlten die Worte. Diese Atmosphäre verspürte ich auch, als ich am nächsten Tag zur Arbeit fuhr. Es war eine ungewöhnliche Stille. Man sah, dass die Menschen geschockt waren. Niemand hätte für möglich gehalten, dass so etwas passieren könnte. Einige meiner Kollegen am Fernsehen waren nicht zur Arbeit erschienen, so schwer haben sie das genommen.

Und nun sind schon 23 Jahre vergangen. Eine neue Generation ist geboren, die diesen Augenblick nicht selbst erlebt hat. Sie kennen dieses Ereignis nur durch die jährlichen Zeremonien und den traurigen Liedern, die dabei gesungen werden. Israels wohl berühmteste Liederschreiberin Neomi Shemer übersetzte nach dem Mord an Rabin ein Lied von Walt Whitman mit dem Namen “Oh Captain” My Captain!”. Das Lied bekam den Titel “Ho av Hovel (Oh Kapitän) und wurde zu DEM Lied über Itzhak Rabin, dass bei jeder Zeremonie gesungen wird.

Die Sängerin Merav Trabelsi singt “Ho Rav Hovel” unter Anwesenheit der Familie von Itzhak Rabin

Ja, es ist wichtig, dass wir uns jedes Jahr an diesen Abend des 4. November 1994 erinnern. Denn das Land hat sich dadurch verändert. Es hat uns eine Wunde zugefügt, die niemals ganz verheilen wird. Und was wurde aus dem Film “Crocodile Dundee”? Ich habe bis heute nie das Ende von ihm gesehen.

(Foto: Marc Israel Sellem/POOL)

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