ANALYSE: Warum Moskau lügt

Freitag, 28. September 2018 |  Yochanan Visser

Am Dienstag zeigte eine Karikatur in Israels führender Zeitung, Jediot Achronot, den syrischen Präsident Bashar al-Assad neben einem russischen Offizier, während der russische Präsident Wladimir Putin einen riesigen Lastwagen mit dem S-300 Raketenabwehrschild zum rücksichtslosen syrischen Diktator fährt.

„Ich kann es kaum erwarten zu sehen, was ich bekommen werde, nachdem ich ein weiteres (russisches) Flugzeug abschossen habe“, sagt Assad zu dem russischen Offizier.

Die Karikatur illustriert die Atmosphäre in Israel, wo praktisch jeder Putin dafür verurteilt, den jüdischen Staat nach dem Abschuss eines Ilyushin IL-20 Aufklärungsflugzeuges mit einer russischen S-200 Boden-Luft-Rakete von Assads Armee zu verraten.

Am Sonntag veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium eine mutmaßliche faktische Rekonstruktion der Ereignisse vom 17. September, die zum Abschuss der IL-20 und zum Tod 15 russischer Soldaten führten.

Das russische Verteidigungsministerium wies die Ergebnisse des israelischen Militärs in Bezug auf den Vorfall zurück und bestand darauf, dass eines der vier F-16I Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe (IAF) , die eine iranische Raketeneinrichtung in der nordwestlichen Provinz Latakia in Syrien angegriffen hatten, die IL-20 als Schutzschild gegen die ankommende S-200 Rakete benutzt hat, und das nur Minuten, bevor das Flugzeug vom Radar verschwand.

Die Russen bestanden ebenfalls darauf, dass ein israelischer Luftwaffenkommandant das russische Militär nur eine Minute vor dem bevorstehenden Angriff auf die iranische Einrichtung in Latakia informiert habe.

Das Verteidigungsministerium von Putin sagte, dass die Aktionen der israelischen Luftwaffe am 17. September einen klaren Bruch der bestehenden Abkommen zwischen Israel und Russland darstellten, die Zusammenstöße zwischen den beiden Ländern in Syrien verhindern sollten.

Die Russen behaupteten weiter, der IAF-Kommandeur habe bezüglich des Ortes des israelischen Luftangriffs gelogen, als er bekanntgab, dass der Angriff im Norden Syriens stattfinden würde.

Der Pilot der IL-20 erhielt daraufhin den Befehl, sein Einsatzgebiet zu verlassen und zur russischen Khmeimim-Basis im Nordwesten Syriens zurückzukehren, danach war das Flugzeug plötzlich vom Radar verschwunden.

Die Russen behaupteten auch, dass die Kampfflugzeuge der IAF für weitere 50 Minuten im Luftraum vor der Küste in Syrien blieben, wo sie patrouillierten, während eine der F-16 sich plötzlich der IL-20 näherte, die sich darauf vorbereitete, in Khimeim zu landen, wodurch sie sich vor einer ankommenden S-200 Rakete verstecken konnte.

Wie schon in der Vergangenheit, lügen die Russen wie gedruckt.

Erst einmal kann sich ein Flugzeug nicht hinter einem anderen Flugzeug „verstecken“, wie der frühere IAF-Pilot und Chef des militärischen Geheimdienstes, Amos Yadlin, hervorgehoben hat, der die Ansprüche der Russen in der vergangenen Woche als „unprofessionell“ bezeichnete, die „die Syrer von der Schuld befreien“ sollten.

Yadlin enthüllte auch, dass die vier IAF F-16 bereits zurück im israelischen Luftraum waren, als die syrische Armee anfing, S-200 Raketen „zufällig“ zu starten, wie die israelische Armee es nannte.

Am Sonntag veröffentlichte der israelische Journalist Avi Sharf einen Zeitplan des Vorfalls, der zum Abschuss des russischen Flugzeugs führte, und gab einen Tweet ab, der besagte, dass die Syrer zehn Minuten nach dem Auftreffen der IAF-Jets auf ihr Ziel in Latakia im Nordwesten Syriens begonnen hatten, zwanzig Raketen abzuschießen.

„Anstatt sich in Sicherheit zu begeben und den Abschuss der S-200-Raketen zu verbieten, flog das russische Flugzeug in die Gefahrenzone, wo es um 22.03 Uhr abgeschossen wurde“, twitterte Sharf.

Ein weiterer Beweis für russische Lügen über die IAF-Aktionen und den Verlust ihres IL-20-Flugzeugs kam vom russischen Verteidigungsministerium selbst.

Am Sonntag behauptete das Ministerium, dass das Flugzeug eine spezielle Erkundungsmission in der Deeskalationszone der Provinz Idlib durchführen würde, welches in Nordsyrien in der Nähe der türkischen Grenze liegt.

Am 17. September sagte jedoch dasselbe russische Ministerium: „Die Verbindung mit der Besatzung eines russischen Il-20-Flugzeugs ist über dem Mittelmeer, 35 Kilometer vor der syrischen Küste, verloren gegangen.“

Das russische Flugzeug flog außerdem viel höher als die israelischen F-16, die in sehr geringer Höhe flogen, um nicht von den S-200-Raketen getroffen zu werden, von denen bekannt ist, dass sie gegen tief fliegende Flugzeuge ineffektiv sind.

Dann gibt es die russische Aussage, die Israelis hätten ihre Warnung erst eine Minute vor der tatsächlichen Bombardierung ausgesprochen.

Die IAF bestreitet, dass dies der Fall ist und sagt, dass die Vorwarnung viel früher und gemäß des Abkoppelungsabkommens mit Russland abgegeben worden sei.

Und es gibt mehr.

Die Russen verlieren jetzt kein Wort mehr darüber, dass ihr Militär in Syrien den sich entfaltenden Kampf missverstanden hat und zunächst berichtete, dass eine französische Fregatte in den Angriff gegen die iranische Raketeneinrichtung in Latakia verwickelt gewesen sei.

Sie schweigen auch über die Tatsache, dass sie anscheinend vergessen haben, den Syrern elektronische Signale zur Verfügung zu stellen, die in der Lage sind, jedes russische Flugzeug als solches zu identifizieren.

Das russische Militär versucht außerdem, die Tatsache zu verbergen, dass russische Offiziere die Verwendung von in Russland hergestellten Flakbatterien in Syrien beaufsichtigen und die Fähigkeit hatten, ihr eigenes IL-20-Flugzeug zu identifizieren, bevor es abgeschossen wurde.

Dies alles wirft die Frage auf, warum die russische Regierung diese Krise eingeleitet hat und ständig darüber lügt, was am 17. September 2018 passiert ist.

Wie von Israel Heute berichtet wurde, deutet das Verhalten des Kreml darauf hin, dass die Russen nur auf eine Ausrede warteten, um Syrien mit dem hochmodernen Flugabwehrraketenschild S-300 auszurüsten.

Die russische Regierung versuchte bereits im April, das System an Assad zu liefern, stoppte ihr Vorhaben jedoch nach einem Aufschrei von Seiten Israels und anderer westlicher Staaten.

Die Lieferung der S-300 würde die Gesamtsituation auf dem Schlachtfeld in Syrien verändern, obwohl die IDF Berichten zufolge die Fähigkeit hat, das System zu zerstören, und bereits angekündigt hat, dass sie ihre Angriffe gegen den Iran in Syrien fortsetzen wird.

Ein weiterer Grund, Israel für den Absturz der IL-20 verantwortlich zu machen, ist das Prestige Putins in der innenpolitischen Arena und im Ausland.

Kommentatoren in Russland haben darauf hingewiesen, dass das Regime des starken russischen Mannes die Angewohnheit hat, andere für Dinge verantwortlich zu machen, die schrecklich schief gelaufen sind, und niemals die Fehler seines eigenen Militärs zuzugeben.

Der dritte Grund für Russlands Verhalten ist die Situation in Syrien und im Nahen Osten im Allgemeinen.

Putin möchte seine strategische Position in der Region behalten und auch sicherstellen, dass die USA und Israel seine Errungenschaften in Syrien nicht durch die Schwächung der Hisbollah und anderer iranischer Mandanten in dem vom Krieg zerrissenen Land zunichte machen.

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