Uri Avnery gestorben

Montag, 20. August 2018 |  NAI Redaktion

Der in Israel zum Teil sehr umstrittene israelische Journalist, Schriftsteller und der radikalen Linke zugehörende Aktivist Uri Avnery ist heute früh im Ichelov Krankenhaus in Tel Aviv im Alter von 94 Jahren gestorben.

Uri Avnery wurde am 10. September 1923 als Helmut Osterman im deutschen Beckum geboren. 1933 floh er mit seiner Familie nach Israel, wo wer im Alter von 19 Jahre den hebräischen Namen Uri Avnery annahm. Er war Mitglied der paramilitärischen Untergrundorganisation Irgun Zwai Leumi, die sich mit der Staatsgründung der israelischen Armee anschloss. Avnery verließ den die Irgun-Organisation jedoch schon im Jahr 1942 aus Protest gegen ihre „anti-arabischen Ansichten und Terrormethoden. 1948 war er dann Mitglied der israelischen Armee und kämpfte im israelischen Unabhängigkeitskrieg in der Givati-Einheit.

Danach, von 1950 bis 1990 ,war er Herausgeber und Chefredakteur des Magazins haOlam haZeh, ein politisch link stehendes Magazin, das Nachrichten und Unterhaltung miteinander verband. 1965 und auch 1969 wurde Uri Avnery auf der Liste der Partei mit dem gleichen Namen in die Knesset gewählt. Nach einer Pause wurde er mit der Liste „Linkes Lager Israels“ erneut in die Knesset gewählt. Bei den nächsten Wahlen 1981 trat er nicht mehr an.

Uri Avnery war in Israel eine sehr umstrittene Persönlichkeit. Er setzte sich für eine Trennung von Staat und Religion ein und war gegen den orthodoxen Einfluss auf das Leben in Israel. Er war einer der ersten Israelis, der sich für einen palästinensischen Staat einsetzte. 1982 traf er sich mit Jassir Arafat in Beirut, was nur einer von mehreren späteren Besuchen war. Wegen seines extremen pro-arabischen Aktivismus wurde er sogar von seiner eigenen Mutter verstoßen, die ihn als Verräter ansah. In ihrem Testament enterbte sie ihn und schrieb: „Statt sich um mich zu kümmern, besucht er den Mörder Yassir Arafat.“

Im Jahr 1983 gründete Uri Avnery die Friedensinitiative Gush Shalom.

Seine Aktionen wurden immer extremer. So nahm er im Jahr 2003 an der Bildung eines menschlichen Schutzschildes an belagerten Regierungssitz des palästinensischen Präsidenten Arafat in Ramallah teil. Daher wurde ihm vorgeworfen, die Politik Arafats zu rechtfertigen. Im März 2006 verglich er in einem Radiointerview den tödlichen Anschlag auf den rechten israelischen Politiker Rechawam Zeevi mit den gezielten Tötungen von palästinensischen Terroristen durch die israelische Armee. Die Blockade des Gazastreifens verglich er 2009 mit der Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht.

Im Gegensatz zu Israel, wo er von vielen als Verräter angesehen wurde, war Uri Avneri im Ausland sehr populär, er wurde als das andere Israel angesehen, als ein Kämpfer für den Frieden im Nahen Osten. 2001 bekam er zusammen mit seiner Frau Rachel den Alternativen Nobelpreis für die Gründung der Friedensinitiative Gush Shalom.

Bis kurz vor seinem Tod schrieb Uri Avnery für die linke Tageszeitung Haaretz. Zu Beginn des Monats erlitt er einen Schlagabfall und lag seitdem im Krankenhaus in Tel Aviv, wo er heute früh starb.

(Foto: Flash90)

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