Lieber Espresso als Demo

Sonntag, 19. August 2018 |  Dov Eilon

Wie schon in den vergangenen Wochen, war auch für den gestrigen Abend wieder eine Demonstration auf dem Rabin-Platz angesagt. Diesmal waren es die Bewohner aus dem Süden, die im Grenzgebiet zum Gazastreifen leben und seit Monaten unter dem Feuerdrachen-Terror zu leiden haben, wodurch ein großer Teil ihrer Felder verbrannte. Und dann sind da noch die Raketen aus dem Gazastreifen, unter denen der Süden schon seit 17 Jahren zu leiden hat. Während der letzten „Runde“ des Terrors, fielen innerhalb von 24 Stunden um die 180 Raketen und Mörserdrachen auf die Orte und Städte der Landkreise um dem Gazastreifen herum. Besonders die Kinder haben unter diesem Terror zu leiden. Die ständigen Raketenalarme haben besonders bei vielen Kindern, aber auch Erwachsenen, ein Trauma ausgelöst.

Die jüngsten Diskussionen um eine auf vielleicht ein Jahr befristete „Regelung“ oder „Einigung“ oder wie immer man es nennen will, hat die Bewohner des Südens nun nach Tel Aviv gebracht. Sie wollen keine kurzzeitige Regelung für Ruhe, sie fordern eine Lösung, die dem Süden Ruhe und Sicherheit für immer garantieren wird. Sie erhofften sich, bei ihrer gestrigen Diskussion von den Bürgern Tel Avivs unterstützt zu werden, so wie diese zu tausenden zusammen mit den arabischen Israelis vor einer Woche und den Drusen vor zwei Wochen gegen das Nationalitätsgesetz demonstriert hatten. Die Enttäuschung war groß, als sich nur einige Hundert Menschen auf dem Rabin-Platz versammelten, um ihre Solidarität mit ihren Mitbürgern aus dem Süden zu zeigen.

Gestern Abend in Tel Aviv

Enttäuscht sagte eine Demonstrantin aus dem Süden, dass die Tel Aviver wohl lieber im Cafe sitzen würden, um ihren Espresso zu trinken. Oft wurde früher vom „Land Tel Aviv“ gesprochen, wo alles anders ist als im übrigen Land. Kann es sein, dass es den Menschen in Tel Aviv tatsächlich nicht weiter stört, dass nur wenige Kilometer entfernt immer mal wieder ein par Raketen auf die Häuser ihrer Mitbürger fallen? Eigentlich unverständlich. Woran lag es also, dass die Tel Aviver es gestern vorzogen, zuhause zu bleiben, oder, wie schon gesagt, lieber in einem Cafe zu sitzen?

Vielleicht es es auch nur ein Zeichen der Aufgabe, der Hoffnungslosigkeit, dieses Situation überhaupt je in den Griff zu bekommen. Zu oft haben wir diese „Runden“ der Gewalt gesehen. Danach gab es eine Regelung auf Waffenpause, die anscheinend nur beschlossen wurde, um sie später wieder zu brechen und eine neue „Runde“ beginnen zu können.

Allerdings sollten sich auch die Tel Aviver im Klaren darüber sein, dass, sollte die Hamas weiter mit ihrer Strategie Erfolg haben, also von einer Runde zur nächsten Runde zu kommen, es gut sein kann, dass bei eine der nächsten Runden auch die Tel Aviver plötzlich wieder vom „Roten Alarm“ überrascht werden. Und dann kann es zu einer wesentlich grösseren und bedrohlicheren Runde kommen, denn auch im Norden ruht sich die Hisbollah nicht aus. Die israelische Zustimmung auf eine erneute Waffenruhe kann von den Terror-Organisationen im Süden und im Norden als Schwäche interpretiert werden, so wie es auch Bildungsminister Naftali Bennet gesagt hatte.

Vielleicht hätten die Tel Aviver gut daran getan, sich mit ihren Brüdern und Schwestern aus dem Süden zusammenzutun und gemeinsam für die Sicherheit nicht nur des Südens, sondern des ganzen Landes, die Sicherheit der Bürger Israels, zu demonstrieren. Denn so wie es aussieht, wird es bis zur nächsten Runde gar nicht so lange dauern. Einen Espresso hätte man auch nach der Demonstration noch trinken können.

(Foto: Gili Yaari/Flash90)

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