Hamas und Israel - Einigung, Abkommen oder Regelung?

Donnerstag, 16. August 2018 |  Dov Eilon

In den letzten Wochen berichten die Medien immer wieder von der vielleicht bald erreichten Einigung zwischen der Hamas und Israel, die den Unruhen am Grenzzaun zum Gazastreifen und dem ständigen Raketenbeschuss auf israelische Orte im Grenzgebiet und auch dem zur täglichen Routine gewordenen Drachen- und Ballon-Terror ein Ende bereiten soll.

Hier in Israel wird dazu das hebräische Wort „Hasdara“ benutzt, was man mit „Regelung“ übersetzen könnte. Israel sucht also eine Regelung mit der Hamas und kein Abkommen oder gar Friedensvertrag, wie man „Regelungen“ oder auch „Einigungen“ früher genannt hatte.

Mir persönlich war das hebräische Wort „Hasdara“ früher gar nicht nicht bekannt. Es stammt von dem Wort „lesader“, ordnen, aufräumen oder eben regeln. Es gibt kein Abkommen ohne eine Einigung oder einer Regelung. Sobald man sich geeinigt hat, hat man eigentlich ein Abkommen. Aber das scheint für beide Seiten, Israel wie die Hamas, zu weit zu gehen. Denn ein Abkommen würde schließlich bedeuten, dass man sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen darf. So möchte man die Angelegenheiten zwischen beiden Seiten lieber nur „regeln“. „Du greifst mich nicht an und ich schieße nicht zurück“, oder auf den Punkt gebracht: „Ruhe gegen Ruhe“.

Und eine „Regelung“ kann man dann praktischerweise auch zeitlich begrenzen. So kann es sein, dass sich Israel und die Hamas erst einmal darauf einigen werden, im Laufe des nächsten Jahres die Waffen ruhen zu lassen. Ruhe gegen Ruhe für ein Jahr, danach kann man weitersehen. Die Frage ist, ob sich die Bewohner des Grenzgebiets zum Gazastreifen damit zufrieden geben werden. Hat man die ganzen Raketen und Mörsergranaten über sich ergehen lassen nur um jetzt vielleicht dafür mit einem Jahr der Ruhe belohnt zu werden? Sicherlich nicht.

Die Hamas andererseits kann nur daran verdienen, würde sie doch genug Zeit bekommen, sich auf eine neue „Runde“ mit Israel, vielleicht in einem Jahr, vorzubereiten. Sie kann neue Raketen bauen und neue junge motivierte Kämpfer trainieren.

Und was machen die Bewohner im Süden Israels? Sie werden sich im Falle einer neuen „Regelung“ oder „Einigung“ mit der Hamas wieder betrogen fühlen. Ein zeitlich begrenztes Pflaster der Ruhe bringt ihnen nichts. Was ist das für ein Leben, wenn man ganz genau weiß, dass es eine nächste Runde des Terror geben wird. Das denken auch einige Minister in der Regierung, wie zum Beispiel Bildungsminister Naftali Bennet. Mit dem Erreichen einer „Regelung“ würde man der Hamas eine Belohnung für ihren Terror gegen die israelische Zivilbevölkerung geben.

Aber noch ist nichts entschieden. Die Meldungen über den Fortschritt in den Verhandlungen für eine Regelung sind unklar. Erst wird berichtet, dass die Einigung auf eine Regelung nahe sei, andererseits hört man Stimmen aus der Regierung, wonach einige Minister keiner Waffenruhe zustimmen würden, solange die von der Hamas festgehaltenen Leichen der Soldaten und die Zivilisten nicht an Israel zurückgegeben würden.

Ob man sich nun bald auf eine Waffenruhe oder Regelung mit der Hamas einigen wird, werden die nächsten Tage zeigen. Sicher ist, dass es in der nahen Zukunft kein Abkommen geben wird, nur eine Regelung, eine „Hasdara“.

Bild: Unruhen am Grenzzaun zum Gazastreifen. Wird es bald Ruhe geben? (Foto: Yonatan Sindel/Flash90)

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