Israel Heute Morgen - Ein Riss in der Gesellschaft

Mittwoch, 1. August 2018 |  Dov Eilon

Guten Morgen liebe Leser!

Der August ist da, Hochsommer. Und mit dem August sollen wir in den nächsten Tagen auch mit ein paar vereinzelten Regentropfen verwöhnt werden. Regen im August, so etwas gibt es nicht oft, ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, es jemals erlebt zu haben. Im Juli schon, aber im August, dem heißesten Monat des Jahres? Wir werden sehen, ich bin gespannt. So eine Erfrischung wäre wirklich nett.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Teils heiter bis wolkig ohne eine bemerkenswerte Veränderung der Temperaturen. Am Abend Möglichkeit von leichtem Regen im Norden und im Zentrum des Landes. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 29 Grad, Tel Aviv 30 Grad, Haifa 28 Grad, Tiberias am See Genezareth 37 Grad, am Toten Meer 39 Grad, Beersheva 34 Grad, Eilat am Roten Meer 39 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth ist unverändert und liegt bei -213.93 m unter dem Meeresspiegel.

Heute früh wurde im Radio nur über ein Thema gesprochen. Den Streit um das vor zwei Wochen verabschiedete Nationalitätengesetz. Ich habe es schon oft erwähnt, wie gestern, als ich über die arabische Sprache schrieb. Dieses Gesetz bleibt das Thema Nummer eins hier bei uns. Die Diskussionen erhitzen sich immer mehr. Und auch ich komme mittlerweile zu den Schluss, dass hier etwas nicht ganz richtig gelaufen zu sein scheint, auch wenn ich in einem meiner morgendlichen Artikel schrieb dass das Gesetz eigentlich keinerlei Einfluß auf das tägliche Leben habe. Das mag auch jetzt noch so sein, dennoch fühlen sich viele Teile der israelischen Bürger, und ich muss zugeben, leider zu Recht, vom Staat Israel im Stich gelassen, vergessen, ja vielleicht auch beleidigt.

Und in diesem Zusammenhang muss man ganz besonders die Drusen erwähnen, die mit den Juden sogar noch vor der Gründung des Staates Israel einen Bund geschlossen hatten. Die Drusen sehen Israel als ihr Heimatland hat, dem sie bedingungslos dienen. Dieser Bund mit den Juden wird hier bei uns als Bund des Blutes bezeichnet. Seit Staatsgründung dienen die Drusen in der israelischen Armee, an der Seite ihrer jüdischen „Brüder“. Die Drusen sind die einzige Volksgruppe, für die die Wehrpflicht besteht. Heute früh wurde im Radio ein Druse interviewt, der von seiner Familie erzählte, die seit der Gründung des Staates Israel in der israelischen Armee dient. Er erzählte auch, dass die Jugendlichen mit 17 schon sehnsüchtig auf den Beginn ihres Armeedienstes warten würden, so sehr identifizieren sie sich mit dem Staat Israel. Und dieser Bund zwischen den Drusen und den Juden sei nun zerbrochen worden.

Drusen in der Armee

Gestern wurde von zwei drusischen Offizieren berichtet, die bekannt gaben, ihren Dienst in der Armee zu beenden, ein weiterer Druse war nicht zum Reservedienst erschienen, da er sich nun als Bürger zweiter Klasse fühle. Das neue Gesetz hat tatsächlich zu einem Riss in der israelischen Gesellschaft geführt.

Vor etwa dreieinhalb Jahren wurde im Fernsehsender Channel 10 ein Video gesendet, in dem der Journalist Alon Ben David das drusische Dorf Beit Jann im Norden Israels besuchte. Während seines Ganges durch die Straßen des Dorfes erzählt er, dass mehr als 83 Prozent der Drusen ihren DIenst in der israelischen Armee leisten, das sei die höchste Quote überhaupt in der gesamten israelischen Gesellschaft. Weiter erklärt Ben David:

„Die Hälfte von ihnen (den Drusen) dienen in Kampfeinheiten, sie lieben dieses Land, sie wollen ein Teil dieses Landes sein. Seit einiger Zet wird bei uns sehr viel darüber gesprochen, wer dem treu ist und wer nicht, wer Jude ist und wer nicht, wer für uns ist und wer gegen uns ist. Also, wenn nächstes Mal jemand mit Euch über eine bedingungslose Loyalität zum Staat spricht, dann schickt ihn hierher, zum drusischen Militärfriedhof von Beit Jann.“

Seit gestern geht dieses Video wieder durch die sozialen Netzwerke. Ich bekam eine Gänsehaut beim Betrachten des Videos und wurde traurig. Bei meiner Zeit am israelischen Rundfunk hatte ich einen drusischen Kollegen, ein sehr begabter Journalist mit einem hervorragenden Hebräisch, viel besser als es viele jüdische Israelis sprechen. Vor einigen Tagen wurde er im Studio des neuen öffentlichen Senders KAN bezüglich dieses neuen Gesetzes befragt. Er brach fast in Tränen aus, war gebrochen von der klingenden Ohrfeige, die er von seinem Land erhalten hat. Er bezeichnete das Nationalitätsgesetz als die "Vergewisserung des Todes" seines israelischen Traums. Ich verstehe sein Gefühl. Sogar Bildungsminister Naftali Bennet sagte vor einigen Tagen, dass man bei der Formulierung des Gesetzes einiges übersehen habe, die Drusen dürften nicht verletzt und draussen stehen gelassen werden. Dafür wurde er als Befürworter des Gesetzes natürlich sofort kritisiert, so dass er später einen Rückzieher machen musste. Und auch der Finanzminister Moshe Kachlon gab zu, dass das Gesetz vielleicht zu voreilig verabschiedet worden war.

Am Samstagabend ist eine große Demonstration der Drusen auf dem Rabin-Platz in Tel Aviv geplant. Ich habe das Gefühl, dass sehr viele Menschen zu dieser Kundgebung kommen werden nicht nur Drusen. Da das neue Gesetz tatsächlich nichts ändern wird frage auch ich mich mittlerweile, ob wir es jetzt wirklich nötig hatten, uns eine weitere Krise aufzuhalsen, als hätten wir nicht auch so schon genug Probleme. Es war immer und es ist auch heute allen klar, auch den Drusen, wie sie selber sagten, das Israel die Heimstätte des jüdischen Volkes ist, wie es in der Unabhängigkeitserklärung auch erklärt wurde. Im neuen Gesetz hat man im Gegensatz zur Unabhängigkeitserklärung leider vergessen, alle Teile der israelischen Gesellschaft zu erwähnen und allen zusammen gleiche Bürgerrechte zu garantieren. Auch wenn es vom Gesetz so vorgesehen war, man hätte es erwähnen müssen.

Sie sehen, auch ich bin jetzt skeptischer geworden, als ich es zu Beginn war. Ich sehe, das dieses Gesetz gebracht hat. Einen enormen Riss und das tut mir Leid. Noch ist es nicht zu spät, Fehler zu korrigieren. Israel ist das Land der Juden, Hebräisch ist unsere Sprache, aber wir leben eben nicht alleine hier.

Und mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen einen angenehmen und friedlichen Mittwoch. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

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