Israelische Medien außer sich, nachdem Netanjahu von Trump einen "Schlag ins Gesicht" bekam

Dienstag, 13. Februar 2018 |  Ryan Jones

Die israelischen Medien berichteten gestern aufgeregt von der ersten Spannung zwischen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und US-Präsident Donald Trump.

Bis jetzt war die enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Staatsmännern und die verstärkte pro-israelische Einstellung des Weißen Hauses beispiellos. Netanjahu bezeichnete Trump als den besten Freund Israels. Doch die neueste Mitteilung aus dem Weißen Haus war alles andere als freundschaftlich.

Am Montag nannte Trump Netanjahu eunen Lügner, wie es in den israelischen Zeitungen berichtet wurde.

Worum geht es? Netanjahu erklärte in einem Gespräch mit Mitgliedern der Likud-Partei, dass er schon seit geraumer Zeit mit Trump und seiner Regierung über das sogenannte Souveränitätsgesetz gesprochen habe, das das israelische Zivilrecht auch auf die jüdischen Siedlungen in Judäa und Samaria ausweiten soll.

Dieses Gesetz wird von vielen als die Annexion von Gebieten, die von den Palästinensern beansprucht werden, angesehen.

Netanjahu zufolge habe er quasi mit Donald Trump über eine mögliche Annexion des sogenannten „Westjordanlandes“ beraten.

Dies war zu viel für das Weiße Haus und die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Der Sprecher des Weißen Hauses Josh Raffel erklärte vor Journalisten:

„Berichte, denen zufolge die Vereinigten Staaten mit Israel über einen Annexionsplan für das Westjordanland diskutiert hätten, sind falsch. Die USA und Israel haben noch nie über einen derartigen Vorschlag diskutiert, der Präsident konzentriert sich weiterhin auf seine israelisch-palästinensische Friedensinitiative.“

Israels meistverkaufte Tageszeitung Jediot Achronot und auch andere Zeitungen entschieden sich, das Wort „falsch“ auf Hebräisch mit „Lüge“ zu übersetzen, so dass die Überschrift bezüglich der Erklärung des amerikanischen Sprechers recht provokativ klingt:

„Was Netanjhau sagt, ist eine Lüge“

Der darunter folgende Text wollte noch weiter klarmachen, dass die Flitterwochen von Netanjahu und Trump offiziell beendet zu sein scheinen:

„Netanjahu hat nicht mit einem Schlag ins Gesicht gerechnet. Besonders im Fall von Trump, der bei jeder Gelegenheit sagt, was für ein guter Freund Netanjahu sei“

Die Frage ist natürlich, ob es sich hier nur um journalistische Wortspiele handelt, um die Verkaufszahlen der Zeitung zu erhöhen, oder ob nun erste Risse in dem, was viele für eine untastbare diplomatische und persönliche Freundschaft hielten, zu erkennen sind.

Viele Israelis mögen zustimmen, dass Netanjahu die Liebe Trumps zum jüdischen Staat zu einem gewissen Grad ausgenutzt hat. Und wir wissen alle, dass Trump keinerlei Bedenken hat, seinen besten Freunden ins Gesicht zu schlagen, wenn sie ihm bei seinen Geschäften in die Quere kommen.

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