Streit um Shabbat geht weiter

Sonntag, 21. Januar 2018 |  Dov Eilon

Bild: Demonstration in Ashdod (Foto: Flash90)

Seit der Verabschiedung des sogenannten Supermarkt-Gesetzes, das dem Innenminister ermöglicht, städtische Verordnungen, die die Öffnung von Geschäften am Shabbat regeln, für ungültig zu erklären, ist der Kampf um den Shabbat wieder neu entfacht. Schon am Shabbat vor einer Woche demonstrierten in der Stadt Ashdod um die 2500 Bürger gegen die Bestrafung von Geschäften ihrer Stadt, die am Shabbat geöffnet haben.

Erst vor einer Woche „beruhigte“ Innenminister Ariel Deri als er sagte, er würde das neue Gesetz nicht anwenden, er bräuchte es nicht (Artikel). Die Städte müssten selber entscheiden, was gut für sie wäre. Dennoch bekamen in Ashdod viele Geschäfte im Einkaufszentrum „Big“ am Shabbat vor einer Woche Besuch von städtischen Inspektoren. Sie verteilten Strafzettel an die Geschäfte, wegen „Öffnung am gesetzlichen Ruhetag“.

Auch gestern Abend kamen wieder um die 2500 Menschen zum Big-Einkaufszentrum, um gegen das neue Gesetz zu protestieren. „Hier ist nicht das Mittelalter“, stand auf einem der Schilder. Ein anderes Schild fragte, ob das „ein freies Volk in unserem Land“ bedeute und forderte „dem religiös-orthodoxen Zwang ein Ende zu machen“.

Waren vor einer Woche nur Bürger Ashdods auf der Straße, gab es gestern bereits Unterstützung einiger Politiker. Allen voran Verteidigungsminister Avigdor Lieberman, der sich auf den Weg nach Ashdod machte, um die Bürger in ihrem Kampf gegen das Gesetz zu unterstützen. Lieberman hatte sich auch bei der Abstimmung in der Knesset natürlich gegen das „Supermarkt-Gesetz“ ausgesprochen. „Wer glaubt, dass das Supermarkt-Gesetz keine Auswirkungen hat, irrt sich und führt andere in die Irre“, sagte er. „Leider hat das Gesetz eine große Bedeutung und das sehen wir jetzt hier in Ashdod.“

„Bis jetzt lebte man in Ashdod harmonisch miteinander, doch nun ist die Stadt geteilt und ich hoffe, dass dies nicht auch in anderen Städten passieren wird. Die Spaltung schadet der nationalen Stärke. So wie ich die Menschen, die am Morgen des Shabbat in die Synagoge gehe, respektiere, erwarte ich, dass auch die Menschen respektiert werde, die morgens am Shabbat einen Kaffee mit Freunden trinken gehen wollen“, sagte Lieberman.

Dieser Besuch Liebermans wurde von Innenminister Arie Deri alles andere als gerne gesehen. „Ich bin mit Lieberman fertig“, soll er gestern Abend nach Ausgang des Shabbats gesagt haben. Dies sei eine Überschreitung der roten Linie. Lieberman würde den Shabbat mit Füssen treten.

Arie Deri und Avigdor Lieberman in besseren Tagen (Foto: Hadas Parush/Flash90)

Die Koaltitionspartei Jahadut HaTora verlangte von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Avigdor Lieberman zu verwarnen. Er habe den Shabbat öffentlich beleidigt.

Auch Yair Lapid, Vorsitzender der Jesh-Atid-Partei, kam mit Abgeordneten seiner Fraktion nach Ashdod, um die Demonstranten zu unterstützen und nutzte die Situation für den nächsten Wahlkampf. „Wir sind gekommen, weil das beleidigende Supermarkt-Gesetz verschwinden muss“, sagte er zu den Demonstranten. „Sollten wir bei den nächsten Wahlen gewinnen, werden wir dieses Gesetz wieder abschaffen, denn der religiöse Zwang kann den Staat Israel nicht führen. Auch ich habe einen Shabbat, einen Shabbat-Tisch, aber man darf nicht zu uns kommen, um uns vorzuschreiben, wie wir unseren Shabbat zu gestalten haben. Keiner sagt uns, wie wir zu leben haben, was für Juden wir zu sein haben.“

Yair Lapid in Ashdod (Foto: Flash90)

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.

Aktuelle Ausgabe

FERIENWOHNUNG IM HERZEN VON JERUSALEM

Informationen unter:

E-Mail: info@israelheute.com

TEL.: 00972-2-6226880