Es stinkt in Jerusalem

Montag, 27. November 2017 |  Dov Eilon

Als ich heute früh in Jerusalem ankam, wurde ich von einem unerträglichen Gestank empfangen. Dabei hatten die Reinigungskräfte der Stadt gerade gestern die Straßen und Bürgersteige gereinigt. Ich kannte diesen Gestank schon von der letzten Woche. Es ist der Geruch des grünlichen Stinkwassers, das die Polizei bei Demonstrationen in ihren Wasserwerfern benutzt, um Demonstranten von den Straßen zu entfernen.

Gestern haben waren die orthodoxen Juden der Jerusalemer Gruppe der Lithauer-Strömung wieder auf Anweisung ihres Rabbis auf die Straßen gegangen, um gegen die Festnahme ihrer Freunde zu protestieren, die sich weigern, sich an der Rekrutierungsstelle der israelischen Armee zu melden. Gestern wurden sie daher zu einer bis zu dreimonatigen Haftstrafe verurteilt.

Schon gegen 15 Uhr wurde die Kreuzung Jaffastraße und Sarei Israel von den Demonstranten blockiert, ein Verkehrschaos war vorprogramniert. Es kamen immer mehr Menschen, die sich tanzend und singend auf der Kreuzung versammelten und den Verkehr zum Stillstand brachten. Dann begann die Polizei, ihre stinkenden Wasserwerfer einzusetzen. Wer sich dann versehentlich in „Schußweite“ der Wasserwerfer aufhielt, hatte Pech.

Später dann, gegen 17 Uhr, strömten die Demonstranten in die Richtung der Saitenbrücke, wo sich die Hauptausfahrt aus Jerusalem befindet. Die Ausfahrt wurde blockiert, die Verkehrsschlangen wurden immer länger. Ich wartete mittlerweile auf meinen Bus und tippte zu Glück auf die richtige Linie, die über die Straße 443 nach Modiin fährt. Als der Bus dann an der Kreuzung hielt, wo vorher das Stinkwasser auf die Demonstranten geworfen wurde, drang der Gestank des grünen Wassers in den Bus, zum Glück versprühte eine Mifahrerin etwas von ihrem Parfum, sonst wäre es fast unmöglich gewesen, weiterzufahren. Der Geruch ist unbeschreiblich.

Aber zurück zu den Demonstranten. Bis 20 Uhr dauerte der Kampf zwischen ihnen und der Polizei, es floss noch viel grünes Wasser, bis die Straßen wieder für den Verkehr geöffnet werden konnten. Dutzende der orthodoxen Demonstranten wurden festgenommen. Ob diese Proteste die israelische Regierung nun dazu bringen werden, auf die Einladung der orthodoxen Juden zu den Rekrutierungsstellen zu verzichten? Sie bekommen dort doch eh eine Freistellung vom Dienst in der Armee.

So werden wir uns wohl auch in der Zukunft mit diesen Protesten und dem damit verbundenen Verkehrschaos abfinden müssen. Es stinkt mir, im wahrsten Sinne des Wortes.

Bild: Wasserwerfer gegen Demonstranten, gestern in Jerusalem (Foto: Flash90)

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