Israel Heute Morgen

Montag, 9. Januar 2017 |  Dov Eilon

Guten Morgen liebe Leser!

Shir (22), Yael (20), Erez (20) und Shira (20). Das sind die Namen der vier jungen Menschen, die gestern hier in Jerusalem bei dem grausamen Terroranschlag ums Leben gekommen sind. Am Shabbatausgang haben sie noch zuhause zusammen mit ihren Familien gesessen, sicher hat man sich über den Ausflug nach Jerusalem im Rahmen ihres Offiziers-Lehrgangs unterhalten. Dann hat jeder noch am Abend seine Tasche für die neue Woche gepackt, um am nächsten Morgen dann pünktlich von zuhause wegzukommen. Sie verabschiedeten sich von ihren Eltern, die ihren Kindern eine gute Woche und einen schönen Tag in Jerusalem wünschten. Wer von den Eltern hätte gedacht, dass dies der letzte Morgen war, wo sie ihre Kinder lebend gesehen haben. Ich bin so erschüttert, weil ich selbst einen Sohn in ihrem Alter habe. Auch ich habe mich gestern von ihm verabschiedet und ihm eine gute Woche gewünscht. Auch er war schon einige Male im Rahmen der Armee auf Ausflügen in Jerusalem. Jeder Soldat fährt mindestens einmal im Rahmen seines Militärdienstes hierher, wo ihnen die Geschichte Jerusalems erzählt wird. So war es auch für Shir, Yael, Erez und Shira ein ganz normaler Tag, sogar ein besonderer Tag. Und dann kam der Lastwagen.

Es ist nicht leicht, jetzt so einfach in den Alltag zurückzukehren. Gestern nach meiner Mittagspause dachte ich mir noch, wie schön es doch sei, dass wir schon eine relativ lange Zeit keine Terroranschläge mehr hatten. Ich hatte mich schon an diesen "normalen" Alltag gewöhnt. Doch kaum war ich zurück in meinem Büro, begannen draußen die Sirenen der Rettungswagen zu heulen. Erst dachte ich , es sei der Ministerpräsident, der auf dem Weg von seinem Amtssitz zur Knesset sei. Dann fährt seine Autokolonne auch mit heulenden Sirenen, damit die anderen Autofahrer Platz machen. Doch diesmal hörten die Sirenen nicht mehr auf. Minutenlang. Und dann erreichte uns auch schon die Meldung von einem Anschlag mit mehreren Verletzten. Mein Sohn rief mich an, um zu wissen, ob alles in Ordnung sei. Er weiss, dass ich oft an verschiedenen Orten Jerusalems spazieren gehe. Und die Promenade in Armon NaNaziv ist tatsächlich einer der Orte, die ich noch auf meiner Liste habe. Man hat von dort aus einen wunderbaren Blick auf Jerusalem.

Und jetzt versuche ich trotz allem, in den Alltag zurückzukehren. Es ist heute sehr kalt draußen. Das ist natürlich relativ. Die Temperaturen in Israel können mit den niedrigen Temperaturen im Winter bei Ihnen in Europa natürlich nicht konkurrieren. Aber 2 Grad in der Nacht kann man auch nicht als warm bezeichnen. Sogar bei uns in Modiin gingen die Temperaturen in der Nacht bis auf 7 Grad zurück. Hier in Jerusalem ist das fast die heutige Höchsttemperatur. Es ist sehr windig, die Sonne schafft es kaum, uns ein wenig aufzuwärmen.

Und hier ist das Wetter für heute in Israel:

Im Norden Regen mit Gewittern. Schneefall auf dem Hermon-Berg und in den nördlichen Golanhöhen. Vereinzelte Regenschauer im Küstengebiet möglich. Starke Winde und sehr kalt. Im Süden und Zentrum dunstig. Folgende Höchsttemperaturen werden erwartet: Jerusalem 8 Grad, Tel Aviv 13 Grad, Haifa 11 Grad, Tiberias am See Genezareth 12 Grad , am Toten Meer 18 Grad, Eilat am Roten Meer 16 Grad. Der Wasserpegel des See Genezareth liegt unverändert bei -213.56 m unter dem Meeresspiegel.

Ausser dem schrecklichen Anschlag von gestern steht noch eine Geschichte im Mittelpunkt der Berichte in den Medien. Es geht natürlich wieder um unseren Ministerpräsidenten. Gestern wurde von einer neuen Affäre berichtet, die sehr hohe Wellen schlagen wird. Und das stimmt. Auch ich war erstaunt und enttäuscht. Um was geht es? Es geht um ein Gespräch aus dem Jahr 2014 zwischen Netanjahu und dem Herausgeber der Tageszeitung Jediot Achronot, die mit Netanjahu immer sehr kritisch umgeht, was die Berichterstattung angeht. Man könnte sagen, die Zeitung, oder besser ihr Herausgeber Noni Moses, ist alles andere als ein Freund Netanjahus. In ihrem Gespräch ging es um ein Angebot seitens Moses. Ihm war die 2007 von einem Freund Netanjahus gegründete Zeitung "Israel Hayom" ein Dorn im Auge. Die Zeitung wurde vom amerikanischen Unternehmer Sheldon Adelson gegründet, mit dem Ziel, der sonst den oft sehr links orientierten Medien ein Gegengewicht zu schaffen. Dazu kam, dss die Zeitung gratis verteilt wird. Im Jahr 2010 löste "Israel Hayom" die Zeitung "Jediot Achronot" als meistgelesene Zeitung in Israel ab. Im Gespräch mit Netanjahu bot Moses an, über ihn, Netanjahu, positiver zu berichten, wenn dieser dafür sorgen würde, dass das sogenannte "Israel Hayom Gesetz" verabschiedet werde. Über dieses Gesetz wurde tatsächlich in der Knesset beraten, es sollte die Gratis-Verteilung von Zeitungen mit einer grossen Auflage verbieten, es war also absolut für "Israel Hayom" zugeschnitten gewesen. In dem mitgeschnittenen Gespräch hört man Netanjahu sagen "Alles wird gut". Doch dann kamen die Neuwahlen im Jahr 2015 und das Gesetz verschwand in den Schubladen der Knesset. Aber es ist schon dreist, dass Netanjahu sich überhaupt auf so ein Gespräch hat eingehen lassen, dessen Ziel es war, die Zeitung, die ja für ihn selbst gegründet worden war, nun mit seiner Hilfe zu zerstören. Nun ist man gespannt zu sehen, wie beide Zeitungen das Thema behandeln werden.

Liebe Leser, mein heutiges "Heute Morgen" ist etwas länger geworden, aber ich wollte Ihnen meine Eindrücke nach dem Anschlag von gestern schildern. Ich bin neugierig, wie die Welt auf den gestrigen Anschlag reagieren wird, Das Brandenburger Tor hat seine Farbe gestern jedenfalls nicht in blau-weiß verändert.

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag und einen guten Start in die Arbeitswoche. Machen Sie es gut.

Shalom aus Jerusalem!

Dov

Möchten Sie mehr Nachrichten aus Israel erhalten?
Klicken Sie hier um den KOSTENLOSEN täglichen Newsletter per Email zu erhalten.

Aktuelle Ausgabe

FERIENWOHNUNG IM HERZEN VON JERUSALEM

Informationen unter:

E-Mail: info@israelheute.com

TEL.: 00972-2-6226880

Werbeanzeige

Am meisten gelesen