Schuldspruch spaltet das Land

Donnerstag, 5. Januar 2017 |  Dov Eilon

Bild: Demonstranten vor dem Gericht (Flash90)

Der Schuldspruch über den Soldaten Elor Azaria hat gestern für viel Unruhe im Land gesorgt. Die Meinungen sind gespalten. Von einer Seite wird der Soldat als Held gefeiert, andere verurteilen seine Tat und rechtfertigen den Schuldspruch.

Vor dem Militärgericht in Tel Aviv hatten sich gestern während der Verkündung der Entscheidung der Richter mehrere hundert Menschen versammelt, um dem Soldaten ihre Unterstützung zu zeigen. Sie forderten einen Freispruch. Nach Bekanntwerden der Entscheidung erhitzten sich die Gemüter, so dass die Polizei eingreifen musste. Journalisten wurden bedroht und angegriffen. Sie wurden beschuldigt, Einfluss auf den Verlauf des Prozesses genommen zu haben. Dabei wurden sie als Linke und mit sehr unschönen Worten beschimpft. Auch der Chef der Israelischen Armee Gadi Eisenkot wurde durch Rufe bedroht. "Gadi, Gadi, pass auf dich auf, Rabin sucht einen Freund!" lautete einer der Rufe. Eisenkot wurde scharf kritisiert, nachdem er gesagt hatte, dass man mit 18 Jahren nicht ein Sohn sei, sondern ein Soldat. Viele hatten Elor Azaria als "Sohn aller Israelis" bezeichnet.

Unruhen vor dem Gericht, gestern

Die sozialen Netzwerke füllten sich mit Verurteilungen des Schuldspruchs. Unter anderem wurde ein Bild veröffentlicht, auf denen den Richtern ein "Hitlerbart" aufgemalt worden war. Sie wurden mit dem Wort "Judenrat" beschimpft. Gestern wurde in Jerusalem ein Mann von der Polizei festgenommen, nachdem er den Richtern in einem Post auf Facebook gedroht hatte.

Politiker aus allen Lagern sprachen sich für eine Begnadigung des Soldaten aus. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb gestern auf seiner Facebookseite, dass er eine vollständige Begnadigung unterstütze. Verteidigungsminister Avigdor Liebermann sagte, dass er nicht glücklich über die Entscheidung sei, aber das Urteil des Gerichts respektiere. Er kritisierte die Bitten nach Begnadigung, denjenigen, die eine vollständige Begnadigung fordern, sei das Gesetz nicht bekannt. Es würde ihnen mit ihrer Bitte darum gehen, der Menge zu gefallen, sie seien mehr um ihr eigenes Image besorgt als um das Wohl des Soldaten. Er empfahl, zu schweigen, wenn es ihnen wirklich um das Wohl des Soldaten ginge und versprach, dem Soldaten die volle Untersützung zu geben, auch wenn er sich bei seiner Tat geirrt hätte.

Bild: Elor Azaria mit seiner Familie im Gerichtssaal (Miriam Alster/FLASH90)

Die Familie von Elor Azaria hat sich von den Hetzreden in den sozialen Netzwerken distanziert und sich gegen jede Form der Gewalt ausgesprochen. Dies sei nicht der Weg, um Elor zu helfen, hiess es in einer Erklärung der Eltern.

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